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Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity, Streetnoise, 1969

Produzent/ Giorgio Gomelsky

Label/ Polydor

Kennengelernt hatte sich die Londoner Zweiheit Brian Auger/Julie Driscoll über den Clubbesitzer und Produzenten Giorgio Gomelsky. 1965 zog Gomelsky mit Auger/Driscoll und Rod Stewart und John Baldry die R&B-Gruppe Steampacket auf; sie scheiterten auf hohem Niveau. Brian Auger, zu seiner Zeit einer der besten Instrumentalisten der Insel, tingelte mit seiner Trinity durch die Lande und baute Brücken zwischen Jazz und Pop. Julie Driscolls Solokarriere als kleine Schwester von Dusty Springfield war schon im Ansatz unerquicklich. Als Lösung anerbot sich ab 1967 die erneute Symbiose zwischen Auger und Driscoll, und mit Dave Ambrose am Bass und Clive Thacker am Schlagzeug reihten sich Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity auf Musikfestivals in Europa ein.

1968 gaben sie die LP „Open“ heraus; 1969 folgte das Doppelalbum „Streetnoise“. Die alchymische Hochzeit zwischen Driscoll/Auger führte bei dieser Platte zu fertiler Schaffenskraft und einer fulminanten Fusion populärer Musikrichtungen: Soul, Jazz, Folk, Blues, Gospel, R&B, Pop – alles drin. Brian Augers Hammond B3 umhüllt Julie Driscolls Gesang von fast erschreckender Intensität. Beglückend gestaltet sich zudem die Abfolge der Musikstücke auf „Streetnoise“. Im Wechsel des Ausdrucks von Trauer, Unglück und Niedergang und des darauf folgenden Ausbruchs von Freude und Zuversicht verstärken die Musiker die Wirkung der Lieder und schaffen auffallende Kontraste.

Nach Beendigung der zweiten Plattenseite hat Driscoll, nachdem sie sich emotional erschöpfte, erst einmal Pause und lässt das Trio auf Seite drei alleine spielen. Für Seite vier kehrt sie ausgeruht zurück und entwirft in „Vauxhall To Lambeth Bridge“ ihre ironische Dialektik. Die Bedeutung der Frage, wie wäre eine kontinuierliche Solokarriere der Driscoll wohl verlaufen, hätte sie die Szene nicht verlassen, sollte nicht unterschätzt werden.