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Howlin‘ Wolf, 1962

Produzent/ Willie Dixon

Label/ Chess

Willie Dixon komponierte viele der besten Blues-Songs in Chicago nach dem zweiten Weltkrieg. Dass Muddy Waters und Little Walter mehr Beachtung erfuhren, haben sie auch Dixon zu verdanken, der viele ihrer besten Aufnahmen schrieb, produzierte und/oder darauf mitspielte.

Keiner dieser Musiker profitierte jedoch mehr von Dixon als Chester Burnett (1910 – 1976) alias Howlin‘ Wolf. Howlin‘ Wolf war nach Aussagen von Zeitgenossen stockdumm, ziemlich primitiv – ein eher unangenehmer Zeitgenosse also, aber ein Genie, sobald er auf der Bühne stand und loslegte. Einen immensen Anteil an der elementaren Wucht seiner Songs hatten seine Mitmusiker, die später auch als Einzelinterpreten aus dem Schatten des Wolfs traten, insbesondere der Gitarrist Hubert Sumlin. Burnett kam ebenfalls aus dem Delta. Er war, wie die meisten Musiker dort, von Tommy Johnson und Charley Patton beeinflusst. Nach dem zweiten Weltkrieg bekam er einen Job als Radio-DJ, hatte eine eigene Band in Memphis und spielte schon bald elektrisch.

Burnett machte seine ersten Aufnahmen bei Sam Phillips, dem umtriebigen Inhaber der Sun-Studios in Memphis, der ihn an verschiedene Label, darunter Chess vermittelte. Seinen unverwechselbaren Stil entwickelte er dann in Chicago ab 1955 mit Sumlin und Willie Dixon, als er exklusiv bei Chess unter Vertrag stand. Mit Titeln wie „Little Red Rooster“, „Spoonful“ oder „Back Door Man“ begeisterte Howlin‘ Wolf sein schwarzes Stammpublikum im Süden wie auch ab Mitte der sechziger Jahre junge weisse Musiker wie die Rolling Stones.

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Howlin‘ Wolf, The Red Rooster, 1961

Text/Musik/ Willie Dixon

Produzent/ Willie Dixon

Label/ Chess

„The Red Rooster“ – in späteren Versionen auch „Little Red Rooster“ genannt – wird dem Komponisten und Bassisten Willie Dixon zugeschrieben. Howlin‘ Wolf erinnerte sich jedoch, den Song Jahre zuvor von Blues Gitarrist Charley Patton gehört zu haben. Tatsächlich weist der Dixon-Song grosse  Ähnlichkeit mit einem Patton Song aus dem Jahre 1929 auf. Andere Blues-Sänger griffen danach das sinnträchtige Bild vom verirrten Hahn auf, insbesondere Memphis Minnie, die 1936 „If You See My Rooster (Please Run Him Home)“ aufnahm.

Im Wolfs Version ist der Komponist am Bass neben Gitarre, Klavier und Schlagzeug zu hören, aber Wolfs Slide-Gitarre stiehlt allen die Schau. Langsam und düster erzählt Wolf die Geschichte vom kleinen roten Hahn, der zu faul zum Krähen ist, dann aber anfängt herumzustreunen und von Hunden verfolgt wird. Am Ende fleht der Erzähler, jemand möge den Hahn nach Hause bringen. Die Metapher vom verirrten Ehemann ist eindeutig, erst recht in der Coverversion der Rolling Stones, in der sich der Sänger als jemand zu erkennen gibt, der Rooster genannt wird.

Nach der Single Veröffentlichung 1961 kam der Song auf Howlin‘ Wolfs zweites Album (1962). Soulsänger Sam Cooke kam mit dem Song 1963 in die R&B-Charts, und den Rolling Stones gelang mit ihrem Cover 1964 die ideale Mischung aus Cookes Soul und Wolfs Blues:

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The Rolling Stones, Little Red Rooster, 1964

Text/Musik/ Willie Dixon

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ London