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Black Sabbath, Paranoid, 1970

Produzent/ Rodger Bain

Label/ Vertigo Records

Black Sabbath legten den Grundstein für das Album in einem Zürcher Nachtclub, wo sie mangels Publikum – meist hörten nur ein Alkoholiker und eine abgehalfterte Prostituierte zu – bei Jam-Sessions ihre musikalischen Fähigkeiten entwickelten. Die Platte beginnt mit dem Anti-Kriegssong „War Pigs“, der zwar hinsichtlich des Textes allgemein gehalten ist, sich aber auf den Vietnam-Konflikt bezog. Der dämonische Gesang von Ozzy, Bill Wards abwechslungsreiches Schlagzeugspiel sowie die präzisen Riffs von Iommi und Butler kamen bei den Fans so gut an, dass das Stück mit dem Arbeitstitel „Walpurgis“ bald fester Bestandteil des Live-Sets wurde, während das melancholische und sanfte „Planet Caravan“ bei dem Ozzy durch einen Leslie-Lautsprecher sang, die verträumte Seite Black Sabbaths belegt.

Das mit einem stampfenden Rhythmus und einer Roboterstimme eingeleitete „Iron Man“ wurde von dem gleichnamigen Marvel-Comic inspiriert und wirkt durch die schweren Stakkato-Riffs. Während „Electric Funeral“ Finsternis pur ausdrückt, lebt das abwechslungsreiche „Hand of Doom“ von der dynamischen Bandbreite, die sowohl leise als auch laute Töne optimal hervorhebt. Bei dem unappetitlich betitelten „Rat Salad“ zeigt Bill Ward seine Fähigkeiten als Schlagzeuger, wohingegen „Fairies Wear Boots“ für enge Verwandschaft zum progressiven Rock steht.

Mit „Paranoid“ beginnt die grosse Ära der Band. Der Song entstand in der Mittagspause. Die Kollegen entspannten im nahegelegenen Pub, und Iommi versuchte noch schnell eine Idee aus den Fingern zu saugen, um die Spielzeit der Platte zu verlängern. Wie alle grossen Rockriffs war das Ergebnis gleichzeitig genial und einfach. Als Einleitung ein Riff mit einem hohen Erkennunmgswert, dann sechzehn Achtelnoten auf E5, acht Achtel auf D5, ein Break und ein leidenschaftliches Solo – schon war ein Welthit im Kasten, der auch heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.

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Black Sabbath, War Pigs, 1970

Text/Musik/ Black Sabbath

Produzent/ Rodger Bain

Label/ Vertigo

Regen, Donner und eine Glocke läuten das Debutalbum von Black Sabbath ein. Auf diesen Albträumen folgte nur sieben Monate später das zweite Album, das ebenfalls kein Erbarmen kennt: beim Heulen der Sirenen glaubt man, in einer noch schlimmeren Welt aufgewacht zu sein. „War Pigs“ ist trotz des Erfolg des titelgebenden Albumtracks „Paranoid“, die definitive Black Sabbath-Hymne aus der Frühzeit der Band. Titelsong des Albums wurde „War Pig“ nur deswegen nicht, weil man vermeiden wollte, dass die Band in Sachen Vietnamkrieg in eine politische Ecke gedrängt wurde.

In der Originalversion (Arbeitstitel „Walpurgis“) war von „brennenden Leichen“ und „Sündern“ die Rede, die „Innereien toter Ratten“ assen. Um ihrem Satanisten-Image entgegenzuwirken, überarbeitete die Band den Text, der unbeabsichtigt die Enttäuschung und das Grauen der Epoche zum Ausdruck brachte. „Wir wussten nichts über Vietnam“, sagte Ozzy Osbourne später, „es ist einfach ein Antikriegslied“, und Bassist und Haupttexter Geezer Butler fügte hinzu:“Die Welt ist eine verdammte Schlachtbank.“

Nach der sehr langsamen Einleitung erklingt Ozzy Osbournes unverwechselbares Geheul, gefolgt von Tony Iommis brutalen Gitarrenriffs, während Butler (Bass) und Bill Wards (Drums) ein fast jazziges Rhythmusgerüst aufbauen. Da war sie, die Heavy-Metal-Vorlage für die nächsten 20 Jahre.