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Hot Tuna, Steady as She Goes, 2011

Produzent/ Larry Campbell

Label/ Red House

Angefangen hatte es mit der Band Hot Tuna 1969, als Jorma Kaukonen, Jack Casady und andere Mitglieder von Jefferson Airplane krankheitsbedingt auf Sängerin Grace Slick verzichten mussten. Mit „Steady As She Goes“ erschien 2011 nach mehr als zwanzig Jahren wieder ein Studio-Album der Bluesrocker.

Erstaunlich, wie langlebig manche Bands auch ohne Ewigkeitsruhm a la Rolling Stones sind. Hot Tuna hat es an Bekanntheit niemals mit dem „Mutterschiff“ Jefferson Airplane aufnehmen können. Doch noch heute ist die Gruppe (nach kurzzeitiger Unterbrechung in den 80er Jahren) beständig auf Tour. Und mit Kaukonen und Casady sind zwei der Gründungsmitglieder noch immer an Bord. Damit ist sie die am längsten existierende Band der kalifornischen Hippie-Szene… Seltsam eigentlich, dass es zwanzig Jahre dauern musste, bis sie mal wieder ins Studio gegangen sind.

Wenn Musiker als „authentisch“ oder ur-amerikanisch geltende Rockmusik einspielen wollten, dann war das Studio des 2012 verstorbenen Schlagzeugers und Bandleader Levon Helm in Woodstock ein gern aufgesuchter Ort. Denn irgendwie gilt seit den Tagen der Basement Tapes (oder fälschlicherweise seit dem Woodstock-Festival) Woodstock als ein fast mythischer Ort. Hot Tuna jedenfalls ist dieser Ausflug gut bekommen.

„Steady As She Goes“ mag nicht das spektakulärste Bluesrockalbum sein. Doch die zwölf Songs (ob von den Bandmitgliedern geschrieben oder Neuinterpretationen etwa von Rev. Gary Davis) sind in ihrer ruhigen Art auf jeden Fall mehr als hörenswert. Die Lieder treten nicht im Wettstreit um den schnellsten und härtesten Bluesrock an, sondern sind mit Mandolinen und anderen akustischen Instrumenten eher im Grenzland zwischen Folk, Blues und Country angesiedelt. Und damit kann man sich einen ruhigen Abend sehr angenehm vertreiben.

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Jefferson Airplane, 2400 Fulton Street, 1987

Label/ RCA

Jefferson Airplane waren zwischen 1966 und 1971 eine der besten Bands Amerikas. Ob sie nun neben den Stooges, MC5, neben den Grateful Dead und Byrds, neben Love und Beach Boys, neben den Seeds und Doors stehen, ist im Prinzip egal. Zurecht sind auch Bands wie die Earth Operas, Pebbles oder Nuggets vergessen, während die Jefferson Airplane auch heute noch in guter Erinnerung sind.

„Hi, Friends! You have seen the heavy groups, now you will see morning-maniac-music! Believe me! It’s a new dawn… Good Morning People!“ Diese Ansage von Grace Slick zum Auftritt der Band zum Woodstock-Festival wurde damals von vielen als direkten Aufruf zum Umsturz aller politischen Lebensverhältnisse gedeutet, heute wissen wir, dass sich die Zeile “It’s a new dawn“ der Tatsache verdankt, dass Jefferson Airplane bei diesem Festival um sieben Uhr morgens dran waren. Dass der darauffolgende Revolutionssong „Volunteers“, der auf diesem hervorragenden Compilation-Album dankenswerterweise in seiner chaotisch-inspirierten Woodstock-Version drauf ist, ursprünglich von einem Müllbeseitigungsunternehmen namens „Volunteers of America“ handelt, bis Paul Kantner, der selbsternannte Anarchistenführer, die Zeilen „Gotta revolution, gotta revolution“ hineinkorrigierte.

Die Jefferson Airplane bestand aus drei profilneurotischen Egos, die sich ums Mikrophon drängten: Grace Slick (Sex, Drogen und James Joyce gibt Revolution), Paul Kantner (junge vom FBI gesuchte Bürgermeistertöchter und Hymnen gibt Revolution) und Marty Balin ( unabhängige, sehr kluge Mädchen und Soul gibt vielleicht Revolution), dann eine coole Band mit Jorma Kaukonen ( einmalig knarzige Gitarre, immer den Blues gegen aufgescheuchte Drogenhymnen einsetzend), Jack Cassady ( supervoluminöser Bass), sowie einem exzentrischen Drummer mit Hang zu Experimenten, dazu gehörten als beste Freunde der Epoche David Crosby, Jerry Garcia und Nicky Hopkins, die oft und gern, gefragt und ungefragt bei Sessions mitspielten.

„2400 Fulton Street“ ist ein optimaler Einstieg in das Schaffen dieser Band, von der trotz/wegen aller Grossartigkeit drei Sätze in die Geschichte eingehen werden: „You are the crown of creation“, immer die Klientel zu grossen, schönen, menschenfreundlichen Selbstüberschätzung ermutigend. „All your private property is target of your enemy“, sowie schliesslich die prophetisch geahnte Wahrheit: „This generation has no destination at all.“

Darby Slick, der mit seinem Bruder Jerry und dessen damaliger Ehefrau Grace die Band The Great Society führte, für die er den Song „Somebody To Love“ schrieb, den Grace nach der Trennung zu ihrer neuen Band mitnahm, wo er ein grosser Hit wurde, erhält jedenfalls bis heute seine Tantiemen-Checks.