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Fleetwood Mac, Oh Well, Parts 1 & 2, 1969

Text und Musik/ Peter Green

Produzent/ Fleetwood Mac

Label/ CBS

Während die makellosen Blues-Licks von Frontmann Peter Green schon früh Aufmerksamkeit erregten, tat sich die Fleetwood-Mac-Urbesetzung sowohl durch psychedelisch-zarte Klänge ( wie im Instrumental „Albatross“) als durch derben, obszönen Rock’n’Roll hervor ( Drummer Mick Fleetwood befestigte bei Auftritten regelmässig einen grossen Dildo namens Harold am Schlagzeug). „Oh Well, Parts 1 & 2“ kam zuerst als Single heraus. Der etwa achtminütige Song vereinte diese Gegensätze und beleuchtete das geplagte Genie der Band – Fleetwood erinnerte sich später, Peters Persönlichkeit habe eine „aggressive Seite“ gehabt. Die erste Hälfte des Tracks war eine grossspurige, mörderische Blues-Attacke ( Green und die Mitmusiker Jeremy Spencer und Danny Kirwan als fürchterliche dreiköpfige Bedrohung) mit einem Text, der voller Verachtung sein Zielobjekt anfauchte, einen Verrückten, der Green unrecht getan hatte.

Darauf folgte die idyllische zweite Hälfte, ein eindringliches Instrumental für Cello, Akustikgitarre und Flöte ( letztere gespielt von Greens Freundin Sandra Elsdon). Dies brachte, so Fleetwood, die andere Seite von Greens Persönlichkeit zum Ausdruck, „den nachdenklichen, spirituellen Musiker“. Die boshafte Blues-Vorgeschichte verleiht auch dem sanften Teil einen bedrohlichen Unterton.

Infolge eines verpatzten LSD-Trips kurz darauf erlitt der unglückliche Green einen Nervenzusammenbruch und verliess die Band. Erst nach einer längeren Umbruchpause entwickelte sich Fleetwood Mac zum Chart-Monster mit Hits wie „Rumours“ und einem Sound, der weit weg war von den 60er-Jahre-Wurzeln.