Neko Case, Blacklisted, 2002

Produzent/ Neko Case, Darryl Neudorf, Craig Schumacher

Label/ Anti-Records

Die Assoziationen stellen sich schnell ein: Flirrende, geisterhaft leere Highways. Ein Truckstop am Rande von Nirgendwo. Ein einäugiger Hund. Die Zukunftsaussichten so düster verhangen wie der Himmel. „The hammer clicks in place – The world is gonna pay“ heisst es im Opener „Things That Scare Me“, dazu klappert unheilvoll das Banjo.

Die stimmgewaltige Neko Case schwelgt mit „Blacklisted“ zutiefst in dunklen Klängen und Atmosphären. Mit tatkräftiger Unterstützung so ausgewiesener Könner wie Joey Burns & John Convertino (Calexico), Howie Gelb oder Mary Margret O’Hara, entstanden schimmernde Country-Noir-Soundscapes, die auch in den Albtraumwelten eines David Lynch ihren Platz hätten. Düster, spröde und mysteriös kommen die Songs daher. In deren Adern zudem das Vermächtnis alter Klassiker pulsiert. Selten lagen Schönheit und Unbehagen so nah beieinander.

„Deep Red Bells“ ist mit knapp vier Minuten schon der längste Song des Albums. Was dieser Aufnahme seine Magie verleiht, ist aber weniger undurchsichtige Exzentrik, sondern eine glasklare Stimme, wie sie das 21. Jahrhundert bis dato nicht kannte – mit seiner songdienlichen, musikalischen Untermalung jedenfalls das Highlight des Albums für mich.

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Neko Case, Fox Confessor Brings the Flood, 2006

Produzent/ Neko Case, Darryl Neudorf

Label/ ANTI-

Neko Case singt. Sie flüstert, haucht und tuschelt nicht. Sie singt, ganz anders als die Anderen. Selbstbewusst, aufgewühlt, manchmal schon beinahe inbrünstig. Die Stimme klettert und bebt, ist schwarz wie die Nacht, zittert und zetert, kippt aber niemals über. Die Stimme steht im Mittelpunkt. Sie ist die Seele jedes Songs auf „Fox Confessor Brings the Flood“, egal was drum herum passiert. Calexico, Howe Gelb, The Sadies und Garth Hudson von The Band sind unter anderem in Nebenrollen zu hören. Aber keiner von ihnen singt.

Stattdessen sind sie Handwerker auf dieser Platte. Keine von der Sorte natürlich, die erst Stunden zu spät kommen und dann nur rumfuschen. Sondern Präzisionsarbeiter, die ohne grosse Aufregung, aber mit viel Gefühl in den Fingerspitzen den Unterbau für Cases Lieder liefern. Sehr bedacht und abgeklärt klingen die, mitunter beinahe kaltblütig. Bis sie dann doch wieder von kleinen Spielereien durchkreuzt werden, die jedwede Besonnenheit auf den Kopf stellen. Das hicksende Jazz-Klavier aus „Margaret vs. Pauline“. Die Gitarre in „That Teenage Feeling“, die ums Verrecken nicht hinterherkommt. Oder diese vehementen, empörten Streicher, die sich gegen die beschwörende Ruhe von „Dirty Knife“ auflehnen. Country ist das schon alles irgendwie. aber trotzdem weit weg von Cowboyhut und Hemdsärmeln.

Man sollte sich deshalb von allen Vorurteilen befreien, die man solcher Musik wegen mit sich rumschleppen könnte. Man sollte sich auch gefasst machen auf Case als spirituell sinnsuchende Gebetschwester, die alte Traditionals wie das feierliche „John Saw that Number“ aufmotzt. Und man sollte Intimität nicht mit Schüchternheit durcheinander bringen oder Selbstbewusstsein und Kraftmeierei verwechseln – nur weil Case in Stücken wie dem aufwendig ausgetüftelten „Star Witness“ oder dem etwas formloser holpernden „Hold on, hold on“ so stolz und trotzig singt wie kaum jemand sonst im Moment: „Now it’s the devil I love / And it’s as funny as real love.“ – Confessions of a dangerous mind.