Status Quo, Piledriver, 1972

Produzent/ Status Quo

Label/ Vertigo

Haare runter, die Mähne geschüttelt und in die Saiten gedroschen. Wer auf hart rockenden Gitarren-Boogie-Rock steht, kann mit Status Quo eigentlich nichts falsch machen. Schon gar nicht mit den Alben, die die Band zwischen 1972 und 1981 veröffentlicht hat. Auch wenn angeblich jedes Lied gleich klingt und Status Quo lediglich drei Akkorde kennen, hat doch jedes Album seinen eigenen Charakter.

Das 1972 erschienene „Piledriver“ ist das erste von etlichen Hammer-Alben, die Status Quo herausgebracht haben. Schon der erste Ton zeigt wo es langgeht. Hier werden keine Kompromisse gemacht. Statt dessen wird gerockt, was das Zeug hält. „Don’t Waste My Time“ ist ein schnörkelloser Boogie mit wenig Text, aber langen Gitarrensoli. „Oh Baby“ basiert auf dem gleichen Boogie-Rhythmus, allerdings kommt der Song etwas melancholischer daher. So gesehen ist der Song zumindest von der Melodie alles andere als typisch für Status Quo. Leiser und langsamer geht es dann mit „Unspoken Words“, einem lässigen Blues und der Ballade „A Year“ weiter.

Die A-Seite der LP ist damit beendet. Die B-Seite wird mit dem harten Rocker „Big Fat Mama“ eröffnet. Dann folgt „Paper Plane“, ein nicht mal dreiminütiger Power-Rock. Die Gitarren klingen hier speziell, Francis Rossi singt genial. Und am Titel kann man wieder mal erkennen, wie sehr der Band der Inhalt der Texte egal war. Mit „All The Reasons“ kommt der zweite sanfte Song, ehe das Doors-Cover „Roadhouse Blues“ das Album auf grandiose Weise abschliesst. „Piledriver“ ist ein Hammer-Album voller Klassiker und abwechslungsreich wie vielleicht kein anderes Status Quo Album.

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Status Quo, Down Down, 1974

Text/Musik/ Francis Rossi, Bob Young

Produzent/ Status Quo

Label/ Vertigo

„Down Down“ existiert in mindestens zwei Versionen: Die Nadel benötigt auf der Single 3:57 Minuten bis zum Erreichen der Auslaufrille, auf der LP-Fassung („On The Level“, 1975) werden noch knapp anderthalb Minuten dazugejuckt, bevor der Tontechniker die Regler nach unten fährt und das Gitarrenbrett reichlich unspektakulär verschwindet, damit nicht noch einmal so ein Boogieriemen wie „Slow Train“ (auf der LP „Quo“, 1974) mit etwa acht Minuten Länge das Vinyl der Welt erblickt. Status Quo war jedenfalls die erste Band, die der Entdeckung der Endlosschleife was husteten und den einen Song fast unkenntlich variiert selber loopten bis zur Speerstunde.

Sich mit den Texten von Quo-Songs auseinanderzusetzen hätte theoretisch im Englischunterricht in der Sekundarschule der siebziger Jahre noch funktionieren können. Heutzutage lässt man ein Sinnieren über die Botschaft des „Get down deeper and down“ doch lieber bleiben.

Status Quo waren Fachleute für „down“. Sie zählten nicht gerade zu der Lieblingsband der Kiffer und Discotänzer, sondern gehörten mit Denim und mit Mittelscheitel zu dem von beiden Gruppen etwa gleich weit entfernten Mainstream. Ihre Songs waren Tanzbodenfüller auf Thirty-something-Parties im verschnarchteren Teil ihres Heimatlandes, wenn die um ihre Handtaschen tanzenden Damen den pintbewaffneten Herren Platz machten.

„Down Down“ erschien auf kaum einer Rock- oder Siebziger-Jahre-Compilation. Hinzu kommt, dass das Okaysein der Band in den Siebzigern von ihren damaligen Fans nicht an die nächste Generation weitergegeben wurde. Aber auf alle Fälle sind bei Parties und ähnlichen Gelegenheiten diejenigen Personen die interessantesten, die auf die Frage nach dem besten Status Quo Song nicht mit „Caroline“ oder „Roll Over Lay Down“ antworten, sondern mit „Down Down“.