The Go-Betweens, 16 Lovers Lane, 1988

Produzent/ Mark Wallis

Label/ Beggars Banquet

„16 Lovers Lane“ von den australischen The Go-Betweens ist ein herrlich unspektakuläres Album, das ich in dieser Jahreszeit immer wieder gerne höre. Schon allein der uplifting fröhliche Song „Streets of Your Town“ löst bei mir Frühlingsgefühle aus. Da ist diese lüpfige Melodie, die tolle Akustikgitarre, der Singalong-Refrain „Round and round, up and down / Every day I make my way, through the streets of your town“. Ein totaler Ohrwurm, der mich auch 33 Jahre nach Erscheinen fragen lässt, warum dieser Knaller nie ein grosser Hit geworden ist? Geschrieben hat den Song der leider verstorbene Grant McLennan, angeblich innerhalb kürzester Zeit zusammen mit seiner damaligen Freundin Amanda Brown, der hübschen Go-Betweens-Geigerin. Das Stück war ihr wohl „grösster kommerzieller Versuch“, wie McLennans Songschreiber-Partner Robert Foster einmal erzählte. Leider wurde es kein Hit.

Alle zehn Songs auf „16 Lovers Lane“ haben eine Magie, die schwer zu beschreiben ist. Auch wenn die Musik sehr einfach konstruiert ist, wird sie immer süchtiger machend, je man öfter man die Platte hört. Vielleicht liegt es daran, dass es verdammt schwer ist einfache und simple Musik zu machen, die nicht nach dem zweiten Hören anödet, sondern nur noch Lust auf Mehr macht.

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The Go-Betweens, Liberty Belle And The Black Diamond Express, 1986

Produzent/ Richard Preston

Label/ Beggars Banquet Records

1986 waren die Australier The Go-Betweens noch immer in England. Sie hatten zwar ihr altes Label Rough Trade verloren und hatten immer noch nicht den grossen Erfolg gelandet, aber jetzt wollten sie es mit neuem Label und mit neuem Elan noch einmal wissen. Songwriter Robert Forster hatte sich vorgenommen „einfachere“ Songs zu schreiben, sein Freund Grant McLennan sollte mehr Einfluss bekommen und es sollte Pop-Hits geben. Aber natürlich können die Go-Betweens nicht banal werden – dazu sind sie zu intelligent.

Wenn das Album „Liberty Belle And The Black Diamond Express“ „poppiger“ tönt, dann im positiven Sinne – etwa so als würden die Beatles und Velvet Underground gemeinsam Musik an einem verregneten Sonntagnachmittag machen. Jeder Song hat einen eigenen Stil. Laut Drummerin Lindy Morrison hätte jeder Song ein Hit werden können, aber weder das pastorale „Spring Rain“ noch das melodisch feine „Head Full Of Steam“ – beide als Single veröffentlicht – hatten einen grössseren Eindruck in den Charts hinterlassen, einfach weil sie zu intelligent für das Mitt-Achtziger Radio waren.

Für „The Wrong Road“ wurde ein Orchester angeheuert, und auch das konnten sie, genau wie beim spannenden „In The Core Of A Flame“, die wunderbare und beständige Stilsicherheit der Go-Betweens war wahrscheinlich Segen und Fluch ihrer Karriere zugleich, egal ob sie  – wie zu Anfang ihrer Karriere – roh klangen oder „kommerzieller“ wie hier oder gar gediegen wie nach ihrer 12-jährigen Pause – immer blieben sie erkennbar, immer gab es da diese Leichtigkeit gepaart mit Melancholie und dem bisschen zu viel an Intelligenz um die grosse Masse zu erreichen. Ist “ Liberty Belle And The Black Diamond Express“ das beste Album der Go-Betweens? Könnte sein, aber da gibt es auch noch „Send My A Lullaby“ und „126 Lovers Lane“ oder „The Friends Of Rachel Worth“ oder „Oceans Apart“. Im Moment ist es dieses Album. Aber morgen… ?

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The Go-Betweens, Cattle And Cane, 1982

Text/Musik/ Grant McLennan, Robert Forster

Produzent/ John Brand

Label/ Stunn

Die Diskussionen darüber, dass The Go-Betweens, eine Gruppe literarisch interessierter Australier rund um die beiden Songwriter Grant McLennan und Robert Forster, ganz gross hätten herauskommen müssen, fängt meist mit „Cattle And Cane“ an. Das ist ein guter Anfang, es ist ihr bekanntester Song.

Anfang der 1980er Jahre zog die Band nach London, doch McLennans Herz blieb in Down Under. Das Lied, das er für seine früh verwitwete Mutter geschrieben hatte, entstand in einem besetzten Gebäude, in dem Nick Caves Band The Birthday Party hauste. „Nick hatte die Akustikgitarre dabei“, erinnerte sich McLennan, „damals konnte er noch nicht so gut Gitarre spielen. Ich auch nicht, aber ich spielte ein bisschen besser. Seltsame Akkorde fielen mir ein, und der Satz ‚the railroad takes him home‘. Ich wusste, ich wollte drei Strophen und einen neuen Blickwinkel am Ende des Songs. Also bat ich Robert mal drüberzuschauen. Ich glaube diesen Song haben wir richtig gut hinbekommen. Er haut mich immer noch um, wenn ich ihn höre, weil er so anders klingt; solche Songs schreibt man nicht oft.“

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The Go-Betweens, Grant McLennan, Lindy Morrison, Robert Forster: Promo shot taken in Bruce Milne’s kitchen, in Melbourne (Bruce was the founder of Au Go Go Records.), 1981

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The Go-Betweens, Send Me a Lullaby, 1882

Produzent/ The Go-Betweens and Tony Cohen

Label/ Rough Trade

Schottische West-Coast Euphorie, die frühen Talking Heads und Londoner Psychedelia in einer verzaubernden Mischung. Wer? Woher? Die Go-Betweens sind ein Trio aus Melbourne, Australien. Lindy Morrison ist eine Drummerin, Robert Forster und Grant McLennan sind zwei Songwriter (Gitarristen, Bassisten, Sänger).

Die Go-Betweens entwickeln die spröde, zerbrechliche Schönheit von Platten, denen es um nichts anderes geht, als einen Song so direkt wie möglich zu realisieren (ohne Soundtüftelei, ohne Arrangement-Exzentrik, ohne Attitüde). Mit den Gitarren, die gerade herumliegen, mit den Freunden, die man von der Schule kennt, aber mit der grössten Sorgfalt und den stärksten Engagement für den Song.

Das Material der Go-Betweens umfasst dabei die verschiedensten Songtypen. Sehr melodische Stücke folgen faszinierend-bröckelndem, traurigen Liedern, und bei so simplen, klaren, cool-gefühlvollen Sachen fallen mir Jonathan Richman, Roy Harper und Loudon Wainwright III gleichzeitig ein. Folkloristisch gesungene Resignation trifft auf städtische Abgebrühtheit und vermischt sich mit grossäugigen Kinderträumen.

Damals als das Debütalbum „Send Me a Lullaby“ erschien, hatte sich kaum jemand um die Go-Betweens gekümmert. Dabei hätte es die Platte verdient mindest ebenso beachtet zu werden, wie die erste Talking-Heads-LP.