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Jeff Beck and The Big Town Playboys, Crazy Legs, 1994

Produzent/ Stuart Colman

Label/ Epic

In Musikerkreisen galt Jeff Beck in den Neunzigern als „gun for hire“, niemals mit Ladehemmung und immer treffsicher. Ob Bon Jovi für ihr Album „Blaze of Glory“ (1990) zusätzliche Schubkraft benötigten, der Ex-Pink-Floyd Roger Waters sein Soloprojekt „Amused To Death“ (1992) mit dreckigem Gitarrenspiel edeln wollte, Paul Rodgers für sein Muddy-Waters-Projekt Schützenhilfe benötigte, ob Buddy Guy, Kate Bush, John McLaughlin ihn einluden, oder George Martin für sein Beatles-Tribute-Album „In My Life“ (1998) ein herzerweichende Instrumentalversion von „A Day In The Life“ benötigte – Beck liess sich immer gern zur Kooperation überreden. Und doch ist er mit seinem kämpferischen Kosenamen nicht glücklich: “ A gun for hire“ – das klingt nach einer Callgirl-Bezeichnung. Wähl diese Nummer! Dabei sind es immer ganz verborgene Situationen, in denen ich von Kollegen angeheuert werde. Ich lass mich nicht so schnell überzeugen“.

1994 wählte Jeff Beck die Rückkehr zu den Anfängen. Gene-Vincent-Stücke, jene ersten Wegmarken seiner Inspiration wurden ihm jetzt zum Prüfstein einer perfekten Erinnerung. All die Licks und Läufe von Dick Gallup, die er als Halbwüchsiger vergeblich trainiert hatte, fliessen ihm heute genüsslich aus den Fingern: „Eigentlich reifte in all den Jahren, in denen ich meine frühen Rockabilly-Erfahrungen verleugnen musste, der Traum eines solchen Gene-Vincent-Tribute-Albums. Gallups Gitarrensound, diese Schärfe in Verbindung mit Schlagecho, glich einer bewussten akustischen Irreführung. Es klang, als würde eine Note gespielt und zwei kämen dabei heraus. Ich konnte es einfach nicht glauben.“ Heute haben sich für Beck die letzten Geheimnisse jenes charakteristischen Fünfziger-Jahre-Klangs entschleiert: „Ich habe Monate gebraucht, um meinen Lautstärkeregler vom Anschlag zurückzudrehen. Wenn du plötzlich einen unverzerrten Ton spielst, fühlst du dich, als müsstest du nackt die Oxford Street herunterradeln“.

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Jeff Beck, Truth, 1968

Produzent/ Mickie Most

Label/ Columbia

Jeff Beck, der beste, aber auch der am wenigsten produktive der Gitarrenhelden, hatte nach seiner Trennung von den Yardbirds eine Solokarriere eingeschlagen und arbeitete schliesslich mit dem Pop-Produzenten Mickie Most. Bei der Hitsingle „Hi Ho Silver Lining“ bestand Most noch darauf, dass Beck sang, unter Missachtung des eigentlichen Sängers der Gruppe – Rod Stewart. Doch auf der LP bekam Stewart seine Chance.

„Morning Dew“ ist vielleicht besser als die Hitversion von Tim Rose; „You Shook Me“ wurde kurze Zeit später von Led Zeppelin eingespielt, dessen Leader Jimmy Page der Kollege von Beck bei den Yardbirds gewesen war. „Shapes Of Things“ war bereits für die Yardbirds ein Hit gewesen, doch weder Beck noch Most hielten ursprünglich eine Neuauflage für lohnenswert, während zwei Songs von Willie Dixon respektvoll eingebaut wurden.

„Greensleeves“ wurde auf Mickie Mosts Gitarre gespielt, und „Ol’ Man River“ zeigt Rod Stewart von seiner besten Seite. „Beck’s Bolero“ listete als Schlagzeuger „you know who“ (es war Keith Moon) statt Mickey Waller, während der Bass von Rods Kumpel Ronnie Wood gespielt wird.

„Truth“ war in Amerika ein Erfolg, doch in Becks Heimat kam die Platte unklärlicherweise nicht an. Spätere Beck-Alben haben Grammy gewonnen, doch dies ist seine beste Scheibe – nicht zuletzt wegen dem Magritte-Gemälde auf der Plattenhülle.