The Mothers of Invention, Freak Out, 1966

Produzent/ Tom Wilson

Label/ Verve

„Freak Out“ war die erste Platte des schlagartig erwachenden Undergrounds. Frank Zappa hatte nicht nur „money at the bank“, sondern auch Recht. Er hatte etwas ganz Besonderes, was die anderen nur andeuten konnten. Zappa entwickelte eine im Pop noch unbekannte Kunst-Form. Er organisierte seine Kompositionen aus allen nur erdenklichen Genres von zeitgenössischer E-Musik über Jazz bis Doo Wop. Die überdrehten Sound- und Vortragseffekte der Fünfziger-Jahre-Novelty-Hits verband er mit suitenhaft angelegten Grosskompositionen, integrierte Hörspiel und Satyrspiel.

„Freak Out“ beginnt mit ein paar gelungenen Teenie-Balladen und Rock’n’Roll-Parodien. Es gibt etwas Gesellschaftskritik, ist aber insgesamt harmlos, bis Zappa in dem 11. Song die Frage stellt: „You’re Probably Wondering Why I’m Here?“. Dann bricht die Hölle über die Popgemeinde herein, zerplatzt neue Musik in Herzen und Hirnen. Ein langer, frenetischer, negrophiler Polit-Rap „Trouble Every Day“ wird von einem bluesigen Gitarrenriff angetrieben. Der Text behandelt die Rassenunruhen von 1965 in Watts, dem schwarzen Ghetto in Los Angeles; sie dauerten sechs Tage, 34 Menschen starben, über tausend wurden verletzt. Zappa beschreibt die Vorfälle aus der Sicht des Zuschauers, analysiert den Sensationalismus der Fernsehstationen und die Auswegslosigkeit des Ghettos, ohne dabei die weissen Opfer des schwarzen Mobs zu ignorieren: „I’m not black/ But there’s a whole lots a times/ I wish I could say I’m not white.“

Danach kommt dieser szenisch, aufgelöste, verfremdete Geniestreich „Help I’m a Rock“, um mit der Synthese „The Return of the Son of Monster Magnet“ zu schliessen: Macht zusammen die 27 besten Minuten, die das Album „Freak Out“ zu bieten hat. Ich meine: Frank Zappa war gut, genial, politisch, subversiv und lustig, aber man muss wirklich nicht alles von ihm mögen, speziell nicht diese jazzigen Endlos-Teile.