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The Rolling Stones, Jumpin‘ Jack Flash, 1968

Text/ Musik/ Mick Jagger, Keith Richards

Produzent/ Jimmy Miller

Label/ Decca

„Jumpin’  Jack  Flash“ war der Song der die Stones, nach den psychedelischen Abenteuern von 1967, aus dieser Sackgasse heraus- und zurück zu einem schweren Rock- und Bluessound führte. Zunächst erschien das Lied nur als Single.

„Wenn ich den ersten Riff  spiele, passiert etwas in meinem Magen, ein unglaubliches Hochgefühl, ein inneres übermenschliches Gefühl“, sagte Richards einmal. „Es lässt sich am besten als Explosion beschreiben. Du springst auf diesen Riff auf und er spielt dich. Es ist das einzige Gefühl, das meiner Meinung nach dem Nirwana nahekommt!“

Bill Wyman behauptete stets, der Hauptriff stamme von ihm; dies habe  Keith Richards später auch zugegeben. Der Song wird aber Jagger/Richards zugeschrieben. „Es passierte oft, dass Grundideen und Einfälle anderer Bandmitglieder während langer Studio-Sessions im Schmelztiegel landeten“, so Wyman. Grosszügigere, demokratisch gesinntere Kollegen hätten Bill Wyman zum Beispiel für den klassischen Riff bei „Jumpin‘ Jack Flash“ als Co-Autor genannt.

Aufgenommen wurde das Lied in den Londoner Olympic Studios während der Session für „Beggars Banquet“. Die  Aufnahme  war  auch  der  Einstand  für  Jimmy  Miller  als  Produzent  der  Band. Im Promotionsstreifen präsentierten sich die Rolling Stones in Kriegsbemalung und weckten erneut Ängste hinsichtlich des satanischen Einflusses ihrer Musik, wie bereits bei „Sympathy for the Devil“.

Wie Keith Richards berichtete, entstand die Idee zum Song in Redlands (Richards englischem Landsitz) nach einer langen Nacht. Besoffen und stoned, waren die Glimmer Twins auf dem Sofa eingeschlafen. Am Morgen wurden sie geräuschvoll von Richards Gärtner geweckt. „Was ist das?“ murmelte Mick. „Just Jack…. Jumping Jack“, erwiderte Keith. „Ich begann auf meiner Gitarre herumzuspielen und sang die Worte „Jumping Jack“. Mick ergänzte „Flash“, und plötzlich hatten wir die Phrase, die einen Rhythmus hatte und ins Ohr ging. So schrieben wir das Lied zusammen. Jedes Mal, wenn ich „Flash“ spiele, kann ich hören, wie die Band hinter mir abhebt, als ob sich ein Turbo zuschaltet. Man stürzt sich auf das Riff, aber es spielt mit dir !“ so Richards in seiner Biografie „Life“.

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The Rolling Stones, Paint It Black, 1966

Text/Musik/ Mick Jagger, Keith Richards

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ Decca

Die zehnte Single der Stones – Nr.1 auf beiden Seiten des Atlantiks – warf einen bemerkenswerten Schatten auf den sonnigen Optimismus der Popmusik des Jahres 1966. „Paint It Black“ ist Blues, aber nihilistischer als alles, was die Band zuvor hervorgebracht hatte. Mick Jaggers Text „Ich muss das Gesicht abwenden, bis meine Dunkelheit verschwindet“ bezieht sich auf James Joyces Roman „Ulysses“ und nimmt den Tod eines geliebten Menschen als Katalysator für eine völlig verzweifelte, hoffnungslose Weltsicht. „Es ist wie das Anfangsstadium miserabler Psychedelica“, urteilte Jagger später. „Da haben die Rolling Stones etwas in Gang gesetzt.“

Die bei weitem stärkste musikalische Ausstrahlung hat hier die Sitar von Brian Jones. Sie hat etwas Verwirrendes, leicht Bedrohliches an sich, und durch sie ist der Song ein viel erfolgreicherer Ausflug ins Psychedelische als die durchwachsene LP „Their Satanic Majesties Request“ aus dem Jahr 1967. Die Aufnahmesession hätte nirgendwohin geführt, hätte Jones sich nicht das exotische Instrument geschnappt und angefangen, ihm Töne zu entlocken. „Wir haben’s mit funky Rhythmen probiert, und es hat funktioniert“, so Richards später; „er hat angefangen Sitar zu spielen und alle sind eingestiegen.“ Jones zauberte gekonnt einen hypnotischen Drone, und am Ende doppelte Bill Wyman seinen Bass mit den Basspedalen der Orgel.

Scheppernder Garagenpunk – Charlie Watts Drums pochen unerbittlich wie Migräne – gepaart mit abgrundtiefer Trauer. „Paint It Black“ ist das mitreissendste Requiem des Pop.

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The Rolling Stones, We Love You, 1967

Text/Musik/ Mick Jagger, Keith Richards

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ Decca

Im Februar 1967 durchsuchten 15 Beamte das Haus von Keith Richards in Redlands und beschlagnahmten verschiedene „Substanzen“. Als Anstifter der Razzia wurde das englische Boulevard-Blatt „News of the World“ verdächtigt, das seit einiger Zeit regelmässig Horror-Storys über „Drogen-Partys“ und „Sex-Orgien“ brachte. Als die Polizisten in Richards Haus eindrangen, finden sie im Badezimmer die Sängerin und Jagger-Freundin Marianne Faithful „nur in einen Fellteppich eingewickelt, darunter völlig nackt“.

Einige Monate später wurde Brian Jones in seiner Wohnung wegen Drogenbesitzes festgenommen, kam aber gegen Kaution frei. Im Juni 1967 wurden Jagger und Richards wegen Drogenbesitzes zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt. Beide kamen aber gegen Kaution frei. Die englischen Boulevardblätter stürzten sich wie die Geier auf die Affäre – in der englischen Öffentlichkeit wurde derweil heftig über den neuen „Lebensstil der Jugend“ diskutiert. Viele hielten die Urteile gegen die Stones für zu hart. Unter der Überschrift „Wer schiesst mit Kanonen auf Spatzen?“ prangerte der Chefredakteur der „Times“, William Rees-Mogg, das Urteil als unfair und stark überzogen an. Aufgrund mangelnder Beweise und des starken öffentlichen Drucks wurden die Urteile gegen Jagger und Richards am 31. Juli aufgehoben.

Am 20. August 1967 veröffentlichten die Stones „We Love You“. Der Song beginnt mit Schritten und dem Zuknallen einer Zellentür sowie einem Piano-Intro von Nicky Hopkins. Offiziell wurde verkündet, dass es sich bei dem Lied um einen Dank der Stones an ihre Fans handelte. Doch in Wirklichkeit war „We Love You“ eine ironische Abrechnung mit der Boulevardpresse, die die Drogenexzesse und -prozesse der Band genüsslich breitgeschlagen hatte. Der Chor im Hintergrund klingt übrigens so traumhaft schön, weil die Meister des Pops höchstpersönlich mitsangen: die Pilzköpfe John Lennon und Paul McCartney. Beeinflusst von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ der Beatles und dem Zeitgeist folgend nahmen die Stones dann ein psychedelisch geprägtes Album auf: „Their Satanic Majesties Request“.