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Canned Heat, Boogie With Canned Heat, 1968

Produzent/ Dallas Smith

Label/ Liberty Records

Den zugkräftigen Namen fanden sie bei dem Mississippi-Blues Sänger Tommy Johnson, der 1928 den „Canned Blues“ eingespielt hatte. Tatsächlich ging der Titel „Canned Heat“ auf den Markennamen eines Produkts zurück, das unter dem Namen „Sterno“ als flüssiges Reinigungsmittel für verstopfte Abflüsse bekannt war. Während der wirtschaftlichen Depression zwischen den Kriegen wurde es als billiges Ersatzrauschmittel benutzt – in seinen Nebenwirkungen heute Methylalkohol oder Klebstoff vergleichbar.

Obwohl ihre Debütplatte „Canned Heat“ (1967) noch in Ehrfurcht erstarrte Adaptionen von Muddy Waters-, Sonny-Boy-Williamson- und Elmore-James-Titeln versammelte, war das jugendliche Publikum von diesem Geschichtsunterricht entzückt. Denn der Blues kam hier mit elektrischem Dröhnen daher, mit ekstatisch kreischender Mundharmonika und messerscharfen Gitarrenwürfen. Den internationalen Durchbruch schaffte das Quintett dann mit „On The Road Again“ von ihrem zweiten Album „Boogie With Canned Heat“. Zirpende Sitar-Sounds, kombiniert mit Bass-Flageoletts, einem kontinuierlichen Harmonika-Riff und dem Falsett-Gesang von Alan Wilson – all das verwandelte den James-Oden-Titel aus den Zwanzigern in eine lässige internationale Tramper-Generation. Dass die Gruppe unbewusst noch immer fest in der Blues-Geschichte verwurzelt war, signalisierten Stücke wie „Amphetamine Annie“ („This is a song with a message: Speed kills!“) oder „My Crime“. Während Letzteres nicht wie angegeben eine Heat-Komposition, sondern eine Neufassung des Willie-Dixon-Klassikers „Hoochie Coochie Man“ war, basierte Ersteres auf einem Albert-King-Song.

Bei den Aufnahmen zu „Boogie With Canned Heat“ war bereits der neue Schlagzeuger Adolpho „Fito“ de la Parra dabei. Er hatte zuvor die Trommeln bei Etta James bedient. Mittlerweile strahlte die Dosenhitze auch über den Atlantik, und nicht nur John Mayall in England erwärmte sich für den zotteligen Humor von „The Bear“ –  auf seinem „Blues From Laurel Canyon“ (1969) setzte er dem schwergewichtigen Bob Hite ein musikalisches Denkmal.

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Canned Heat, On The Road Again, 1967

Text/Musik/ Floyd Jones, Alan Wilson

Produzent/ Cal Carter

Label/ Liberty

Chet Helms besass mehrere Musikclubs. Seinen neusten hatte er gerade in Denver eröffnet. Um ihn ein wenig populärer zu machen, buchte Helms im Oktober 1967 eine langhaarige Hippieband für einen Gig. Allerdings hatte er die Rechnung ohne Detective John Grey gemacht, den selbsternannten „Wyatt Earp von Denver“, dessen Ziel es war seine Stadt von allen langhaarigen Subjekten zu säubern.

Leadsänger Bob Hite war in Denver aufgewachsen. Er freute sich schon auf den Gig und auf das Wiedersehen mit den Kumpel von früher. Doch die Freude währte nicht lange, noch bevor Canned Heat den Helm’s Club betreten konnten, stürmte ein Polizeikommando das Hotelzimmer der Band. Als etwas Haschisch gefunden wurde, wurde die ganze Band inklusive Band-Manager Skip Taylor abgeführt.

Die Razzia in Denver hatte für Canned Heat nicht nur ein juristisches Nachspiel. Während die Musiker im Gefängnis sassen, drohten ihre nächsten Gigs zu platzen. Und das Geld für die Kaution konnten sie nicht aufbringen. Hilfe versprach schliesslich Al Bennett von Liberty Records; er bot Manager Taylor 10’000 Dollar. Dafür wollte er alle Rechte an den nächsten Songs von Canned Heat. Taylor ging auf den Deal ein.

Kurze Zeit später war die Band wieder frei und nahm einen Song auf, der das Gefühl beschreibt, wieder zurück auf der Strasse zu sein. Doch von den Millionen, die ihr All-Time-Klassiker „On The Road Again“ in den nächsten Jahrzehnten einspielte, erhielten Canned Heat keinen Penny.