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Tom Waits, Heartattack and Vine, 1980

Text/Musik/ Tom Waits

Produzent/ Bones Howe

Label/ Asylum

Tom Waits schreibt keine Musik, die einfach ist oder vordergründig oder leicht verständlich. Mit 30 Jahren hatte er genug Dreck und Abscheulichkeiten gesehen, um einen Song oder ein ganzes Album darüber zu schreiben, aber nicht so viel, dass er sich davon ferngehalten hätte.

Der Titelsong von „Heartattack and Vine“ ist eine karge, unbehagliche Komposition mit warmen, übersteuerten Gitarrentönen und Waits‘ heiserem Gesang. „Es gibt keinen Teufel“, mahnt er, „das ist Gott, wenn er betrunken ist.“ In Anspielung auf die Niederungen des Lebens in L.A. porträtiert Waits Menschen, die fehlerbehaftet sind, aber nicht ohne Aussicht auf Erlösung. „Wenn du wissen willst, wie Wahnsinn schmeckt, musst du dich hinten anstellen“, spottet er. „Wahrscheinlich siehst du jemanden, den du kennst.“

Es ist ein Drogensong, aber auch ein Song über Menschen, ein trostloses, aber irgendwie feierliches Bild eines Lebens in fröhlicher Verzweiflung. Waits klagte gegen Levi’s, die Screamin‘ Jay Hawkins‘ Version in einer Werbung verwenden wollten; die bittere Ironie ist ihm sicher nicht entgangen.

Screamin‘ Jay Hawkins, Heartattack and Vine, 1993

Produzent/ Robert Duffey

Label/ Epic

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Screamin‘ Jay Hawkins, I Put a Spell on You, 1956

Text/Musik/ Jalacy Hawkins

Produzent/ Arnold Maxon

Label/ Okeh

“ I Put a Spell on You“ ist eine wirklich aussergewöhnliche Platte. Nachdem sie 1956 bei Okek, den Sublabel von Cloumbia Records, herausgekommen war, wurde sie als „kannibalistisch“ gebrandmarkt und aus dem Radio verbannt. Die Band, zu der auch Saxophonist Sam „The Man“ Taylor gehört, spielt eine relativ dezente, bluesige Walzerbegleitung, während Ex-Boxer Hawkins sich durch seinen Text schreit, brüllt, heult und ächzt.

Der Song war kein grosser Hit, wurde aber schliesslich eine Million Mal verkauft, obwohl die Plattenfirma in späteren Pressungen Hawkins‘ Grunzen und Stöhnen herausschnitt. Hawkins erzählte gern, dass der Song ursprünglich als Ballade gedacht war und die Aufnahme nur deswegen so verrückt wurde, weil alle Beteiligten völlig betrunken waren. Angeblich konnte Hawkins sich an nichts erinnern und musste von der Platte lernen, wie er den Song live performen sollte. Der New Yorker DJ Alan Freed ermutigte ihn, mit seinem skurrilen Bühnenprogramm auf Tour zu gehen – er kam im Sarg auf die Bühne, trug einen Umhang und hatte immer seinen Schädel Henry dabei.

Jim Jarmusch verwendete „I Put a Spell on You“ 1984 in seinem Film „Stranger Than Paradise“, und Hawkins spielte den Empfangschef in Jarmuschs „Mystery Train“ (1989).