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The Velvet Underground, White Light/ White Heat, 1967

Produzent/ Tom Wilson

Label/ Verve Records

Brian Wilson mochte das Bananen-Album. Laut Sterling Morrison wollte der Beatles-Manager sogar eine Tour für die Band auf die Beine stellen. Am 27. August 1967 starb Brian Epstein. Wenige Tage zuvor gingen die vier Musiker in New York ins Studio, um ihre zweite Platte aufzunehmen. Manche Kritiker hatte ihr Debüt nachträglich als Gegenentwurf zum Flower-Power-Manifest „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ eingestuft. Doch erst „White Light/ White Heat“ machte die schneidend coolen Velvets wirklich zu einer Art Anti-Beatles.

Im Juni 1967 hatten sich die Wege von den Velevet Underground und Andy Warhol getrennt. Ihr stets am Umsatz interessierter Mentor hatte die defizitäre Gruppe in eine kommerzielle Richtung drängen wollen. Quasi auf Antwort auf dieses Ansinnen spielte sie ihre radikalste Platte ein. Richie Underberger schreibt in seinem Buch „White Light/White Heat: The Velvet Underground Day-by-Day“, dass die Velvets zu der Zeit viele neue Songs in ihrem Live-Repertoire hatten, darunter auch melodische, ruhige Stücke. Im Studio entschieden sie sich jedoch ausschliesslich für das aggressive, laute Material. Morrison, Lou Reed und John Cale drehten die Regler ihrer Verstärker und Verzerrer voll auf. Die überforderten Tontechniker hatten die undankbare Aufgabe, das ohrenbetäubende Feedback in Stücken wie „I Heard Her Call My Name“, „Sister Ray“ oder „The Gift“ zu bändigen. Dass ihnen dies nur bedingt gelang, macht neben den äusserst gewagten Texten und der kompromisslosen Einstellung der Musiker den Reiz von „White Light/White Heat“ aus.

Es ist besonders dieses Album mit all seiner sinistren Gewalt, das als ein Grundlagenwerk für Noise Rock, Industrial, Punk und sogar Heavy Metal diente. Weiter als hier wollte Reed das Spiel mit dem Tumult und der experimentellen Ekstase allerdings nicht treiben.

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The Velvet Underground & Nico, 1967

Produzent/ Tom Wilson/ Andy Warhol

Label/Verve

Als Velvet Underground im April 1966 zum ersten Mal ins Studio gingen, hatten sie noch keinen Plattenvertrag. Vielmehr wollten sie in den heruntergekommenen Scepter Records Studios in Midtown Manhattan Material einspielen, um sich mit diesem bei Labels zu empfehlen. In den sechs Tagen Studiozeit sollten aber gleich professionelle, schlüsselfertige Aufnahmen entstehen, keine Demos. Das Ergebnis dieser Session wurde denn auch das Fundament ihres im Jahr darauf erschienenen Debütalbums. Eines Albums, wie es bis dahin keines gegeben hatte. Radikal anders in seinem Sound, seinen Arrangements, seinen Texten, seinem Design und seiner Attitüde, markierte „The Velvet Underground & Nico“ nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der populären Musik.

Wo zur selben Zeit die Beach Boys über das Strandleben an der Westküste und Adoleszenzbeschwerden sangen oder Love sich an der Kleidung weiblicher Fans ergötzten, beschrieb die neue Band von der Ostküste, wie es sich anfühlt, wenn ein Körper von heroingesättigtem Blut geflutet wird. Oder sie skizzierte die Ausweglosigkeit eines Menschen, den man nicht am Leben teilnehmen lässt. Die Geschichten des einstigen Literaturstudenten Lou Reed sind hart, schnörkellos, unsentimental.

Die Musik der Gruppe ist ihrerseits von Zierrat befreit, sie simuliert die Banalität und den Schrecken des Daseins. Doch ist das Album in der Balance. Neben Abgründigem wie „Heroin“, „The Black Angel’s Death Song“ oder „Venus in Furs“ steht auch Zartes, darunter „Femme Fatale“ und „I’ll Be Your Mirror“. Beide Songs singt Nico. Andy Warhol, der die Band entdeckt hatte, wollte das deutsche Ex-Model unbedingt dabeihaben. Sie verpasste den Velvets Glamour. Nach der ersten Platte veliess sie die Gruppe. Ihre Stimme macht bis heute einen Teil der Faszination dieses Rockklassikers aus.