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Willie Dixon, Hidden Charms, 1988

Produzent/ T Bone Burnett

Label/ Capitol

1985 hatte Willie Dixon – gesundheitlich beschwert – das windige Chicago verlassen und war nach Kalifornien gezogen: sein langsamer Rückzug aus der Musikszene begann. Das vielleicht eindringlichste Vermächtnis hinterliess er mit dem Album „Hidden Charms“, das Songs aus vier Jahrzehnten versammelte. Mit seinem schratigen, etwas vernuschelnden Gesang schafft er hier es hier immer wieder, eine geheimnisvoll-ergreifende Atmosphäre aufzubauen.

Schon in dem anrührend intonierten Eröffnungsstück „Blues You Can’t Lose“ stellt Dixon die Frage, warum vorallem die Armen vom Blues besessen sind und in ihm ein Medium von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sehen. Zwischen Selbstironie und Fatalismus schwankt auch ein Titel wie „I Don’t Trust Myself“: „Ich traue weder meiner Schwester noch meinem Bruder, weder meiner Mutter noch meinem Vater. Ich traue keinem Baby, und keinem Erwachsenen, ich traue nicht einmal mir selbst.“

Die bedrohliche Aura eines Titels wie „Jungle Swing“ entsteht auf dem Album nicht zuletzt durch die Mundharmonika von Sugar Blue, die von ganz weither hallt, wie der Ruf eines hungrigen, wilden Tigers. Die dumpfe Grabesstimme von Dixon tut hier ein Übriges. Zu Recht wurde „Hidden Charms“ mit einem Grammy ausgezeichnet, galt diese Ehrung doch zugleich als symbolische Belohnung für sein Lebenswerk.

Als Willie Dixon am 29. Januar 1992 starb, litt er an Hepatitis. Folge einer Bypass-Operation zwei Jahre zuvor. Der wandelnde Blues-Enzyklopädist, der sich zeitlebens zugleich als „Telefonzentrale für Musiker verstand“, war von seiner Botschaft immer überzeugt: „Der Blues handelt von den ganz einfachen Wahrheiten des Lebens.“