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Willie Dixon, I Am The Blues, 1970

Produzent/ Abner Spector

Label/ Columbia

Jeden anderen hätte man für so einen Titel gesteinigt. Doch als Willie Dixon 1970 dieses Album veröffentlichte, war sein Status unbestritten: Er verkörperte den Blues von Chicago seit den 40er Jahren. Er hatte die grössten Hits geschrieben, mit seinem Bass die klassischen Aufnahmen von Muddy Waters, Howlin’ Wolf und Chuck Berry geprägt.

Was aber nichts daran änderte, dass die Kritiker seine Leistungen als Sänger seiner eigenen Songs niemals genug würdigten. Zu gross die Vorbilder, die Muddy Waters mit den „Hoochie Coochie Man“ oder Howlin’ Wolf mit „Spoonful“ gesetzt hatten. Doch jeder muss den Blues so singen, wie er ihn lebt. Und Dixon war kein Typ wie Chester Burnett. Er war musikalisch aufgewachsen mit dem Harmoniegesang in der Nachfolge der Ink Spots: elegant, urban und vom Dreck der Baumwollfelder gesäubert.

Dixon’s „Spoonful“ ist eine elegant groovende Bluesnummer, vom Sound her eher der vorelektrischen Zeit verpflichtet. Wer beim „Back Door Man“ zuerst an die ziemlich pubertäre Version der Doors denkt, kann hier hören, wie das Stück eigentlich gemeint ist: Ohne Aggression, dafür mit einer gehörigen Portion Humor. Ebenso der „Hoochie Coochie Man“, der von vielen Musikern gecovert wurde: Dixon braucht nicht durch Härte oder Tempo etwas zu behaupten – wie er den Song singt, macht er klar: er ist es – er und eigentlich kein anderer.

Bei seiner Band stehen mehr das Piano und die Harp im Vordergrund und weniger die Gitarren. Damit erinnert das Album vom Sound her noch mehr an die Zeit bevor Muddy Waters, Howlin’ Wolf und Buddy Guy die Gitarren bis zur Schmerzgrenze aufdrehten, um in den Clubs gehört zu werden. Willie Dixon scheint sich eher in ruhigen Jazzclubs wohlfühlen mit seinem Blues, weniger in den lauten Juke Joint.