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The Mekons, The Edge Of The World, 1986

Produzent/ Joe Rock

Label/ Sin Record Company

Wenn man in London eine Adresse sucht, durchaus auch in City-nahen Gegenden, kann es einem passieren, dass eine normalen englische Pub/ Store/Wettbüro-Strasse plötzlich im Nichts endet, an der Kante der Welt und dass sich vor einem eine riesige Leerfläche erstreckt, die eine Prärie oder ein unendliches Meer zu sein scheint. Wie auf dem Cover dieser Mekons LP, wo am Ende dieser Strasse drei Reiter eine Wagenburg aus brennenden London-Doppeldecker-Bussen angreifen.

Bei „Edge Of The World“ handelt es sich um einen Übergang aus vertrauten Formen (Cowboy-Musik, Irischer-Folk) in etwas Seltsames, Mekon-mässiges. Bei aller Hinwendung zu Folk und Country ist hier auch eine Menge Punk dabei ( das Singsangmässige an Punk, nicht das gröhlmässige, sondern das badewannenmässig Anarchistische) und ein schräger Reggae-Einfluss. Manchmal hat man das Gefühl die Pogues zu hören. Doch dann wird in eine dieser stimmungsvollen Balladen plötzlich ein unglaublich deplazierter Hall-Effekt auf die Stimme gelegt. Oder ein bekifftes Reggae-Schlagzeug wird allein gelassen. Bei den Mekons hat man auch den Eindruck, dass jeder Song von jemand anders gesungen wird. Sprechgesang, Hymnisches, Rezitative, Männer, Frauen, Kinder: Seemannslieder, für Leute, die ewig auf dem Trockenen sitzen werden. Hier ist alles richtig und realistisch und darum auch begeisternd, diese Gruppe schmeichelt sich an keine Schönheitsidee und an überhaupt keine kultmässige Stilidentität an.

Die Mekons haben keine Beziehung zur Kunst des anderen, nur zum eigenen Leben. Das ist eine Chronik von Ereignissen, die als Ereignisse überhaupt niemandem mehr auffallen. Folk-Songs brechen ab, Punk-Songs rollen ein, brechen ab. Akkordeons türmen sich auf. Alles bricht zusammen. Und die Mekons bleiben gelassen. Seit 1977 und dreissig Alben eine der Besten Bands.