springsteen.jpg

Bruce Springsteen, Born To Run, 1975

Produzent/ Verschiedene

Label/ Columbia

Alles, was man je über „Born To Run“ gehört hat, entspricht der Wahrheit. Es klingt, als ob ein Möchte-Gern-Soul-Sänger eine Pseudo-Spector-Produktion verwirklicht. Fast implodiert die LP durch Selbstüberschätzung. Sie hört sich an wie eine Vorlage für Bon Jovi.

Entschlossen, „das Studio als Werkzeug einzusetzen und keinen Versuch zu unternehmen, den Live-Sound zu reproduzieren“, dachte Springsteen an ein Konzeptalbum, mit Titeln wie „The Legend Of Zero“ und „Blind Terry“. Zum Glück wurden diese Pläne aufgegeben – ebenso wie die „Dylanismen“ der frühen Alben. Einen Hauch von Dylan hört man aber doch noch noch ganz kurz – die Mundharmonika auf „Thunderroad“ – doch danach kommen Klavier und Glocken, kräftige Gitarren und dramatisches Schlagzeug – und die sind typisch für Springsteens Sound. Es gibt auch elegante Balladen „Backstreets“, „Jungleland“ – bei denen schon die Intros erwachsene Männer zum Weinen bringen. Dann ist da „Born To Run“, das auch nach tausendfachem Hören noch eine Gänsehaut erzeugt. Anderswo geht es subtiler zu: Randy Breckers phantastische Trompete auf „Meeting Across The River“, der Beat auf „She’s The One“. Und natürlich der zurückschauende Song „Tenth Avenue Freeze-Out“.

Später kamen noch diverse Klassiker. Aber das war der Anfang: wachsende Reputation für ausgezeichnete Shows und zunehmender Hype trafen auf einen Songwriter, der etwas von eleganten Tönen und poetischer Einfachheit verstand.