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The Allman Brothers Band, Eat A Peach, 1971

Produzent/ Tom Dowd

Label/ Capricorn Records

Ihr Album „Live At Fillmore East“ stand noch hoch im Kurs und markierte den endgültigen Durchbruch für die Allman Brothers Band, als sie sich an die Aufnahmen zu ihrem dritten Studioalbum machten.  Doch die Arbeiten gestalteten sich alles andere als einfach. Kurz vor den Sessions hatten sich einige Band- und Crewmitglieder, unter ihnen Duane Allman, in eine Klinik begeben, um ihre Heroin-Sucht zu bekämpfen. Doch ihre guten Absichten führten nicht zu dem gewünschten Ergebnis.

Wegen des Erfolges, aber auch, weil sie noch viel gutes Material von den Fillmore-Konzerten 1971 in petto hatten, waren auf der Doppel-LP schliesslich auch drei Livesongs, wobei der 33minütige Jamrock-Klassiker „Mountain Jam“ auf zwei LP-Seiten verteilt werden musste. „Eat A Peach“ wurde zum Vermächtnis von Duane Allman: Der Gitarrist starb am 29. Oktober 1971 bei einem Motorradunfall. Drei weitere weitere Songs sind nach seinem Tod aufgenommen worden, unter anderem das balladeske „Melissa“.

„Eat A Peach“ war das erste Album, das das komplette Stil-Spektrum der Allman Brothers Band wirklich widerspiegelte. Während die ersten beiden Alben noch tief im Bluesrock verwurzelt gewesen waren, bestach „Eat A Peach“, egal ob es sich noch um Songs mit Duane oder um nach seinem Tod eingespielte Tracks handelte, durch die Verknüpfung von Jazz- und Country-Einflüssen mit den bluesrockigen Elementen. Und das auf eine recht beschwingte Art. Das war umso erstaunlicher, als gerade die Songs, die nach dem Motorrad-Crash entstanden, als Tribut für den toten Freund und Bruder gedacht waren.

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Various Artists, Delta Swamp Rock Volume One, 2011

Compiled By/ Stuart Baker

Label/ Soul Jazz Records

Ich weiss, Lynyrd Skynyrd sind nicht nach jedermanns Geschmack, da die weissen Südstaatler auf ihrer Gratwanderung zwischen Rock’n’Roll, Country und Blues, zwischen Südstaatenflagge, Rebellentum und reaktionärer Schollenverbundenheit in manches politische Fettnäpfchen traten. Den Südstaatenrock der frühen 70er Jahren auf Lynyrd Skynyrd zu reduzieren wäre indessen ein Irrtum:

Losgetreten von der Allman Brothers Band entwickelte sich eine vielfältige Szene, die ihren Ursprung nicht zuletzt in den Soul- und Funkstudios in Muscle Shoals, Alabama hatte – viele Südstaatenrocker begannen ihre Karriere als Sessionmusiker für schwarze Interpreten. Was in den Studios und Radios der Südstaaten längst üblich war, übertrug sich auch in den Südstaatenrock, der immer dort interessant wurde, wenn er möglichst tief in seinen sumpfigen und schwarzen Wurzeln watete.

Diese Bezüge machen die Songs auf „Delta Swamp Rock“ deutlich, und wie bei allen Soul-Jazz-Compilations bringt auch hier der Untertitel auf den Punkt, was das Booklet vertieft: „Sounds from the South: At the Crossroads of Rock, Country and Soul“. An diese Kreuzungen führen Joe Souths „Hush“, die wunderbare Bobbie Gentry oder der verblüffende Instrumentaltrack „Stone Fox Chase“.

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The Allman Brothers Band, At Fillmore East (Live), 1971

Produzent/ Tom Dowd

Label/ Capricorn

1971 standen die Allman Brothers vor einem Dilemma: Sie hatten im Vorjahr mehr als 300 Konzerte gegeben, aber dennoch waren die Verkaufszahlen ihrer beiden ersten Studioalben unbefriedigt. Ausserdem hatten die sechs Musiker das Gefühl, dass sie vor Publikum viel energiereicher spielten und einen besseren Sound hinbekamen. Logische Überlegung: mit Hilfe einer Live-Platte, die im New Yorker Musiktheater „The Fillmore East“ aufgenommen werden, sollten endlich die wahren Qualitäten der Band eingefangen werden. Dabei verzichteten sie auf nachträgliche Overdubs; lediglich die Mundharmonika vom Thom Doucette wurde – wo nötig – aus dem Mix entfernt.

