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The Rolling Stones, Waiting On A Friend, 1981

Text/Musik/ Jagger-Richards

Produzent/ The Glimmer Twins

Label/ Rolling Stones Records

Die Stones haben ja vor allem abgekupfert. Diesen Song nicht. Aufgenommen wurde er bereits 1972 in Kingston, Jamaica, allerdings ohne Vocals. Den Text schrieb Jagger erst für die Veröffentlichung auf dem Album „Tattoo You“ im Jahr 1981. MTV, das damals gerade aufkam, spielte das Video rauf und runter. Darin sehen wir Jagger, wie er mit drei schwarzen Jungs auf der Treppe eines Hauses im East Village in Manhattan (96-98 St. Mark’s Place) abhängt. Einer der Jungs hinter Jagger nestelt die ganze Zeit an einem Beutelchen rum, weshalb für mich immer klar war, dass es sich um einen Dealer handelt. Erhärten lässt sich das allerdings nicht. Einer der Schwarzen ist übrigens Peter Tosh.

Jagger wartet nicht auf eine Lady, den Girls schaut er nur beim Vorbeispazieren zu. Jagger wartet auf einen Freund. Der kommt dann auch in Gestalt von Keith Richards. Zusammen latschen die beiden – begleitet von Sonny Rollins’ Saxophon-Solo – in eine Bar, wo sie Ronnie Wood treffen und schliesslich abjammen. Der Song zeigt die Möchegern-Machos, wie sie wirklich sind. Die Kernaussage: «Don’t need a whore, I don’t need no booze, don’t need a virgin priest/But I need someone I can cry to, I need someone to protect.» Will meinen: Vergiss die Weiber, vergiss den Schnaps, wenn du dich ausheulen willst, brauchst du einen Freund. Spricht Bände.

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The Rolling Stones, 12×5, 1964

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ London Records

Dass das zweite Stones-Album in den USA bereits im Oktober 1964, ein halbes Jahr nach dem Debütalbum, erschien, noch bevor sie in ihrem Heimatland ein Nachfolgealbum veröffentlicht hatten, mag rückblickend erstaunlich sein, erklärt sich aber durch die Tatsache, dass dort mittlerweile die EP „5×5“ erschienen war.

Die fünf Aufnahmen: „If You Need Me“, „Empty Heart“, das Instrumental „ 2120 South Michigan Avenue“, „Confessin‘ The Blues“ und „Around And Around“ waren im Juni 1964 in den Chess-Studios in Chicago entstanden, und sie bildeten auch das Gerüst der (in Anlehnung an den EP-Titel) „12×5“ benannten LP. Es sind denn auch die inspiriertesten Aufnahmen auf dem Album.

Chuck Berry soll gesagt haben, dass die Stones-Version von „Around And Around“ sein Lieblingscover eines Chuck-Berry-Songs sein soll, was man gut nachvollziehen kann! Wegen der Inspiration, die die Stones offensichtlich aus den Chess-Studios bezogen und nicht zuletzt auch wegen dieses Klangunterschiedes können allerdings die übrigen Aufnahmen aus den britischen Studios nicht ganz mithalten: das unausgegorene „Grown Up Wrong“ fällt gegen den Rest ab, das überstürzte „Suzie Q“ war schon keine Perle, bevor Creedence Clearwater Revival vier Jahre später die definitive Version davon veröffentlichten, und auch „Congratulations“ zeigt die Stones nicht auf der Höhe. „Under The Boardwalk“ von den Drifters haut schon wieder viel besser hin, auch wenn es zeigt, dass Jagger sich erst Jahre später um Gesangstechnik bemühte. Es war kein Zufall, dass die Hitsingle „It’s all Over Now“ ebenfalls aus den Aufnahmen in Chicago stammte. Seine B-Seite, „Good Times, Bad Times“, ist für mich eine der stärksten B-Seiten der frühen Stones.

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The Rolling Stones, Tumbling Dice, 1972

Text/Musik/ Mick Jagger, Keith Richards

Produzent/ Jimmy Miller

Label/ Rolling Stones

„Ich weiss wirklich, was die Leute daran finden“, sagte Mick Jagger. „Der Song zählt, finde ich, nicht zu unseren besten Sachen. Ich finde auch den Text nicht gut. Aber die Leute scheinen ihn wirklich zu mögen.“

„Tumbling Dice“ erblickte im Oktober 1970 in Grossbritannien das Licht der Welt, allerdings in anderer Gestalt. Der Song hiess damals „Good Time Woman“, hatte einen anderen Text, ein schnelleres Tempo, Mick Taylor spielte Leadgitarre und Ian Stewart Klavier. Er war einfach aufgebaut und hatte sich, so Taylor, aus einer Jamsession entwickelt.

Im Sommer darauf wurde der Track im Keller der französischen Villa von Keith Richards überarbeitet. „Ich weiss noch, wie ich das Riff oben, im eleganten Empfangszimmer geschrieben habe“, sagte Richards, „und dass wir es am gleichen Abend noch aufgenommen haben.“ Aber der Toningenieur Andy Johns klagte: „Das ging fast zwei Wochen so. Sie spielten das Introriff immer wieder, stundenlang, und versuchten den Groove hinzukriegen. Es müssen 150 oder 200 Aufnahmen gewesen sein.

Die Lösung bestand schliesslich darin, Richards die Leadgitarre zu geben (assistiert von Jagger) und Taylor Bass spielen zu lassen. „Tumbling Dice“ wurde im März 1972 in L.A. fertiggestellt. „Plötzlich“, beschwerte sich Jagger während des Abmischens, „schien die Musik so…so…ordinaire.“

Aber eigentlich war das Ergebnis alles andere als „ordinär“, trotz des teils unverständlichen Textes (Es geht um Glückspiel und Liebe). Der Song ist groovy, einfach perfekt.