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The Pogues, Rum, Sodomy & The Lash, 1985

Produzent/ Elvis Costello

Label/ Stiff

„Rum, Sodomy, And The Lash“ ist ein Werk von rauher Schönheit. War das Debüt „Red Roses For Me“ noch überproduziert und vertraute zu sehr auf trunkene Metaphern, so strotzte die zweite LP vor Leidenschaft, Poesie und Energie. Ausgelöst wurde der Übergang vom Produzenten Elvis Costello, der dem Kneipensound ein luftigeres Umfeld verschaffte. „Wild Cats Of Kilkenny“ und „Sally MacLennane“ dröhnen wie Schlägereien zwischen den Sex Pistols und den Dubliners – nach Unmengen Guiness: die perfekte Fusion von irischer Folktradition und Aggression.

Costello – der die Bassistin Cait O’Riordan im folgenden Jahr heiratete – schrieb später, dass sein Job darin bestanden hätte, sich zurückzulehnen und die Pogues „in ihrer ganzen verfallenen Glorie einzufangen, bevor ein professioneller Produzent sie versaute.“

Aber das Album ist mehr als ein Sammlung rauhbeiniger Liedchen. Die Texte des Sängers Shane MacGowan hatten sich dramatisch verbessert. Mit wenigen genuschelten Sätzen, malt er eine mitreissende Galerie des Abschaums und der Aussenseiter. Auf „The Old Main Drag“ erzählt er vom langsamen Zusammenbruch eines Strichjungen in London. Die wehmütige Ballade “ A Pair of Brown Eyes“ kommt aus einer anderen Perspektive: hier spricht ein verkrüppelter Kriegsveteran.

„Rum, Sodomy, And The Lash“ erschien im gleichen Jahr wie der Millionenhit „Brothers In Arms“ von den Dire Straits. Damals klang die LP herrlich deplaziert. Die struppige Majestät der Platte begeisterte auch Tom Waits, der die Schatzinsel-Dekadenz der Gruppe faszinierend fand.

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The Pogues, Dirty Old Town, 1985

Text/Musik/ Ewan MacColl

Produzent/ Elvis Costello

Label/ Stiff Records

„Dirty Old Town“ wurde im Jahr 1949 von dem englischen Schriftsteller und Schauspieler Ewan MacColl geschrieben. Ursprünglich bezieht sich das Lied auf die Stadt Salford, Lancashire, England, in der MacColl aufwuchs. Es wurde als Pausenfüller für einen schwierigen Szenenwechsel bei MacColls Auftritten in Landscape with Chimneyser 1949 in Salford komponiert. Mit der zunehmenden Popularität der Folk-Musik wurde der Song zum Standardprogramm vieler Bands. „Dirty Old Town“ beschwört ein düsteres Bild des industriellen Nordens Englands herauf und beschreibt die Rebellion der Jugend der späten 1940er Jahre.

Das Lied besteht aus vier Strophen. In der ersten Strophe besingt der Ich-Erzähler, wie er sein Mädchen beim Gaswerk trifft, erste Küsse werden an einer Fabrikmauer ausgetauscht, und Tagträume am Ufer des alten Kanals erlebt. In der zweiten und dritten Strophe beschreibt der Erzähler seine nächtlichen Wahrnehmungen von am Mond vorbeiziehenden Wolken, herumstreifenden Katzen, einer Sirene vom Kanalhafen, dem Feuerflug einer Dampflokomotive und einem Hauch von Frühling in der staubigen Nachtluft. In der vierten prophezeit er seinem „alten Drecknest“ den Untergang, indem er und seine Freunde eine scharfe Axt schmieden und die Stadt „wie einen toten Baum“ umhacken werden.

„Dirty Old Town“ wurde in der Version der Pogues weltweit bekannt. Es ist zuerst auf ihrer Platte „Rum, Sodomy and the Lash“ erschienen, die von Elvis Costello produziert wurde. Die Pogues waren 1985 eine junge, wilde Band aus England, die irische Volksmusik mit Punk vermischten. Raus kam dabei ein unglaublicher Sound!

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The Pogues, Sally Maclennane, 1985

Text/Musik/ Shane McGowan

Produzent/ Elvis Costello

Label Stiff/ Records

In ihrer zweiten Top-Single „Sally Maclennane“ betrachten die Folk-Punks mit irischem Blut das Leben der Arbeiterklasse durch den Boden eines Bierglases. Es ist ein ausgelassenes und doch tieftragisches Trinklied. MacGowans Rohdiamantenstimme illustriert am abschrecken den Beispiel des Akkordeonspielers Jimmy, wie fröhliche Masslosigkeit zum Tode führen kann. Der Text bring einen Toast aus „auf den tollsten kleinen Saufbold Sally Maclennane“, wobei letztere keine Dame sein soll, sondern der Name einer Starkbiersorte.

„Sally Maclennane“ vom zweiten Album der Pogues, „Rum, Sodomy & the Lash“, wurde von Elvis Costello produziert. Als persönlicher Fan der Band hatte er sie auf ihrer ersten Major-Tour als seine Vorgruppe engagiert und heiratete später die Pogues-Bassistin Cait O’Riordan. Mit Akustikgitarre, Banjo, Akkordeon, Tin Whistle und Stand-Toms entwickelte die Band einen typischen Stil: „Es rockt, ist aber eigentlich keine Rockmusik“.