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Mark Knopfler, Sailing To Philadelphia, 2000

Produzent/ Mark Knopfler

Label/ Mercury Records

Bin gestern Abend nach langer Bahnfahrt endlich nach Hause gekommen, habe gut gegessen, mich ausgeruht und bin dann musikalisch nach Philadelphia gesegelt. Spätestens nach dem Hören dieses grandiosen Albums bin ich endgültig zu Hause angekommen.

Man könnte „Sailing To Philadelphia“ auch die Wiedergeburt aller Dire-Straits-Tugenden aus dem Geist eines Solisten nennen. Leichtfüssig demonstriert hier Mark Knopfler eine derartige stilistische Bandbreite, dass niemand mehr die Dire Straits vermisst. Sanft schwebende Jazzgitarrenlicks erinnern entfernt an Pat Metheny. James Taylor grundiert mit Knopfler den hymnischen Titelsong. Titel wie „Wanderlust“ oder „The Last Laugh“ mit Van Morrison sind atmosphärische Verdichtungen voll subtiler Klangverwandlungen. Das ganze Album hat eine seltene Abgeklärtheit und Souveränität. Das signalisiert überdeutlich auch schon das Eröffnungsstück „What It Is“ – ein raffinierter Ohrwurm, der die melodische Magie von „Sultans Of Swing“ besitzt. Allerdings ist für mich der absolute Höhepunkt „Silvertown Blues“. Allein für die perlenden Licks auf seiner „Fender“-Stratocaster, die Knopfler hier lässig aus dem Handgelenk schüttelt, muss man das Album lieben.

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Chet Atkins & Mark Knopfler, Neck And Neck, 1991

Produzent/ Mark Knopfler

Label/ Columbia

Bekanntermassen gehört Chet Atkins zu einer erlesenen Schar zeitgenössischer Musiker: Certified Guitar Player. Und zu den bedingungslos verehrten Kollegen von Mark Knopfler. Knopfler hatte bereits Gastspiele auf einigen Atkins-Alben wie für „Why Worry“ auf „Sails“ von 1987. 1991 erschien dann als Wettstreit der Rosenholzhälse eine komplettes Album vom ganz und gar nicht ungleichen Paar, dessen verblüffende Ähnlichkeit nach Knopflers Verzicht aufs Stirnband uns das Coverphoto eindrucksvoll präsentiert.

Auf „Neck And Neck“ nimmt sich Knopfler als Komponist zurück. Wie beim leisen Notting-Hillbillies-Projekt gibt es auch hier keinen einzigen neuen Song von ihm. Dafür hat er das Album produziert und der treue Adlatus Guy Flechter spielt Keyboards, Drums und Bass in der zurückhaltenden Begleitband. Dabei klingen dann „Yakety Yak“ und Paul Kennerleys „Poor Boy Blues“ arg nach Dire Straits. Don Gibsons „Sweet Dreams“ nach den Hillbillies und alles zusammen nach einem neuen Knopfler auf der Suche nach dem Alten.

Einen Mann geht seinen Weg. Und möchte noch viel lernen. Auf „There’ll Be Some Changes Made“ philosophiert er mit Atkins über das Klischee von „money for nothing“ und die „chicks for free“ und murmelt nach einem Solo seines zertifizierten Mitstreiters: „You’ve played before“. Chet Atkins ist 2001 im Alter von 77 Jahren verstorben.