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The Police, Invisible Sun, 1981

Text/Musik/ Sting

Produzent/ The Police

Label/ A&M

In der Platte „Ghost In The Machine“ setzt sich Sting tiefer mit zeitpolitischen Themen auseinander. Auf dem Cover sind die drei Gesichter von The Police als LCD-Symbole dargestellt.  Man kann also keine Gesichter mehr sehen, sondern nur noch anonyme Symbole, die für den Menschen stehen. Dieser Richtung folgen auch die meisten Songs, die von der Menschheit in den frühen 80er Jahren handeln. Hier spielen Überbevölkerung und Hunger ebenso eine Rolle, wie die Überflutung durch neue Technologien und vorallem die Medien, die ja in der heutigen Zeit, dem Jahre 2020, in einem unerträglichen Mass angeschwollen ist.

Die musikalisch und textlich beste Darstellung dieser Entwicklung ist der Song „Invisible Sun“. Hier wird eine Stimmung konstruiert, die an den Krieg erinnert. Bilder wie Gewehre, Soldaten, Gefängnis und Statisten beschwören die Anonymität und Unpersönlichkeit des Krieges. 1981, als das Stück geschrieben wurde, war neben der grossen Rezession und den Problemen der Thatcher-Regierung auch der Nord-Irland-Konflikt aktuell. Die Situation der IRA wurde schlimmer und die Kämpfe wurden immer heftiger. Zu dieser Zeit lebte Sting mit seiner aus Nordirland stammenden Frau Francis Tomelty in Nordirland. „Invisible Sun“ ist eine Reaktion darauf und verzerrt den Sachverhalt in der Metapher der unsichtbaren Sonne, die jeden Menschen wärmen soll. Egal ob Weisser oder Schwarzer, egal aus welchem Land und egal aus welcher gesellschaftlicher Schicht.

Für „Invisible Sun“ entstand auch ein aufsehenerregendes Video mit Schwarz-Weiss-Aufnahmen von dem Krieg in Nordirland. Dieses Video wurde damals von der BBC England verboten aufgrund des brisanten Inhalts.

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The Police, Outlandos d’Amour, 1978

Produzent/ The Police

Label/ A&M Records

Egal ob „Outlandos D’Amour“ nun Post-Punk, New Wave, Pop-Rock oder was auch immer ist, es ist definitiv eine aufregende, packende Mischung und war damals neu und sensationell. Nie mehr sollten The Police so geradeaus und ohne Schnörkel klingen. Dabei war aller Anfang schwer. Bevor das Debüt-Album des britischen Trios 1978 endlich bei A&M erscheinen konnte, mussten sich die Musiker wegen Geldmangels, wie man immer wieder lesen konnte, über sechs Monate immer dann im Studio einfinden, wenn andere Musiker abgesagt hatten.

Die eher rauhe, kantige Aufnahmequalität des Albums verstärkt den ungeschliffen wirkenden Charakter der Musik noch. Die Texte sind düster, Stings Stimme hell. Und die Arrangements sind so professionell, dass sogar eine Dreier-Band, wie die Police ohne Hilfsmusiker abwechslungsreich klingen.

Auf jeden Fall starteten Sting, Stewart Copeland und Andy Summers mit „Oulandos d’Amour“ eine steile Karriere. Mit „Roxanne“ und „So Lonely“ landeten sie zwei Instant-Hits. Aber auch der gesamte Rest mit Stücken wie „Masoko Tanga“ oder „Cant‘ Stand Losing You“ ist dermassen stark, dass es sich lohnt, die Platte wieder mal aus dem Schrank zu holen.

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The Police, Every Breath You Take, 1983

Text/Musik/ Sting

Produzent/ The Police, Hugh Padgham

Label/ A&M

Obwohl ich natürlich weiss, dass Sting in dem Film „Quadrophenia“ nur ein Heuchler spielt, der einmal im Jahr auf seiner chromglänzenden Vespa zum Rädelsführer der Mods wird, an den restlichen 364 Tagen des Jahres aber in der Uniform eines Hotelpagen steckt und untertänig den Kopf einzieht, scheint mir dieses Bild auch auf ihn zuzutreffen. Bereits The Police waren mir zu glatt gewesen, hatten aber immerhin eine Reihe von guten Songs. Der grösste Wurf gelang dem Trio 1983 mit „Every Breath You Take“. Wochenlang blockierte dieser Song die Spitzenposition in England und den USA.

Sting sagte einmal in einem Interview, er habe den Song auf dem jamaikanischen Anwesen von James-Bond-Autor Ian Fleming mitten in der Nacht geschrieben. Er sei wach geworden, wäre aufgestanden, hätte sich an sein Klavier gesetzt und schon nach wenigen Minuten war „Every Breath You Take“ fertig. Vielleicht war Sting noch ein wenig schlaftrunken, und deshalb klingt der Titel so verträumt und leicht. Als die Platte erschien, wurde sie wohl gründlich missverstanden. Das Lied handelt nicht von „True Love“, sondern von Vereinnahmung, Misstrauen und Eifersucht.

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The Police, Roxanne, 1978

Text/ Musik/ Sting (Gordon Summer)

Produzent/ The Police

Label/ A&M

Im Sommer 1977 ist die junge Band The Police mit Auftrittsmöglichkeiten nicht gerade reich gesegnet. Doch sie nehmen jede Chance wahr, vor einem Publikum aufzutreten – so rar diese Gelegenheiten auch sind.

Im Oktober 1977 dürfen sie als Vorgruppe von Wayne County & The Electric Chairs in Rotterdam spielen. Während dieses Konzert noch einigermassen läuft, endet das Nachfolge-Engagement als Support Act für dieselbe Band in Paris als Desaster.

Als Andy Summers, Stewart Copeland und Sting pünktlich um acht Uhr abends in dem kleinen Club „Nashville“ ihre Instrumente auspacken, ist noch kein Mensch da – die Veranstalter haben schlicht vergessen die unbekannte Vorgruppe von Wayne County & The Electric Chairs anzukündigen. Als nach dem misslungenen Gig auch noch das Auto von Sting in Paris den Geist aufgibt, liegen die Nerven von The Police eindeutig blank.

Auch ihre Unterkunft für diese Nacht, das wenig komfortable, dafür preiswerte Hotel „Russeau Le Gau“ im Pariser Rotlichtbezirk, kann die Stimmung der drei Engländer nicht heben. Als Sting in der Nacht einen Spaziergang durch das Viertel macht, begegnet er den Prostituierten und den Freiern auf der Strasse. Beim Anblick dieses amourösen Treibens kommt dem Sänger die Idee zu einem Song über einen Freier, der sich in eine Prostituierte verliebt – und zwar in eine mit einem klangvollen Namen, den Sting aus der Literatur kennt: Die Freundin von Cyrano de Bergerac hiess so, und auch die Frau von Alexander dem Grossen trug diesen Namen. Nur kurze Zeit später verhilft „Roxanne“ The Police zum Durchbruch, und der Paris-Trip macht sich doch noch bezahlt.