Und die Songs? Die haben es wahrlich in sich. „Statesboro Blues“ spiegelt die Power der Twin-Drums-Besetzung perfekt wieder und wird durch Duane Allmans süffige Fills und Soli auf der Slidegitarre veredelt. „Done Somebody Wrong“ beinhaltet meisterliche Gitarren-Bendings, während „Stormy Monday“ schwüles Südstaaten-Blues-Feeling verströmt (genial: der Jazzwalzer während Gregg Allmans Hammond-Solo). Das 19-minütige „You Don’t Love Me“ hat eine lange Solo-Kadenz von Duane Allman und endet mit dem Thema von „Joy To The World“, derweil das Instrumental „Hot’ Lanta“ und „In Memory Of Elizabeth Reed“ in den Jazzrock übergehen. Der beste Song ist jedoch das 23-minütige „Whipping Post“, ein Lehrstück in Sachen Dramatik, bei dem sich Duane Allman und Dickey Betts zu immer neuen Höhenflügen anstacheln.

„Mit „At Fillmore East“ reihten sich die Allman Brothers in die illustre Schar von Künstlern ein, die ebenfalls am selben Ort eine legendäre Live-Platte eingespielt hatten (Miles Davis, Jimi Hendrix, Joe Cocker). Produzent Tom Dowd fasste in den Liner Notes die Bedeutung des Albums folgendermassen zusammen: „Hier war eine Rock’n’Roll-Band, die den Blues spielte, aber sich der Sprache des Jazz bediente. Und sie brachte den Raum zum Explodieren.“

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The Allman Brothers Band, Idlewild South, 1970

Produzent/ Tom Dowd

Label/ Atco Records

Ein kurzes Album, und doch läuft die Band in dreissig Minuten dermassen zur Höchstform auf, dass es keiner weiteren Tracks bedarf. 1970 war es übrigens noch keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass eine „gemischtrassige“ Band im Südosten der USA unterwegs war. Die Allman Brothers Band, hier noch mit Bandgründer Duane Allman, inszeniert ihre Mischung aus Blues, Jazz, Latin, Country, Gospel und Hardrock nicht als einvernehmlichen Heile-Welt-Mix, sondern erarbeitet Ecken, Kanten und Reibungsflächen heraus.

Die musik der Allman Brothers war von Anfang an der Sound des „ganzen Amerika“ mit all seinen Konflikten. Duane Allman, der auf dem Album nicht als Komponist in Erscheinung tritt, lässt seine einzigartige Virtuosität auf der Slide-Gitarre nur gelegentlich aufblitzen. Live waren sie neben den Grateful Dead längst zu einer Institution der Solo- und Kollektiv-Improvisation geworden, was sie ein Jahr später auf „At Fillmore East“ auch für die Nachwelt dokumentieren sollten. Doch „Idlewild South“ besticht gerade durch die spielerische Zurückhaltung der Band. Selbst beim instrumentalen, leicht Bossa-beeinflussten „In Memory Of Elizabeth Reed“, das sie im Konzert auf vierzig Minuten auszudehnen wussten, kommen sie mit knapp sieben Minuten zurecht. Zwischen elektrischem Drive und akustischer Lagerfeuer-Stimmung findet die Band immer den optimalen Ausgleich, wie auch zwischen der Leichtigkeit und dem Fluss der Improvisationen auf der einen und der Schwere und Erdigkeit des Sounds auf  anderen Seite. Willie Dixons harter und energiereicher Blues „Hoochie Coochie Man“ reiht sich ohne Bruch in die Eigenkompositionen der Band ein – fast alle Songs sollten später zum Standardrepertoire der Allman Brothers gehören.

„Idlewild South“  ist nicht weniger als der aufs Minimum reduzierte Katalog der maximalen Möglichkeiten einer Band, die das Musikgeschehen phasenweise über die nächsten Jahrzehnten prägen sollte.