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Ray Charles, What’d I Say, 1959

Produzenten/ Ahmet Ertegun, Jerry Wexler

Label/ Atlantic

Die Entstehungsgeschichte von „What’d I Say“ liest sich wie eine klassische Hollywood Story. Ray Charles und seine hervorragende Band hatten am Ende eines langen Supper-Club-Auftritts noch einen Viertelstunde zu spielen, waren aber bereits am Ende ihres Repertoires angelangt. Charles fing an, aus dem Stegreif ein Riff auf dem Klavier zu spielen, improvisierte einen Text dazu und die anderen Musiker stiegen ein. Das Publikum tobte, und der Sänger deutete seinem Produzenten Jerry Wexler am Telefon an, er habe da vielleicht etwas.

Sogar die Studioaufnahme von „What’d I Say“ die Toningenieur Tom Towd auf fünfeinhalb Minuten einkochte, klingt, als würden die Musiker improvisieren – grandios. Von da an spielte Charles diesem Song am Ende jedes Konzerts.

Von der musikalischen Struktur her ist „What’d I Say“ nicht viel mehr als eine Handvoll Reime über einem zwölftaktigen Blues. Aber Musik findet nicht auf dem Papier statt. Das dynamische Klavier, Milt Turners treibendes, Latin-geprägtes Schlagzeug und natürlich Ray Charles‘ lasziver Gesang, sein vom Gospel entliehenes Call-and-Response-Spiel mit dem Raelettes – alles zusammen macht „What’d I Say“ zu einem unglaublich kraftvollen, mitreissenden Stück. Der Erfolg dieses Songs ist der Beweis, dass es manchmal nicht darauf ankommt, was man spielt, sondern wie man es spielt.

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Ray Charles, Your Ceating Heart, 1962

Text/Musik/ Hank Williams

Produzent/ Sid Feller

Label/ ABC-Paramount

Ray Charles hatte zwar 1959 schon einmal einen Countrysong aufgenommen (Hank Snows „I’m Movin‘ On“), aber die Veröffentlichung von „Modern Sounds in Country and Western Music“ – ein Dutzend blütenweisse Countrysongs, von Charles und Produzent Sid Feller in die tiefschwarze Sprache des Soul übersetzt – waren ein Schock für eine Musikindustrie, die Genre-Hopping nicht gewohnt war. Das Album kam an die Spitze der US-Charts und machte Ray Charles zum Mainstream-Künstler. Der Erfolg war so gross, dass ein Folgealbum konzipiert wurde, auf dem sich „Your Cheating Heart“ befand.

Charles nahm für „Modern Soul Vol. 1“ zwei Lieder von Hank Williams auf („Hey, Good Lookin“ und „You Win Again“), aber beide wurden von „Your Cheatin‘ Heart“ auf „Vol.2“ übertroffen. Orchestriert von Hollywoods Gelegenheitsarrangeur Marty Paich, drohen Trauerweiden-Streicher und schmalzige Backgroundvocals manchmal das Schiff zum Kentern zu bringen; auf beiden „Modern Sounds“-Platten sind vorallem die Songs mit einem Blechbläser-Arrangement von Gerald Wilson grossartig. Hier retten Charles‘ jazziges Klavier und sein perfekter Gesang die Lage.

Es ist die dynamische, hingebungsvolle, oft rauhe Stimme von Ray Charles, die diese countrygefärbte Platte zu etwas Besonderem macht. Das Erfolgsrezept? Ray: „Ich singe keinen Country-Western-Stil, ich singe, wie ich singe.