Sinéad O’Connor, Nothing Compares 2 U, 1990

Text/Musik/ Prince

Produzent/ Sinéad O’Connor, Nellee Hooper

Label/ Chrysalis

Der erste Ausbruch von vielen, die noch kommen sollten, zog alle Aufmerksamkeit auf sich: „Nothing Compares 2 U“. Prince hatte ihn für eine namenlose Irin geschrieben, deren fast glatzköpfige Physiognomie bildfüllend auch das Video beherrschte, und, ja, während ihrer Performance weinte sie. Das war krass, und das vorallem, weil es etwas Nicht-Simulierbares war, etwas Nicht-Gefälschtes, Ungeschütztes, und fast hätte man mit dem Blick auf die umliegende Popmusik gesagt: Moment, so war das nicht gemeint.

Sinéad O’Connors Erscheinung hatte etwas Widersprüchliches. Ein paar Bekannte redeten dann immer von „PR“ und „Marketing“. Ich kannte eine Frau, die hielt Sinéad O’Connors Verzweiflung für künstlich reproduziert und fand, eigentlich gehöre so ein Song nicht in die Welt des Pop. Die Frau ist heute Unternehmensberaterin und hat nie etwas entfernt hervorgebracht, das nur von Ferne an den Auftritt von Sinéad O’ Connor erinnerte, bezeichnenderweise will sie auch nicht, dass es existiert.

Die Sängerin wiederum hat in ihrem Leben fast alles getan, um sich in der Öffentlichkeit zu verzehren und zu zerstören, und das nicht in der Absicht, sich besser zu verkaufen, sondern weil sie zwischen Anliegen, Einfällen, Selbstentblössungen, fixen Ideen, sprituellen Ahnungen, Innigkeiten, Provokationen, lauter unfesten Formen einerseits und einer gigantischen Industrie anderseits keine Übersetzung fand.