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The Velvet Underground & Nico, 1967

Produzent/ Tom Wilson/ Andy Warhol

Label/Verve

Als Velvet Underground im April 1966 zum ersten Mal ins Studio gingen, hatten sie noch keinen Plattenvertrag. Vielmehr wollten sie in den heruntergekommenen Scepter Records Studios in Midtown Manhattan Material einspielen, um sich mit diesem bei Labels zu empfehlen. In den sechs Tagen Studiozeit sollten aber gleich professionelle, schlüsselfertige Aufnahmen entstehen, keine Demos. Das Ergebnis dieser Session wurde denn auch das Fundament ihres im Jahr darauf erschienenen Debütalbums. Eines Albums, wie es bis dahin keines gegeben hatte. Radikal anders in seinem Sound, seinen Arrangements, seinen Texten, seinem Design und seiner Attitüde, markierte „The Velvet Underground & Nico“ nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der populären Musik.

Wo zur selben Zeit die Beach Boys über das Strandleben an der Westküste und Adoleszenzbeschwerden sangen oder Love sich an der Kleidung weiblicher Fans ergötzten, beschrieb die neue Band von der Ostküste, wie es sich anfühlt, wenn ein Körper von heroingesättigtem Blut geflutet wird. Oder sie skizzierte die Ausweglosigkeit eines Menschen, den man nicht am Leben teilnehmen lässt. Die Geschichten des einstigen Literaturstudenten Lou Reed sind hart, schnörkellos, unsentimental.

Die Musik der Gruppe ist ihrerseits von Zierrat befreit, sie simuliert die Banalität und den Schrecken des Daseins. Doch ist das Album in der Balance. Neben Abgründigem wie „Heroin“, „The Black Angel’s Death Song“ oder „Venus in Furs“ steht auch Zartes, darunter „Femme Fatale“ und „I’ll Be Your Mirror“. Beide Songs singt Nico. Andy Warhol, der die Band entdeckt hatte, wollte das deutsche Ex-Model unbedingt dabeihaben. Sie verpasste den Velvets Glamour. Nach der ersten Platte veliess sie die Gruppe. Ihre Stimme macht bis heute einen Teil der Faszination dieses Rockklassikers aus.