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Robert Johnson, Me And The Devil, 1937

Text/Musik/ Robert Johnson

Produzent/ Don Law

Label/ Vocalion Records

Robert Johnson wird als uneheliches Kind mit zehn Geschwistern geboren und ist schon als Knabe vom grünen Star geplagt. Er wächst unter anderem in Memphis auf, verlässt die Schule bald. Arbeitet auf den Baumwollfeldern, unternimmt ungelenke Versuche mit Gitarre und Mundharmonika. Mit 19 Jahren heiratet er zum ersten Mal. Frau und Kind sterben im Kindbett, sie ist 16 Jahre alt. Nach längerer Absenz taucht er in Robinsonville, Mississippi wieder auf: als überragender Gitarrist, Sänger und Interpret, ein schöner, scheuer Mann mit einer magnetischen Ausstrahlung. Von 1932 an bis zu seinem Tod reist er von einem Dorf zum nächsten, spielt in Beizen, Juke Joints und auf der Strasse. Mit dem Güterzug unternimmt er Fahrten bis nach St. Louis, Chicago, Detroit, New York und sogar Kanada. Er kommt meistens bei Frauen unter, er bleibt nirgends lange.

In Texas nimmt Johnson in mehreren Sessions Eigenkompositionen auf, 1936 in einem Hotel in San Antonio und ein Jahr später in Dallas. Bekannt machen sie ihn nicht. Der „Terraplane Blues“, sein einziger Hit, verkauft sich zu Lebzeiten 5000-mal. Bis heute hat sein Gesamtwerk Millionen von Hörern erreicht, mehrhundertfach werden seine Stücke nachgespielt. Viele von ihnen, darunter „Dust My Broom“, „Sweet Home Chicago“, „Standing at the Crossroad“, „Love in Vain“, „Come on in My Kitchen“ oder „Stop Breaking Down“ sind so bekannt, dass man ihn gar nicht mehr als Autor nennt.

Die Melodien seiner Stücke hat er von anderen Musikern übernommen, dem grossen Charley Patton etwa, den Mississippi Sheiks, Skip James und anderen, deren Songs er ebenfalls im Repertoire führt. Aber keiner spielt den Blues wie er, keiner singt wie er, und keiner singt so von den Letzten Dingen.

„Me and the Devil Blues“ heisst das Stück, in dem der Sänger die Erkenntnis kommentiert, und er tut es mit einer gespenstischen Heiterkeit: „When you knocked upon my door / I said hello Satan / I believe it’s time to go.“ Er empfängt den Teufel bei sich zu Hause wie einen Freund. Wenige Zeilen später hat die Bestie ihn ergriffen: „I’m gonna beat my woman until I’m satisfied.“, „Ich werde meine Frau schlagen, bis ich zufrieden bin“, singt der zärtliche, schmalgliedrige Mann, der in anderen Songs um die „Kind-Hearted Woman“ wirbt oder sie vor dem schweren Regen schützen möchte. Der Satz hat nichts von seiner Grausamkeit verloren: Da singt ein Besessener. Daran kann der grimmige Humor nichts ändern, mit dem das Stück schliesst: „You may bury my body / Down by the highway side / So my old evil spirit / Can get a Greyhound bus and ride.“ Begrabt mich am Strassenrand, damit mein böser Geist den Bus nehmen kann. Die Beschreibung wirkt zeitlos, das Detail alltäglich modern: der Greyhound-Bus.