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The Residents, Kaw-Liga, 1986

Text/ Musik/ Hank Williams, Michael Jackson

Produzent/ The Residents

Label/ Ralph Records

Die Single „Kaw Liga“ vom Album „Stars and Hank Forever- Amercian Composer Series Part Two“ wurde in der Danceversion ein Hit und daher in „zig Versionen“ als 7inch Singles und 12 Inch Maxis veröffentlicht.

Der Song ist das Schaurig-Schönste, was man mit der Bassline von Michael Jacksons „Billie Jean“ anstellen kann. Sie wird zum Grundgerüst der Coverversion eines Hank-Williams-Covers, denn die zweite Ehefrau des Songwriters hiess ja bekanntlich Billie Jean. Willkommen in der Referenzhölle! Den Begriff Bastard-Pop führte damals noch niemand im Munde.

„Kaw-Liga“ handelt von der Liebe eines Indianers zu einer Indianerin. Er traut sich nicht, schüchtern wie er ist, einfach sie anzusprechen. Eines Tages kommt ein reicher Geschäftsmann und kauft sich die Indianerin als Sklavin. Ja, „Is it any wonder, that his face is red. Kaw-Liga, that poor old wooden head.“

Der Song über den unglücklich verliebten Indianer war in der Version der avantgardistischen Augäpfel Mitte der 80er-Jahre sowas wie der einzige, nun ja, Hit der tolldreisten, bis heute anonym gebliebenen Band.

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The Residents, Commercial Album, 1980

Produzent/ The Residents

Label/ Ralph Records

Wer sich die Residents anhört, muss wissen, mit wem er es zu tun hat. Das Konzept ist so simpel wie schräg. Durch die betont dilettantische Interpretation ihrer Musik werfen sie jahrhundertlange Erfahrung in Sachen geordneter Tonfolge einfach über den Haufen und verleihen der Grundidee „Musik“ ein gleichsam geisterhaftes wie kindlich unschuldiges Image.

Seit 45 Jahren sind sie die wohl bekanntesten Unbekannten der Welt, denn die Residents machen aus ihrer Identität ein publikumswirksames Geheimnis, das jede Menge Anlass zu Spekulationen gab. Die abenteuerlichsten war wohl die Vermutung, hinter den Residents stecken die Beatles, da ihre erste 74er LP „Meet the Residents“  eine starke Anlehnung an das 63er Beatles-Album „With the Beatles“ war, jedoch wurden die vier Pilzköpfe auf der Residents-Version mit Fratzen versehen. Eine weitere Vermutung bezog sich auf den Multimillionär Howard Hughs, der sein Ableben nur vorgetäuscht haben soll, um die Residents zu gründen, um – mit der Musik der Residents – Kontakt zu Ausserirdischen aufzunehmen.

Das „Kommerzielle Album“ der Residents entstand kurz nach dem preisgekrönten Album „Eskimo“ („Bestes Avantgarde-Album“) (1979). Es zeigt, dass die Residents der späten 1970er, frühen 1980er ihre kreativste Schaffensperiode hatten – die Alben waren vollgestopft mit Gründen, Botschaften und jede Menge Spielraum des „Andersdenkenden“ sich zu identifizieren.

Das „Commercial Album“ besteht aus 40 Songs à exakt einer Minute Spieldauer. Ein kommerzieller Popsong besteht meist aus zwei Komponenten: den Vers und den Refrain. Das wird dreimal wiederholt. Wenn man das „Geschnörkel“ und überflüssige Zeug aus einem gewöhnlichen Popsong entfernt, erhält man einen Song von gerade mal einer Minute Spieldauer. Die Residents empfehlen auf dem „Commercial Album“ jeden x-beliebigen Song dreimal hintereinander abzuspielen, damit man einen normalen kommerziellen Popsong enthält. Die normalen und beliebtesten Charts in Amerika sind die Top 40, daher sind 40 Songs auf dem Album. Einige Stücke des „Commerical Album“ wurden auch als „One Minute Movies“ verfilmt.