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Lou Reed, Coney Island Baby, 1976

Produzent/ Lou Reed, Godfrey Diamond

Label/ RCA

So ein harmonisches Album hatte 1976 wohl kaum jemand noch von Lou Reed erwartet. Nachdem er das schier unanhörbare „Metal Machine Music“ veröffentlicht hatte und dazu etliche verrückte Interviews gegeben hatte, wurde er von vielen Hörern abgeschrieben. Damals klang jede Platte von Lou Reed ganz anders als die vorherige, niemand wusste, wohin er sich weiter entwickeln würde.

Doch mit „Coney Island Baby“ schien Reed endlich Boden unter den Füssen gefunden zu haben. Die acht Songs auf dem Album sind lässige, eingängige Melodien, die freilich nie banal werden. Dafür sorgt schon das gewisse Lou-Reed-Extrakt, das auch hier nicht zu überhören ist, und dass die Texte nicht bissig wären, kann man ebenfalls nicht behaupten. Aber dieses Lou-Reed-Extrakt dominiert nicht. Stattdessen gibt es mal Melancholie in ihrer musikalischen Form (das einfach schöne „Coney Island Baby“), mal swingt diese Melancholie und hat eine unwiderstehliche Melodie im Gepäck („Crazy Feeling“), mal ist es Rock’n’Roll à la Lou Reed ( „Ooohhh Baby“), und dann wieder erinnert es von Ferne an bodenständigen Folk („Nobody’s Business“). All das passt zusammen, man kann das Album am Stück hören, einfach so, weil man gerade etwas lässig-lockeres ohne unnötiges Gefuchtel hören will.