Calexico, Ballad Of Cable Hogue, 2000

Text/Musik/ Joey Burns

Produzent/ Joey Burns

Label/ City Slang

Der Kern von Calexico – Sänger Joey Burns und Drummer John Convertino – war ursprünglich die Rhythmussektion der Rockband Giant Sand um Howe Gelb. Mitte der Neunziger gründeten die beiden Musiker aus Tucson, Arizona dann ihre eigene Band. Mit einem eindrucksvollen Arsenal an Instrumenten, von Vibraphon über Akkordeon bis hin zu Mandoline und Steel-Gitarre, suchten sich Calexico ihre eigene Ecke im grossen Americana-Universum: einen Sound zwischen Country, Post-Rock und mexikanischer Folklore. Bei mir erscheinen immer schemenhafte Bilder vor der inneren Leinwand, wenn ich diese Musik höre. Die Wüste und die Sonne, imaginäre weite, leere Landschaften und staubige Strassen, irgendwo zwischen den USA und Mexico.

Calexico-Lieder sind Lieder im Schwebezustand, die den Traum vom Glück spazieren fahren, aber immer auch die Ahnung eines Schattens mit sich tragen. Kein Wunder, dass ihre Lieder auch schon für zahlreiche Filme verwendet wurden. So haben Calexico Taylor Hackfords Film „The Love Ranch“ vertont. Auf dem Soundtrack des Bob-Dylan-Films „I’m Not There“ war die Band gleich fünf Mal vertreten. Doch der Transfer verläuft auch umgekehrt: „ Ballad Of Cable Hogue“ heisst ein Calexico-Stück in Anlehnung an den gleichnamigen Western von Sam Peckinpah aus dem Jahr 1970. Es geht darin um einen Goldgräber, der von seinen Kumpanen ausgeraubt und ohne Nahrung und Wasser in der Wüste zurückgelassen wird. Kurz vor dem Erschöpfungstod stösst er auf eine Quelle, die ihn rettet. Dann plant er seine Rache. Der Song von Calexico ist eine Spielerei zu dem Film; ein musikalisches Klischee, das dazu dient, das Hybride zu erforschen und in Sound umzusetzen. Der Klang von „Ballad Of Cable Hogue“ machte Calexico weltberühmt. Das Lied wurde zusammen mit der US-amerikanisch-französischen Sängerin Marianne Dissard aufgenommen.

21 Gedanken zu “

  1. Meine deutsch-französische Zauberfee liebt Saloongirls, mag Silber und hat zwei Schreckschußpistolen – hoffe ich zumindest – und dann dieser Titel / Video … Oh La La très bien!

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    1. I don’t know if Joey Burns ever saw Peckinpah’s movie. There is a touch of irony in this song, just like the desert wind blows through the leafless bushes in a the border town of a spaghetti western.

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      1. Yep, „Crystal Frontier“ is a great song, but this time not inspired by Sam Peckinpah or Jim Thompson, but by the book with the same name by Carlos Fuentos. After all, this is also about another border, the cultural uprooting of cross-border commuters between Mexico and USA.

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      2. I know that CB has a weakness for Peckinpah and Thompson. Anyway, Calexico have also has a number called „Contention City“. I think in this ghost town in Arizona was the grand finale in „3:10 to Yuma“.

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  2. Mit dem gesamten Werk von Calexico habe ich mich schwer getan. Ab einem gewissen Punkt mochte ich die Wiederholungen nicht mehr.
    Heute höre ich ab und zu die CDs, die sie auf ihren Tourneen zum Kauf angeboten haben.
    Meine liebste Scheibe ist zwar nur ein kurzer Konzertmitschnitt, aber dafür genieße ich sie umso mehr: Calexico & Iron & Wine – Live at the Triple Door, 22.10.2005

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    1. Danke für Hinweis. Ich habe mir aus „Live At The Triple Door soeben“ „All Tomorrow’s Parties“ angehört. Die Version klingt interessant, aber Nico singt das halt so monoton schön. Die grösste Stärke von Calexico ist die Vielfalt. Jedes Album öffnet wieder Tore auf neue Stile, Klänge und persönliche Idiome. Mir persönlich gefällt auch die experimentelle Seite der Band auf den früheren Alben wie „Feast Of Wire“ oder „The Black Light“.

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      1. Hinweise können unsere Horizonte weiten 😉

        Gegen Nicos Gesang kamen / kommen andere Interpreten oft nicht an. Eine andere gelungene Version von All tomorows Parties gibt es von Dirtmusic auf deren 2010er Album BKO.

        Wahrscheinlich haben bei mir die frühen Alben einen tieferen Eindruck hinterlassen als die späteren. The black Light wird bleiben .

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      2. Nico war wirklich eine originelle Künstlerin. „All Tomorrows’s Parties“ soll ja Andy Warhols Lieblingstück von Velvet Underground gewesen sein.

        Aber zurück zu Calexico: ebenfalls sehr interessant finde ich „Carried To Dust“, auch wenn hier der krachige, zornige Ton zu einem breiten, sanften Sound geworden ist. Hier der Videoclip zu dem Stück „Two Silver Trees“: https://www.youtube.com/watch?v=sCA0_bNXAao

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      3. Carried to Dust kenne ich schon nicht mehr. Ich bin bei Garden Ruin ausgestiegen.
        Two Silver Trees finde ich schön – vielen Dank für diesen Hörtipp.
        Wie geschrieben habe ich lediglich noch die Tour CDs

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    1. Unbedingt reinhören! Calexico lassen die Welten kollidieren, im schläfrigen Ton des US-Südwestens. Der flirrende Gitarrensound des Spaghetti-Westerns tritt in einen Dialog mit Mariachi-Melodien, dann trifft Country auf Blues und Jazz auf Latin. Dazwischen Glockenspiel, Marimba und Banjo oder auch eine Zither.

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