Curtis Mayfield, Superfly, 1972

Produzent/ Curtis Mayfield

Label/ Curtom

Es ist umstritten, welches der erstes Blaxploitation-Film war – d.h. ein Film mit schwarzen Schauspielern für schwarze Zuschauer über das Leben von Schwarzen in den Städten und Ghettos. Sowohl „Sweet Sweetback’s Baadassss Song“ als auch „Shaft“ kamen 1971 in die Kinos, dicht gefolgt von „Superfly“, für den Curtis Mayfield die Musik schrieb.

Mayfield, politisch engagierter Soul- und R&B-Sänger und -Komponist, unterstützte die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung. Sein Soundtrack steht im Widerspruch zum Film: Der Film „Superfly“ erzählt die Geschichte eines Kokaindealers, der versucht aus dem Drogengeschäft auszusteigen und hat keine eindeutige Botschaft – Mayfields Soundtrack hingegen schon. Seine kompromisslosen Texte lassen kein gutes Haar an der ghettotypischen Drogenverherrlichung und greifen einige der Filmfiguren direkt an.

Der Titelsong selbst – in einem Wort geschrieben – ist eine Wonne, gesungen in Mayfields unverwechselbarem Falsett. Das Intro aus Bass und Schlagzeug wurde schon häufig gesampelt; federnder Funk, akzentuiert durch Bläser und Percussion, begleitet und umspielt den Gesang. Die Musik war kommerziell sofort erfolgreich; der Soundtrack stellt den Film weit in den Schatten und war eines der ersten Konzeptalben des Soul.

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Curtis Mayfield, Curtis, 1970

Produzent/ Curtis Mayfield

Label/ Curtom

Eher im Stillen hatte Curtis Mayfield Mitte der Sechziger seine eigene Emanzipation im von weissen Unternehmen dominierten Musikgeschäft vorangetrieben, als er 1966 mit Curtom-Music seinen eigenen Song-Verlag und 1968 mit Curtom Records sein eigenes Label gründete.

Für einige Jahre sollte dann das Label Curtom Records, das mit Donny Hathaway, Leroy Hutson, The Impressions und später dem Solisten Curtis Mayfield einige der wichtigste Künstler der Stadt unter Vertrag hatte, zum Markenzeichen von Chicagos Synthese von Sweet Funk und Black Power werden.

1970 nahm Curtis Mayfield eine „Auszeit“ von The Impressions, um das Soloalbum „Curtis“ aufzunehmen. Mit beissendem Sarkasmus zeichnete er hier in „If There’s Hell Below (We’re All Gonna Go)“ ein Bild der USA, in der von den Hoffnungen der Bürgerrechtsbewegung wenig übriggeblieben war, während „Move On Up“ beinahe verzweifelt (und mit etwa 200 „beats per minute“) diese Hoffnungen weiter einforderte.

Wie zuvor bei The Impressions nahm Curtis Mayfield auch auf seinem Soloalbum einen bewusst „schwarzen“ Standpunkt ein. Für ihn bedeutete dies aber auch immer eine universalistische Perspektive. Schwarzer Separatismus und Nationalismus blieben ihm so fremd, wie er sich immer dem Traum Martin Luther Kings von einem neuen Amerika aller Amerikaner verpflichtet wusste. Für ihn war und blieb die persönliche Erfahrung von Diskriminierung als Afroamerikaner der Impuls, sich gegen jede Form von Ausschluss und Überlegenheitsanspruch zur Wehr zu setzen. Konsequent stellte er sich auf die Seite der „unsichtbaren Helden“ wie er sie nannte, um denen Gehör zu verschaffen, die gesellschaftlich im Abseits standen. Deshalb wird man in seinen Songs auch vergeblich nach „aussergewöhnlichen Themen“ wie sexuelle Obsession oder Omnipotenz Ausschau halten.