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Charlie Haden Family & Friends, Rambling Boy, 2008

Produzent/ Charlie Haden, Ruth Cameron

Label/ Decca

Schon im zarten Alter von 22 Monaten – so die Legende – debütierte der kleine Charlie im Radioprogramm der Haden Family. Obwohl sie nicht ganz so berühmt war wie die Carter Family, genoss die Haden Family in den 30er und 40er Jahren in der Country-, Bluegrass- und Western-Musikszene einen exzellenten Ruf. Bis zu seinem 15. Lebensjahr trat Charlie als Sänger mit der Familienband auf, dann bereitete eine Polioerkrankung, die seine Stimmbänder in Mitleidenschaft zog, seiner Gesangskarriere ein Ende und führte dazu, dass sich der Teenager fortan ganz dem Bass widmete. Mit dem Album „Charlie Haden Family & Friends: Rambling Boy“ kehrte Charlie Haden 2008 mit seiner Familie und nahestehenden Freunden zu seinen musikalischen Ursprüngen zurück.

„Rambling Boy“ bietet neben einer Reihe von Songs, die durch die Stanley Brothers, die Carter Family und Hank Williams bekannt wurden, und anderen traditionellen Stücken auch ein paar bemerkenswerte neue Originale. Die neue Haden Family, die von Charlie und seiner Frau Ruth Cameron geleitet wird, besteht aus den vier Kindern des Paars und dem Schwiegersohn Jack Black. Zu ihnen gesellten sich für die Session von „Rambling Boy“ einige sehr illustre Grössen der Americana-, Country-, Bluegrass-, Jazz- und Popmusik: u.a. Rosanne Cash, Elvis Costello, Pat Metheny, Vince Gill, Bruce Hornsby, Bela Fleck, Ricky Skaggs & The Whites, Dan Tyminski, Jerry Douglas, Sam Bush, Stuart Duncan und Bryan Sutton.

Wenn man dieses zutiefst in der ländlichen Musiktradition der USA verwurzelte Album so hört, kann man kaum glauben, dass man es hier tatsächlich mit demselben Charlie Haden zu tun hat, der einst mit Ornette Coleman durch Alben wie „Change Of The Century“ und „Free Jazz“ die gesamte Jazzwelt in helle Aufregung versetzte. Und auch von dem nostalgischen Jazz, den Haden mit seinem Quartet West in den 80er und 90er Jahren auf Alben „Haunted Heart“ und „Now Is The Hour“ spielte, scheint die Musik von „Rambling Boy“ Lichtjahre entfernt.

18 Gedanken zu “

  1. Der warme Sound dieses Albums gefällt mir sehr gut. Noch vor wenigen Jahren hätte ich es vermutlich als Hillbilly-Musik abgestempelt. In der Zwischenzeit habe ich zunehmend festgestellt, daß Bluegrass und traditionelle Country Musik durchaus ihre Reize haben kann. Ob man dies nun Hillbilly Musik nennt oder nicht ist mir mittlerweile egal.

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    1. „Rambling Boy“ ist ein interessanter Einblick in das musikalische Leben von Charlie Haden. Ich finde es traumhaft schön, wie hier traditionelle Spielweisen und der von den Haden-Schwestern meisterlich beherrschte Harmoniegesang mit aus dem Jazz bekannten Harmonien zusammenkommen. Dieses Album hat viele schöne Momente. Ob man sowas nun Hillbilly, Country oder Gospel nennt, ist wirklich egal.

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    1. Charlie Haden kennt man vorallem als Jazz-Bassisten, u.a. sind da die legendären Einspielungen von ihm mit Ornette Coleman, Keith Jarrett oder Pat Metheney und seinem eigenen Liberation Music Orchestra. Dass Haden vor seinem Tod noch dieses Album aufgenommen hat, hängt mit der Geschichte der Haden-Family zusammen, die aus den Ozark-Berge und den Appalachen stammt und in den 30er Jahren im Mittleren Westen mit Hillbilly, Mountain Music und Spirituals bekannt wurde.

      Ein sehr schöner Einstieg in die amerikanische Volksmusik ist übrigens „ O Brother Where Art Thou?“. Der Film lässt die Lieder aus einer anderen Zeit liebevoll wieder auferstehen.

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      1. Vielen Dank für die weiteren Erläuterungen. Der Name Haden war mir im Zusammenhang mit Coleman und Metheney bekannt. Ich wusste allerdings nicht, dass es sich dabei um den gleichen Musiker handeln würde.

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      2. Danke für Dein Interesse. Nun steht Charlie Haden sicher nicht im Verdacht, musikalisch konservative Werte zu vertreten, hat er doch als Free-Jazz-Musiker eine enorme Vielseitigkeit bewiesen. Aber Charlie Haden war eben auch ein Verfechter jener um familiären Zusammenhalt und um Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln bemühten Bodenständigkeit. „Rambling Boy“ war sein letztes Album und Hommage an seine Eltern und Vermächtnis für seine Kinder zugleich.

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    1. Es ist halt ein grosser Bogen vom Cowboy Charlie mit der sanften Kinderstimme zum Jazz-Kontrabassisten Charlie Haden bis „Rambling Boy“. Auf jeden Fall schliesst sich hier ein Lebenskreis.

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  2. This surprises me and doesnt surprise me at the same time. Make sense? Good musicians find each other and bluegrass has more than its share. Charlie was not only great jazz musician but different cat. Thanks for this Fox. Im all over this.
    ( Bluegrass take coming up on CBs page. Long over due)

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    1. Thanks, CB. Yep, it’s sort of bluegrass, hillbilly, country, folk and gospel, but it’s for sure not a jazz album. More a window into the music that shaped Haden into what he became as jazz musician. The Rambling Boy is here among family and friends and the entire album resonates with this atmosphere. It’s was he’s last album and some tracks are simply beautiful.

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      1. Charlie Haden was a great bass player. One just have to hear him with Coleman in pieces like „Lonely Woman“. I bought his album with the Liberation Music Orchestra in the early 1970s. Maybe the hymns of various revolutions are just dreams, but Carla Bley’s arrangements are a miracle of dynamism.

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    1. I think Charlie Haden was an outstanding jazzmusican. I also love his country music on „Rambling Boy“. Sure this is more a family and traditional thing with whom he raised up. But the musical performances are solid and fun to listen.

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      1. Max, do you remember the movie „O Brother, Where Art Thou?“ The Haden family show wasn’t quite as famous as the Carter Family ones but had a good reputation in the western music scene. It’s interesting how the little Charlie became later one of the best jazz bassists in the free jazz scene.

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