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Jerry Garcia Acoustic Band, Almost Acoustic, 1987

Produzent/ Sandy Rothman

Label/ Grateful Dead Records

Diese Platte ist nun schon dreissig Jahre alt, aber was macht das bei Musikern, die zusammengelegt, so alt sind, dass sie eine Strecke von Genf nach Romanshorn ergäben. Jerry Garcia hat mit seiner Prä-Grateful-Dead-Band und drei weiteren Freunden 1987 ein akustisches Doppelalbum live aufgenommen. Sechsminütige Traditionals und Songs, die zusammen älter sind als die Magna Carta, ein Grateful-Dead-Stück („Ripple“) und ein Traditional, den es auch von den Dead gibt ( das unglaubliche „I’ve Been All Around This World“), unter anderem sind auch Blues- und Country-Standards von Mississippi John Hurt und Elizabeth Cotton.

Die Besetzung (zwei Gitarren, Standbass, Fiedel, Dobro oder Mandoline und Snare erinnert ein wenig an Garcias andere Country-Band aus den mittleren 70ern Jahren „Old and in the Way“, bei der David Nelson und John Kahn auch dabei waren. Falls man aber bei solcher Musik BPM-Zahlen ermitteln könnte, lägen sie hier bei einem Drittel der Blue-Grass-lastigen Songs bei circa 30 BPM im Schnitt.

Diese Musik ist noch vielviel älter und im Weg, als ich mir das damals als blühender Mitdreissiger vorstellen konnte. Und das Tolle ist, es ist die schönste, friedlichste und freundlichste Musik, die je gemacht wurde: sie lehrt dich den Unterschied zwischen alt und dated; denn dated ist sie nicht, nur so völlig unfassbar alt, zwanzig Jahre älter als jede Vorstellung und Tolstoi in seinen letzten Momenten. Die ungehetzteste Musik aller Zeiten.

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Grateful Dead, Live/ Dead, 1969

Produzent/ Grateful Dead

Label/ Warner Bros.

Die ersten drei Studioalben von Grateful Dead vermittelten nicht, was die Fans bei Konzerten wie in Fillmore West fühlten. Zum Glück war die Band gewillt, mit „Live/ Dead“ auch den Rest der Welt zur „Reise in ihrem Bus“ einzuladen.

Das Konzertalbum ist ein einschneidender Moment in der Geschichte der Popmusik, insbesondere für diejenigen, die nie in Haight-Ashbury oder der Carnaby Street gewesen waren. Auf der Doppel-LP „Live/Dead“ gab es nur sieben Songs, statt 30 wie auf dem „White Album“ der Beatles. Die Stücke waren bei Live-Auftritten in San Francisco mitgeschnitten worden, etwa zur gleichen Zeit, als die Gruppe „Aoxomoxoa“ im Studio aufnahm.

„Dark Star“ der Lieblingssong aller Zeiten unter den Deadheads, ist hier zum ersten Mal auf Platte gepresst und auch später selten besser gespielt worden. Die Musik gerät in einen Strudel, schäumt über und verliert sich scheinbar unzählige Male, um dann in – Coltrane würdigen – Epiphanien zum Höhepunkt zu gelangen. Grateful Dead bauen die Studioversion von „St. Stephen“ genüsslich aus und tauchen dann ein in die epische Interpretation von „The Eleven“.

Während viele Kritiker die beiden LPs von 1970, „Workingman’s Dead“ und „American Beauty“, als die unerreichbarten Meisterwerke einstufen, ist dieses erste Live-Album wohl das einflussreichste Werk der Band. Die LP erschien lange vor den Kassetten-Tauschbörsen. Sie illustriert die Kraft langer Improvisationen und lässt sich als Vorlage für Phish und andere Jam-Bands weit ins 21. Jahrhundert verfolgen.

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Grateful Dead, Workingman’s Dead, 1970

Produzent/ Bob Matthews, Betty Cantor

Label/ Warner Brothers

Die Siebziger fingen für die Grateful Dead nicht besonders gut an: Die Band war fünf Jahre zusammen, sie schuldete Warner Brothers Geld und war in New Orleans wegen diverser Drogenvergehen verhaftet worden, eine Situation, aus der sie wiederum Warner Brothers unter Zahlung von hohen Kautionen herausholte. Bis dahin hatte die Band zwar einen gewissen Rückhalt durch eine treue Fangemeinde, der grosse Erfolg war ihnen jedoch durch die Unkommerzialität ihrer bisherigen Musik versagt geblieben. Unter dem Druck, unter dem sie standen probten sie nun mit akustischen Instrumenten, da es die Musik verlangte, und schufen so ihr viertes Studioalbum „Workingman`s Dead“

Auf diesem Album bereichern die Grateful Dead ihr Repertoire durch eine neue, eher blues-folk-country-orientierte Stilrichtung. Diese Entwicklung in Richtung Folk mit akustischen Elementen ist allerdings nicht so überraschend, da schon „Aoxomoxoa“ von 1969 mit „Mountains of the Moon“ ein fast akustisches Stück enthält.

„Workingman’s Dead“ enthält einige starke Stücke, wie „Uncle John`s Band“, „Dire Wolf“ oder „Casey Jones“. Diese Songs wurden dann auch Standards im Grateful Dead Bühnenrepertoire. Daneben gibts mehrere ganz nette Folk- und Countrytitel, die jedoch nicht so richtig zünden. Charakteristisch für diese Platte ist die von Jerry Garcia gespielte Pedal Steel Guitar, die den Songs ein ganz besonderes Flair verleiht. Wer Crosby, Stills and Nash mag, der wird auch „Working Man’s Dead“ mögen, wer die Grateful Dead mag sowieso.