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Howlin‘ Wolf, The Red Rooster, 1961

Text/Musik/ Willie Dixon

Produzent/ Willie Dixon

Label/ Chess

„The Red Rooster“ – in späteren Versionen auch „Little Red Rooster“ genannt – wird dem Komponisten und Bassisten Willie Dixon zugeschrieben. Howlin‘ Wolf erinnerte sich jedoch, den Song Jahre zuvor von Blues Gitarrist Charley Patton gehört zu haben. Tatsächlich weist der Dixon-Song grosse  Ähnlichkeit mit einem Patton Song aus dem Jahre 1929 auf. Andere Blues-Sänger griffen danach das sinnträchtige Bild vom verirrten Hahn auf, insbesondere Memphis Minnie, die 1936 „If You See My Rooster (Please Run Him Home)“ aufnahm.

Im Wolfs Version ist der Komponist am Bass neben Gitarre, Klavier und Schlagzeug zu hören, aber Wolfs Slide-Gitarre stiehlt allen die Schau. Langsam und düster erzählt Wolf die Geschichte vom kleinen roten Hahn, der zu faul zum Krähen ist, dann aber anfängt herumzustreunen und von Hunden verfolgt wird. Am Ende fleht der Erzähler, jemand möge den Hahn nach Hause bringen. Die Metapher vom verirrten Ehemann ist eindeutig, erst recht in der Coverversion der Rolling Stones, in der sich der Sänger als jemand zu erkennen gibt, der Rooster genannt wird.

Nach der Single Veröffentlichung 1961 kam der Song auf Howlin‘ Wolfs zweites Album (1962). Soulsänger Sam Cooke kam mit dem Song 1963 in die R&B-Charts, und den Rolling Stones gelang mit ihrem Cover 1964 die ideale Mischung aus Cookes Soul und Wolfs Blues:

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The Rolling Stones, Little Red Rooster, 1964

Text/Musik/ Willie Dixon

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ London

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Howlin‘ Wolf, Back Door Man, 1962

Text/Musik/ Willie Dixon

Produzent/ Willie Dixon

Label/ Chess

Willie Dixon komponierte viele der besten Blues-Songs in Chicago nach dem zweiten Weltkrieg. Dass Muddy Waters, Little Walter und Howlin‘ Wolf mehr Beachtung erfuhren, haben sie auch Dixon zu verdanken, der viele ihrer besten Aufnahmen schrieb, produzierte und/oder darauf mitspielte.

Keiner dieser Musiker profitierte mehr von Dixon als Howlin‘ Wolf. Nachdem seine 1954er Aufnahme von Dixons „Evil“ ein Hit wurde, konzentrierte er sich in der ersten Hälfte der 60er Jahre fast ausschliesslich auf Dixon-Songs. Das Ergebnis waren eindrucksvolle Klassiker wie „Spoonful“, „The Red Rooster“ und „Back Door Man“. Der letztgenannte Song war Wolf wie auf den Leib geschnitten – ein mitternächtlicher Streifzug, mit grosstuerischem Text, der bedrohlich und anzüglich zugleich war. Wolf verkörperte das Wesen des Songs derart, dass er alle Ehemänner der Umgebung nervös gemacht haben muss. Er war äusserst glaubwürdig in der Rolle des Casanovas/Jägers, wenn er bedrohlich knurrend sein nächtliches Herumschleichen ankündigte. Die schleppende musikalische Begleitung wurde im After-Hours-Stil von Wolfs regulärer Studioband eingespielt.

Der Song erschien zuerst als B-Seite von „Wang Dang Doodle“, fand sich später auf vielen Alben und wurde ein Blues-Standard. Das bekannteste Cover befindet sich auf dem Doors-Debutalbum „The Doors“ (1967).