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The Mekons, So Good It Hurts, 1988

Produzent/ The Mekons, Brian C. Pugsley

Label/ Twin/Tone Records

„So Good It Hurts“ erschien 1988, also zu einem Zeitpunkt, als fast die gesamte Band schon in den Staaten lebte. Man hört keinen Alkohol und keinen Kater mehr, aber dennoch ist es das Gegenteil einer amerikanischen Country-Platte. Was für die US-Country die Nachbarn Blues und Soul sind, ist für die Mekons Reggae, britischer Folkrock, Country-Dub und Überreste einer vergangenen Punk-Ära.

Die Platte ist gar nicht schlecht, hat aber den Nachteil, dass Themen wie der Vietnam-Krieg oder die Reagan-Thatcher-Connection weit von der Gegenwart entfernt sind und somit leicht verstaubt anmuten. Trotzdem: viele dieser Songs sind fast schon Klassiker und auch in manch anderen Songs gibt es noch viel zu entdecken. Zum Beispiel die Tatsache, dass Robin Hood und seine Mannen ja eigentlich eine Schwulengang waren oder dass Nixon und Hitler in trauter Verbundenheit einer Satansveranstaltung beiwohnten. Es war eben schon immer die Stärke der Mekons, britischen Humor kunstvoll mit politischem Bewusstsein zu verknüpfen.

Andererseits haben es die Mekons fertiggebracht, in ihrer Post-New-Wave-Zeit auch wunderbare Folksongs zu schreiben, wie zum Beispiel „Dora”. Sally Timms als damaliger Neuzugang legt ihre ganze traurige Emotionalität in dieses Werk, bei dem es um die Unterdrückung weiblicher Sexualität geht. Trotz aller Patina gehören alte Mekons Scheiben immer noch zu den Platten, die man immer wieder gerne hört, ohne sich vor Peinlichkeit gruseln zu müssen. Sally Timms hat eine dieser britischen Frauenfolkstimmen, die genauso schmeichelnd ist wie sie Unerbittlichkeit und eine gewisse Amüsiertheit über die Weltbefreiungsideen der Jungs zum Ausdruck bringt. Sie singt die alte Chauvi-Hymne, „Heart Of Stone“, ohne aus den girls boys zu machen. Muss ich mehr sagen?

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The Mekons, The Edge Of The World, 1986

Produzent/ Joe Rock

Label/ Sin Record Company

Wenn man in London eine Adresse sucht, durchaus auch in City-nahen Gegenden, kann es einem passieren, dass eine normalen englische Pub/ Store/Wettbüro-Strasse plötzlich im Nichts endet, an der Kante der Welt und dass sich vor einem eine riesige Leerfläche erstreckt, die eine Prärie oder ein unendliches Meer zu sein scheint. Wie auf dem Cover dieser Mekons LP, wo am Ende dieser Strasse drei Reiter eine Wagenburg aus brennenden London-Doppeldecker-Bussen angreifen.

Bei „Edge Of The World“ handelt es sich um einen Übergang aus vertrauten Formen (Cowboy-Musik, Irischer-Folk) in etwas Seltsames, Mekon-mässiges. Bei aller Hinwendung zu Folk und Country ist hier auch eine Menge Punk dabei ( das Singsangmässige an Punk, nicht das gröhlmässige, sondern das badewannenmässig Anarchistische) und ein schräger Reggae-Einfluss. Manchmal hat man das Gefühl die Pogues zu hören. Doch dann wird in eine dieser stimmungsvollen Balladen plötzlich ein unglaublich deplazierter Hall-Effekt auf die Stimme gelegt. Oder ein bekifftes Reggae-Schlagzeug wird allein gelassen. Bei den Mekons hat man auch den Eindruck, dass jeder Song von jemand anders gesungen wird. Sprechgesang, Hymnisches, Rezitative, Männer, Frauen, Kinder: Seemannslieder, für Leute, die ewig auf dem Trockenen sitzen werden. Hier ist alles richtig und realistisch und darum auch begeisternd, diese Gruppe schmeichelt sich an keine Schönheitsidee und an überhaupt keine kultmässige Stilidentität an.

Die Mekons haben keine Beziehung zur Kunst des anderen, nur zum eigenen Leben. Das ist eine Chronik von Ereignissen, die als Ereignisse überhaupt niemandem mehr auffallen. Folk-Songs brechen ab, Punk-Songs rollen ein, brechen ab. Akkordeons türmen sich auf. Alles bricht zusammen. Und die Mekons bleiben gelassen. Seit 1977 und dreissig Alben eine der Besten Bands.