PGLPR4X_cover_rgb.jpg

Peter Gabriel, Shock the Monkey, 1982

Text/Musik/ Peter Gabriel

Produzent/ Peter Gabriel, David Lord

Label/ Charisma

„Die meisten Leute verstanden es als Lied für die Rechte der Tiere“, sagte Peter Gabriel, „aber das war es nicht.“ Gabriels rätselhafter Text gab lange Anlass zu Spekulationen. Sein letztes Album mit Genesis „The Lamb Lies Down on Broadway“ (1974), ergab trotz der Texte auf dem Umschlag wenig Sinn. Sein erster Solo-Hit „Solsbury Hill“, war eine Metapher für die Idee, Genesis zu verlassen, und „Games Without Frontiers“ (1980) verdankte seine Popularität eher der Melodie zum Mitpfeifen als dem anti-nationalistischen Text.

„Shock the Monkey“ wurde auch als Hinweis auf die Elektroschock-Versuche des Psychologen Stanley Milgram gedeutet. Gabriel relativierte: „Es ging mehr um Eifersucht als um das Milgram-Experiment… Die einzige Verbindung ist der Titel ‚Shock the Monkey'“.

Doch vielleicht war die Botschaft weniger wichtig als die Musik. Auf dem vierten Soloalbum „Security“ überliess sich Gabriel ganz den klaustrophobischen Rhythmen, die bereits die Glanzstücke seiner 1980er LP angetrieben hatten. „Shock the Monkey“ verpasste der Rezeptur eine Portion Funk und bereitete den Boden für einen weiteren gewagten Cocktail:“Sledgehammer“ von 1986.

135171-a.jpg

Genesis, Carpet Crawlers, 1974

Text/Musik/ Genesis

Produzent/ John Burns, Genesis

Label/ Charisma

„Es sah so aus, als ob es mit dem Herumtanzen im Feenland bald vorbei sein würde.“ So sprach Peter Gabriel, als er das Genesis Doppelalbum „The Lamb Lies Down on Broadway“ vorstellte, die Geschichte des in der Bronx aufgewachsenen puertorikanischen Protagonisten Rael.

„Carpet Crawlers“, eine von Gabriels besten Melodien überhaupt, ist das unbestrittene Highlight des unzugänglichen Albums. Anders als die anderen Stücke der 90-minütigen Suite wurde „Carpet Crawlers“ sehr schnell geschrieben. Im Rahmen von Gabriels „Punk-Pilgerreise“ befindet sich Rael in einem Flur mit rotem Teppich, über den Menschen auf Knien zu einer verborgenen Kammer robben. Der eindringliche Refrain „you’ve got to get in to get out“ wurde häufig dahingehend interpretiert, dass es um Spermien geht, die eine Eizelle befruchten müssen, damit ein Baby entsteht – oder ein „Teppich-Krabbler“ eben.

Man kann auch einfach der Schönheit des Songs lauschen. Die ganze Band spielt hingebungsvoll zurückhaltend; Gabriel ist in Höchstform. Das ist Genesis für Progressive-Rock-Verächter – ein Wandeln auf eigenwilligen Soulpfaden. „Carpet Crawlers“ ist wie eine fünfminütige Essenz Genesis’scher Herrlichkeit.