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T-Bone Walker, T-Bone Blues, 1960

Produzent/ Ahmet und Nesuhi Ertegun

Label/ Atlantic

T-Bone Walker (1919 bis 1975) stammte aus dem ländlichen Linden in Texas. Er hatte schon 1929 seine ersten Aufnahmen für Columbia gemacht, allerdings ohne sonderlich zu beeindrucken. Walker spielte in vielen Bands, reiste gerne und landete schliesslich 1941 in Los Angeles. Hier begann er E-Gitarre zu spielen und entwickelte seinen unverwechselbaren Stil, der ihm eine Fangemeinde im schwarzen Ghetto und Gastspielreisen bis nach Chicago einbrachte. 1946 machte er eine Serie von Einspielungen für Black&White, meist mit Jazzmusikern. „I Want A Little Girl“, „T-Bone-Shuffle“ und vorallem sein Schau-Stück „Stormy Monday“ waren die herausragenden Ergebnisse.

1950 wechselte Walker zu Imperial Recordings und setzte seine Erfolge mit typischen Rhythm’n’Blues-Titel fort, die ihm schliesslich 1960 zu dem Album „T-Bone-Blues“ bei dem geschäftstüchtigen Atlantic-Label verhalfen. Bei dem Album handelt es sich jedoch um Aufnahmen, die Walker bereits in der zweiten Hälfte der 1950er machte, die dann gesammelt veröffentlicht wurden. Es dürfte wohl auch sein reifstes Werk sein. Dafür sorgt schon das Line-up: Barney Kessel, Lloyd Glenn, Earl Palmer und Ransom Knowling. Dann wäre da die Sache mit der Chicago Session von 1955. Mit der Hilfe von Jimmy Rogers an der Gitarre, Junior Wells an der Harp, und Willie Dixon und Francis Clay, nimmt Walker mit „Play on little Girl“ seinen ersten waschechten Chicagoblues auf. Und, bei dieser Gelegenheit, auch gleich eine abgewandelte Version von Rogers` „Walking by Myself“, umgetitelt in Why Not“. Perfekt gespielt auch „Two Bones and a Pick“. Hier „duelliert“ sich Walker über dem treibenden Rhythmus von Ray Johnson, Joe Comfort und Earl Palmer mit seinem Ziehsohn R.S. Rankin, Plas Johnson und Barney Kessel. Kessel schiesst dabei mit seinem nur auf den Basssaiten gespielten Solo den Vogel ab.

Zum Gelingen dieser Scheibe trägt neben dieser stilistischen Vielfalt die kluge Materialauswahl bei: Ahmet und Nesuhi Ertegun mischen klug Klassiker („T-Bone Blues“, „Stormy Monday“, „Evenin“) mit neuem Material – darunter „T-Bone Shuffle“, das inzwischen seine zweithäufigste gecoverte Nummer sein dürfte. T-Bone Walkers jazzig-melodiöse Spielweise prägte Gitarristen von Chuck Berry, der manche von Walkers Formeln vereinfachte und verrockte, bis Johnny Winter und natürlich eine ganze Reihe jüngerer texanischer Blues-Gitarristen wie Freddie King, Albert Collins, Johnny Guitar Watson und letzlich sogar B.B.King.

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Buddy Guy, Damn Right I’ve Got The Blues,1991

Produzent/ John Porter

Label/ Silverstone

Buddy Guy ist einer der primär legendären und primär einflussreichen Blues-Gitarristen der 50er und 60er Jahre. Für dieses Comeback-Werk hat er logischerweise ein paar Leute ins Studio gebeten, die ihm mehr als Geld schulden: Eric Clapton, Mark Knopfler und Jeff Beck. Ein siebenminütiges Instrumental-Stück widmete Buddy Guy zudem seinem Kumpel, dem früh verstorbenen Blues-Gitarristen Stevie Ray Vaughan. Der furiose Eröffnungssong und Eigenkomposition „Damn Right, I’ve Got The Blues“ ist von einer Intensität und Dichte, die seinesgleichen sucht. Toller Gesang und gefühlvolle Gitarrenbegleitung prägen die Soul-Balladen „There Is Something On Your Mind“ und „Black Night“. Die Eigenkomposition „Too Broke To Spend The Night“ erinnert wieder an „Damn Right, I’ve Got The Blues“ mit exellenten Gesang und Gitarrenarbeit des Altmeisters. Unbändige Energie, Kraft und Spielfreude zeichnen die Willie Dixon-Nummer „Let Me Love You Baby“ aus, die vor rauhen und rohe Gitarren-Solos nur so strotzt.

