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Ali Farka Touré with Ry Cooder, Talking Timbuktu, 1994

Produzent/ Ry Cooder

Label/ World Circuit

Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1993 von einer Session während Ali Farka Tourés US-Tour. Die Scheibe zählt gemeinhin zur Musikrichtung „World Music“, also zur traditionellen Musik, in diesem Fall Musik aus Mali. Auf „Talking Timbuktu“ gibt es gemeinsame Klänge von Ry Cooder, der bekanntlich den Blues gut kennt und oft spielt, der aber auch eine Reihe anderer Musikstile pflegt, mit einem Star der afrikanischen Musik zu hören. Sein Gegenüber Ali Farka Touré, der die Aufnahmen musikalisch wesentlich prägt ist ein aus Mali stammender Gitarrist, der den Übernamen „König des Wüsten-Blues“ hat, weil sein Solo Gitarrenspiel bluesig klingt und seine Kompositionen ebenso mit einfachen hypnotischen Riffs arbeiten wie Blues-Boogie-Songs.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Weltmusikern und Amerikanischen Musikern auch kommerziell erfolgreich sein können hat Paul Simons auf seinen Alben „Graceland“ und „Rhythm of the Saints“ gezeigt. Ry Cooder ist ein echter Pionier der Zusammenarbeit mit „Welt-Musiker“, so veröffentlichte er bereits 1974 zwei LP’s mit dem Haiwaianer Gabby Pahinui. 1994 folgte eine Zusammenarbeit mit dem indischen Gitarristen Vishwa Mohan Bhatt. Und bei den Veröffentlichungen aus dem Umfeld des Buena Vista Social Club trat Ry Cooder als Produzent in Erscheinung.

Musikalisch scheinen die Welten von Cooder und Touré zunächst getrennt, aber beide Musiker treffen und unterhalten sich auf „Talking Timbuktu“ mithilfe des rhythmischen Idioms des Blues. Diese Aufnahmen sind spannend und herausfordernd, weil sie teilweise klar Blues sind, aber dennoch etwas anders funktionieren. Was das Bluesige dieser Aufnahmen ausmacht ist die Grundlage eines Riffs, das deutlich an John Lee Hooker erinnert. Solche Boogie-Riffs gibt es verschiedentlich, und auf diese werden dann afrikanische Gesänge und teilweise traditionelle Instrumente gesetzt.

Ali Farka Touré singt hier in elf verschiedenen Sprachen. Er spielt akustische und elektrische Gitarre, dazu Six-String Banjo, das traditionelle Streichinstrument Njarka. Die Mitmusiker sind auch nicht ohne: Jazz-Fusion-Bassist John Patitucci, und Drummer Jim Keltner, sowie die afrikanischen Perkussionisten Hamma Sankare an der Calabash und Oumar Touré an den Congas. Dazu auf einem Titel Clarence „Gatemouth“ Brown mit einem Gastauftritt.

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Ry Cooder, Bop Till You Drop, 1979

Produzent/ Ry Cooder

Label/ Warner Bros.

„Bop Till You Drop“ ist ein weitere Beweis, dass ausser Taj Mahal niemand ein so authentisches und gleichzeitig reflektiertes Verhältnis zur Geschichte amerikanischer populärer Musik hat wie Ry Cooder. Seine Kenntnisse sind umfassend, was immer er aus dem Reservoir herausgereift. Er beherrscht die Materie.

Wie er auf dieser Platte völlig obskure Coverversionen (wie beispielsweise „Little Sister“, eine im Original völlig lahme Nummer von Elvis) mit flexiblen, eleganten Gitarrenparts (überragend: Sideman David Lindley), funkigem Bass (Tim Drummond) und elegantem Schlagzeug (Jim Keltner) anreichert, das hat Klasse.

Das verzweifelte, oberauthentische „I Can’t Win“ mit grandiosem Satzgesang, das gospelhafte, vertrackt synkopierte „Trouble, You Can’t Fool Me“ ebenso wie das düster-treibende „Down In Hollywood“ (mit Chaka Khan als Backgroundsängerin) – jeder Song hat schon nach zwei Takten eine eigene Stimmung, Stil, perfekte Interpretation und Klasse. Jeder Song garantiert besser als das Original. Absolut ergreifend und versteckt ganz in der Mitte das ruhige, sanft schunkelnde „I Think It’s Going To Work Out Fine“: Besser kann ein einfaches kleines Volkslied nicht interpretiert werden.

Ry Cooders Arbeit, die für mich mit seiner Mitwirkung an den ersten Bands von Captain Beefheart und Taj Mahal begann, wirkt hier reif und souverän, klar und ohne Schlacken. „Bob Till You Drop“ ist ein Ausnahmealbum, dass auch nach fast vierzig Jahren nichts von seinem Wert eingebüsst hat.

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Ry Cooder, Get Rhythm, 1987

Produzent/ Ry Cooder

Label/ Warner Bros.

In den den 80er Jahren war Ry Cooder oft hinter den Kulissen tätig. Als Produzent, Autor und Instrumentalist meisterte er einige der wertvollsten Soundtracks der Decade, „The Border“, „The Long Riders“, „Alamo Bay“, „Paris, Texas“, „Blue City“ und „Crossroads“. Der 40jährige-Gitarrist aus Los Angeles zeichnete sich stets von neuem als ein sensibler Interpret und Umsetzer enthnischer Musikstile aus.

Auf seiner ersten Nicht-Soundtrack-Platte nach fünf Jahre treibt Cooder wieder ganz auf der traditionellen amerikanischen Folk- und Country-Musik abseits von Kommerz-Tönen, nicht ohne tiefschürfende Abstecher zu Blues und Tex-Mex. Fast allein schreibt sich die Liste derer, die mitgemacht haben. Gute Namen sind reine Poesie: Buell Neidlinger, einst Bassist von Cecil Taylor, dann Dirigent, dann wieder 1972 bei Van Dyke Parks aufgetaucht. Der wiederum spielt alle Keyboards. Larry Blackmon von Cameo lässt sich bei einem überreich gewürzten „All Shock Up“ vernehmen, Harry Dean Stanton kommt zu Wort, wenn es virtuos traurig (hier exakt das Gegenteil von traurig virtuos) wird. Cooders langjährige Vocalbegleiter Bobby King und Willie Green sind auch dabei. Und der Akkordeonspieler Flaco Jimenez und der Schlagzeuger Kim Keltner nicht zu vergessen.

Das reizend sauber, zwangsneurotisch zusammenkonstruierte Amerika Ry Cooders – das reine Bild: es kann nur noch exakter, noch reizender, noch lustiger werden. Und es ist verwunderlich, aber schön, dass wirkliche Menschen wie Jim Dickinson ein Drittel der Songs schreiben dürfen. Ry Cooder ist mit „Get Ryhythm“ wieder so gut wie zur Zeit von „Chicken Skin Music“, jene schöne friedvolle Zeit, als man, ohne von Prostitution zu leben, Hawaii-Hemden trug.