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Robert Plant & Alison Krauss, Raising Sand, 2007

Produzent/ T-Bone Burnett

Label/ Rounder Records

Die Kombination von Robert Plant und Alison Krauss war nicht zu toppen. „Raising Sand“, das erstaunliche Resultat ihrer musikalischen Liaison, bewies, dass die Stimme von Led Zeppelin und das Golden Girl des Bluegrass füreinander geschaffen waren. Mit 60 präsentierte sich Plant nicht als testosterongetriebener Gockel, sondern als gereifter Sänger, der sich nichts vergibt, wenn er der Jugend den Vorzug lässt. Und Krauss, deren glockenhelle, ätherische Stimme sich in Songs von Tom Waits, Townes Van Zandt, Allen Toussaint, The Everly Brothers, Sam Phillips oder Gene Clark elegant um seine windet, erwies sich als perfektes Pendant.

„Raising Sand“, diese bezaubernde Exkursion ins Herz der amerikanischen Populärmusik, spürte Wurzeln nach, die sich in der Erde festkrallten, dort, wo die Grenzen zwischen Blues und Bluegrass, Country und Folk, Rock’n’Roll und Rockabilly verschwimmen. „Raising Sand“ klingt leichtfüssig und zeitgemäss. Die war der Grund für den kommerziellen Erfolg: Das von T-Bone Burnett produzierte verkaufte bis heute weltweit über zwei Millionen Kopien. Ein Crossover-Wurf und künstlerischer Triumph, der im Frühjahr 2009 mit fünf Grammys ausgezeichnet wurde.

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T-Bone Burnett, The True False Identity, 2006

Produzent/ T-Bone Burnett

Label/ DMZ/Columbia

„This is fear country“ – die USA ein Land der Angst, des Verrats, der falschen Wahrheiten und des verlorenen Glaubens: So besingt es T Bone Burnett auf „The True False Identity“, und die Musik dazu ist ein gebremster, bedrohlich wuchtiger Rock’n’Roll. Grosse, hallende Trommeln geben den Ton an, und es kreisen, bis zum Anschlag aufgedreht, schrundig aufgerissene Gitarren. Blues und Funk legieren zu einer dichten Drohkulisse, und die Rockabilly-Gitarren sind ganz scheu, wie eine flüchtige Erinnerung an vergangenes Amüsement. Babylon fällt.

Für sein erstes eigenes Album seit 1992 putscht T-Bone Burnett die Urmusik aus Country, Blues und Folk zum dröhnend elektrischen Rock’n’Roll auf, zum Soundtrack einer in Unglauben, Lüge, Unterhaltung und Krieg verstrickten Nation. „The True False Identity“ ist ein nicht eindeutig zu entziffernder Assoziations-Strom, der sich aus der biblischen Mythologie speist, sich im Blues tränkt und am Ende die fernen wie die hauseigenen amerikanischen Schlachtenbilder heraufbeschwört. „What is this faith that you profess“, singt Burnett in „Palestine, Texas“, „That led to this colossal mess / When you awake from this coma / You’ll find you were in Oklahoma.“

Die Band – mit Jim Keltner am Schlagzeug und Marc Ribot an der Gitarre – spielt die Musik so donnernd und unerbittlich, dass man bald auch den (wenigen) Love-Songs zu misstrauen beginnt. Es gibt in dieser Musik kaum Liebe und Empathie, und es ist bestimmt kein Zufall, dass der Roots-Spezialist Burnett nicht auf Folk und nicht auf Country, nicht auf Hillbilly und nicht auf Blues, aber sehr wohl auf Gospel verzichtet, auf jene Musik also, die Verlassenheit und Verzweiflung in ein Statement des Lichts und der Hoffnung wendet. In „Blinded by the Darkness“ erweist sich ein Chor als sklerotischer Überrest eines Gospel-Quartetts: „You shine your darkness on me / I am blinded by the darkness.“ Das kommt aus tiefster Hölle, und in „Every Time I Feel the Shift “ höhnt Burnett über seine gottes- und fernsehfürchtigen Landsleute: „Wenn es ein elftes Gebot gäbe, würden sie in zwanzig Jahren schockiert feststellen, dass es einst nur zehn gegeben hatte.“

In der Kraft seiner Bilder und seinem fiebrigen Blues-Echo erinnert „True False Identity“ immer wieder an Bob Dylans Endzeit- Panorama „Time Out Of Mind“. Auch hier haben wir es mit einem späten Meisterwerk zu tun, das von der Verdunkelung oder vielleicht besser: von der Verschleierung der Welt erzählt. Und man weiss nicht, ob es hoffnungsvoll oder apokalyptisch klingt, wenn Burnett in „Palestine, Texas“ singt: „This version of the world will not be here long / It is already gone / It is already gone.“