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The Allman Brothers Band, 1969

Produzent/ Adrian Barber

Label/ Capricorn Records

Mit ihrem 1969 erschienenen selbstbetitelten Debüt-Album setzte die Allman Brothers Band einen bis heute gültigen Meilenstein in der Rockgeschichte. Wer das Genre Southern Rock sauber definieren will, der kommt um diese Band und dieses Album nicht herum. Der harte, bluesige und doch auch modern und eigenwillig rockende Sound der Band um die Brüder Gregg und Duane Allman ist bis heute unerreicht. Duane Allman und Dickey Betts mit ihren technisch brillant gespielten Gitarren finden ihr Pendant in den beiden Schlagzeugern Butch Trucks und Jaimoe Johanson. Dazu kommen noch Keyboards und Bass, und die herrlich lakonischen Songs aus der Feder von Gregg Allman: „Black Hearted Woman“, „Its Not My Cross To Bear“ und natürlich „Whipping Post“, der bis heute wahrscheinlich einflussreichste Track der Band überhaupt.

Aufgenommen und gemixt wurde die Platte im August 1969 in den Atlantic Studios in New York City. Da die Band die Songs bereits vielfach im Live-Set spielte, wurden diese mehr oder weniger einfach live im Studio eingespielt. Das LP-Cover ist original ein Klapp-Cover, auf der Innenseite ist ein grosses Farbfoto der Band nackt badend in einem Creek. Das Foto rief wohl seinerzeit in den konservativen USA teilweise deutlich Kritik hervor wegen der Darstellung.

Mit knapp 30 Minuten Spielzeit ist das Album etwas kurz ausgefallen, (da wäre die Band doch sicher im Stande gewesen noch ein, zwei Nummern dranzuhängen) doch der Sound ist wuchtig rockig, dabei aber enorm dynamisch und bis ins letzte Detail durchschaubar.

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The Allman Brothers Band, At Fillmore East (Live), 1971

Produzent/ Tom Dowd

Label/ Capricorn

1971 standen die Allman Brothers vor einem Dilemma: Sie hatten im Vorjahr mehr als 300 Konzerte gegeben, aber dennoch waren die Verkaufszahlen ihrer beiden ersten Studioalben unbefriedigt. Ausserdem hatten die sechs Musiker das Gefühl, dass sie vor Publikum viel energiereicher spielten und einen besseren Sound hinbekamen. Logische Überlegung: mit Hilfe einer Live-Platte, die im New Yorker Musiktheater „The Fillmore East“ aufgenommen werden, sollten endlich die wahren Qualitäten der Band eingefangen werden. Dabei verzichteten sie auf nachträgliche Overdubs; lediglich die Mundharmonika vom Thom Doucette wurde – wo nötig – aus dem Mix entfernt.

Und die Songs? Die haben es wahrlich in sich. „Statesboro Blues“ spiegelt die Power der Twin-Drums-Besetzung perfekt wieder und wird durch Duane Allmans süffige Fills und Soli auf der Slidegitarre veredelt. „Done Somebody Wrong“ beinhaltet meisterliche Gitarren-Bendings, während „Stormy Monday“ schwüles Südstaaten-Blues-Feeling verströmt (genial: der Jazzwalzer während Gregg Allmans Hammond-Solo). Das 19-minütige „You Don’t Love Me“ hat eine lange Solo-Kadenz von Duane Allman und endet mit dem Thema von „Joy To The World“, derweil das Instrumental „Hot’ Lanta“ und „In Memory Of Elizabeth Reed“ in den Jazzrock übergehen. Der beste Song ist jedoch das 23-minütige „Whipping Post“, ein Lehrstück in Sachen Dramatik, bei dem sich Duane Allman und Dickey Betts zu immer neuen Höhenflügen anstacheln.

„Mit „At Fillmore East“ reihten sich die Allman Brothers in die illustre Schar von Künstlern ein, die ebenfalls am selben Ort eine legendäre Live-Platte eingespielt hatten (Miles Davis, Jimi Hendrix, Joe Cocker). Produzent Tom Dowd fasste in den Liner Notes die Bedeutung des Albums folgendermassen zusammen: „Hier war eine Rock’n’Roll-Band, die den Blues spielte, aber sich der Sprache des Jazz bediente. Und sie brachte den Raum zum Explodieren.“

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The Allman Brothers Band, Idlewild South, 1970

Produzent/ Tom Dowd

Label/ Atco Records

Ein kurzes Album, und doch läuft die Band in dreissig Minuten dermassen zur Höchstform auf, dass es keiner weiteren Tracks bedarf. 1970 war es übrigens noch keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass eine „gemischtrassige“ Band im Südosten der USA unterwegs war. Die Allman Brothers Band, hier noch mit Bandgründer Duane Allman, inszeniert ihre Mischung aus Blues, Jazz, Latin, Country, Gospel und Hardrock nicht als einvernehmlichen Heile-Welt-Mix, sondern erarbeitet Ecken, Kanten und Reibungsflächen heraus.

Die musik der Allman Brothers war von Anfang an der Sound des „ganzen Amerika“ mit all seinen Konflikten. Duane Allman, der auf dem Album nicht als Komponist in Erscheinung tritt, lässt seine einzigartige Virtuosität auf der Slide-Gitarre nur gelegentlich aufblitzen. Live waren sie neben den Grateful Dead längst zu einer Institution der Solo- und Kollektiv-Improvisation geworden, was sie ein Jahr später auf „At Fillmore East“ auch für die Nachwelt dokumentieren sollten. Doch „Idlewild South“ besticht gerade durch die spielerische Zurückhaltung der Band. Selbst beim instrumentalen, leicht Bossa-beeinflussten „In Memory Of Elizabeth Reed“, das sie im Konzert auf vierzig Minuten auszudehnen wussten, kommen sie mit knapp sieben Minuten zurecht. Zwischen elektrischem Drive und akustischer Lagerfeuer-Stimmung findet die Band immer den optimalen Ausgleich, wie auch zwischen der Leichtigkeit und dem Fluss der Improvisationen auf der einen und der Schwere und Erdigkeit des Sounds auf  anderen Seite. Willie Dixons harter und energiereicher Blues „Hoochie Coochie Man“ reiht sich ohne Bruch in die Eigenkompositionen der Band ein – fast alle Songs sollten später zum Standardrepertoire der Allman Brothers gehören.

„Idlewild South“  ist nicht weniger als der aufs Minimum reduzierte Katalog der maximalen Möglichkeiten einer Band, die das Musikgeschehen phasenweise über die nächsten Jahrzehnten prägen sollte.