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Neil Young, Rockin’ in the Free World, 1989

Text/Musik/ Neil Young

Produzent/ Neil Young, Niko Bolas

Label/ Reprise

Es gibt Leute, die meinen dieser Song sei ironisch oder zynisch. Dabei ist die Aufforderung zum Rocken und die Bezeichnung derjenigen Welt als frei, die sich in ihrer Propaganda so nennt und daher Freiheit als letzten einklagbaren Anspruch ihrer Untertanen wohl oder übel anbieten muss, vor dem Horizont des Rocken, das in seiner Mythologisierung als eine Bewegung zur Freiheit hin verstanden werden will, doch nur logisch. Und das hängt logischerweise wiederum eng mit dem perspektivenlosen Elend und dem Nichtgewähren des wichtigsten, vom Rockin in den letzten Jahrzehnten erkämpften Menschenrecht, nämlich cool zu sein, zusammen.

Neil Young beklagt mit Zwiespältigkeit was die Strasse – als ein mythologischer Ort des Rock, der Arbeiterbewegung und der Gerechtigkeit – für den korrekten Standpunkt bedeutet. Dabei nimmt er angesichts der Situation des kompletten Sieges der kapitalistischen Propaganda, die Position des Wörtlich Nehmens für verbriefte Rechte ein.

Der oft gegen Protest-Sänger erhobene Vorwurf, sie würden sich mit dem Elend anderer Leute schmücken, trifft hier nicht nur nicht zu, sondern umgekehrt hat einer es geschafft, die Verhältnisse so klar zu stellen – ohne sich und seine Beziehung dazu zu mythologisieren, oder sich in die Pose des Aufklärers zu begeben. Die Fakten sind ja hinlänglich bekannt und Neil Young tut auch nicht, als wäre es anders, sondern gibt sich genau als der „Verstärker“ zu erkennen, der der Künstler ist. Es wäre also falsch, von irgendetwas anderem zu sprechen, als wovon dieses Lied spricht: „ Keep on rockin’ in the free world“ – Gültiges Statement für alles, was jetzt noch kommen wird.

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Neil Young And Crazy Horse, Rust Never Sleeps, 1979

Produzent/ David Briggs, Tim Mulligan, Neil Young

Label/ Reprise

1979 feierte Neil Young die Tatsache, dass er die Siebziger intakt und integer überlebt hatte. „Village Voice“ nominierte ihn zum „Künstler des Jahres“ und bestätigte ihn so als einen der wenigen Stars seiner Ära, neben Dylan und Van Morrison, dem ein erfolgreicher Wandel gelungen war.

Young verfolgte die Solokarriere an zwei Fronten. Ein Film mit dem Titel „Rust Never Sleeps“ hatte im Juli 1979 Premiere, mit Szenen von einem Konzert in San Francisco, aber das gleichzeitig veröffentlichte Album mit dem gleichen Titel war interessanter. Auf der akustischen A-Seite spielte Young alleine, auf der elektrischen B-Seite unterstützte ihn Crazy Horse. Die LP wird umrahmt von Variationen des Liedes „My My, Hey Hey“ über vergänglichen Ruhm und wurde zur Legende, nachdem Kurt Cobain es in seinem Abschiedsbrief zitierte.

Zu den akustischen Höhepunkten gehört „Pocahontas“, inspiriert von Sacheen Littlefeathers Auftritt bei den Academy Awards, wo sie von Marlon Brando als Stellvertreterin beauftragt in seinem Namen den Oscar für die Hauptrolle in „Der Pate“ zurückwies. (Young hatte die Auslöschung der Indianer auf „Broken Arrow“ thematisiert.) „Trasher“ kommentiert die Beziehung zu Crosby, Stills und Nash.

Die vier Nummern auf der B-Seite waren live aufgenommen, doch die Reaktionen des Publikums wurden herausgeschnitten. Die Western-Story „Powderfinger“ macht den Anfang, zum Schlusss kommt der zweite Teil des Leitmotivs mit dem Titel „Hey Hey My My (Into The Black)“.

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Neil Young with Crazy Horse, Everybody Knows This Is Nowhere, 1969

Produzenten/ David Briggs, Neil Young

Label/ Reprise

„Everybody Knows This Is Nowhere“ wurde in zwei Wochen eingespielt und war nur vier Monate nach Youngs Debütalbum erschienen. Hier spielt Young mit einer Band aus L.A., die er Crazy Horse taufte. Die Produktion übernahm David Briggs, der schon Jack Nitzsches Assistent bei den vielen Overdubs auf der ersten LP von Neil Young gewesen war. Dagegen kam „Everybody Knows This Is Nowhere“ Briggs Faszination für Live-Aufnahmen entgegen, was perfekt zu Young und dem spontanen, rohen, epischen Countryrock von Crazy Horse passte.

Nirgendwo wird das deutlicher als auf „Cinnamon Girl“ – verzerrte Gitarren fetzen modale Harmonien aus den Lautsprechern. Bei „The Losing End“ und „Round And Round“ versucht sich Young an ausgefranster Americana; Bobby Notkoffs gothische Fiedel auf „Running Day“ ist bezaubernd.

Doch die Krönung sind die beiden lockeren, langen Jams – die düstere Mörderballade „Down By The River“ und das elliptische „Cowgirl In The Sand“. Sparsame Texte schaffen hier viel Platz für Young und Danny Whittens gespenstische Gitarrenduelle – scharfkantige Lärmausbrüche, die brillant die aufgewühlte, eisige Essenz der Songs heraufbeschwören.