Klar, stellt sich hier einmal mehr die Frage, wem ein mit allen Mitteln der Neunziger eingespielter Blues der 50er – mit einigen Geständnissen an Songwriting jenseits der bekannten Schemata und etwas Soul/ Rhythm’n’Blues der 60er – eigentlich dient. In Chicago spielen neue Generationen von Bluesern ultraperfekte Versionen von Klassiker im High-Tech-Sound und bei Blues Professoren kann man lernen wie man ein Blues der 50er Jahre spielt. Die Resultate dieses manchmal etwas verzweifelten Konservatismus in Bezug auf „grosse schwarze Kultur“, der auch diese Platte regelt, gefällt mir eigentlich gut. Die als Gefühls- und Authentizitätssound verschrieene Musik wird durch diese Behandlung wirklich wie klassische Musik. Ein interessanter Effekt, der hier noch auf die Spitze getrieben wird dadurch, dass Buddy Guy die Mischung um etwa ein sehr saftiges „Mustang Sally“ erweitert, und natürlich – damn right – „wirklich“ den Blues hat.

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Hound Dog Taylor and the Houserockers, 1971

Produzent/ Bruce Iglauer

Label/ Alligator

Wenn Hound Dog Taylor sich ein Metallröhrchen auf den fünften der sechs Finger seiner linken Hand stülpte, seine billige japanische E-Gitarre voll aufdrehte und mit seinen beiden „Houserockers“ Brewer Phillips und Ted Harvey loslegte, dann wackelten die Wände. Bruce Iglauer gründete sein Alligator-Label, um das Trio aufzunehmen, und sein Label-Motto fasst den Stil der Houserockers treffend zusammen: „Genuine Houserockin’ Music“.

Hound Dog wurde am 12. April 1917 als Theodore Roosevelt (oder Roosevelt Jonas) Taylor in der Nähe von Natchez, Mississippi, geboren und begann wie viele Schwarze in ländlichen Gegenden der USA zu dieser Zeit bereits in sehr jungen Jahren mit der Feldarbeit. („Ich bin nur einen Tag zur Schule gegangen – ein Tag und das war’s! Ich musste auf dem Feld arbeiten, deswegen muss mein Manager jetzt meine Briefe für mich schreiben.“) Erst mit 20 Jahren begann er Klavier und Gitarre zu spielen; laut eigenen Erzählungen war er kurze Zeit über den Radiosender KFFA zu hören und traf auf Elmore James, Robert Lockwood und Sonny Boy Williamson II.

Anfang der 1940er-Jahre ging er nach Chicago, wo er zuerst bei seiner Schwester wohnte, in einer Eis- und TV-Möbelfabrik sowie als Koch arbeitete und zunächst kaum musizierte. Sein lebenslanger Freund „Uncle“ Johnny Williams ermutigte ihn, wieder zur Gitarre zu greifen, und nach ersten Auftritten auf dem Maxwell-Street-Flohmarkt spielte er mit Williams an der zweiten Gitarre, P.T. Hayes an der Bluesharp und Ted Porter an den Drums auch in Clubs. Damals noch als „Nitter“ oder „Niller“ bekannt, bekam er Ende der 50er-Jahre den Spitznamen „Hound Dog“ verpasst, entweder (laut Phillips) von Magic Sam oder (laut eigenen Angaben) weil er „viel mit den Mädchen rumgemacht hatte“. Diese frühe Besetzung machte angeblich schon 1954 Aufnahmen, von denen jedoch höchstens eine Testpressung existiert. Erst 1960 und 62 machte Hound Dog seine ersten Singles für Bea & Baby bzw. Firma, beide noch nicht mit der Urgewalt seiner späteren Aufnahmen, aber bereits voller Spielfreude und mit jeder Menge Slidegitarre.