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Cream, I Feel Free, 1966

Text/Musik/ Jack Bruce, Pete Brown

Produzent/ Robert Stigwood

Label/ Reaction

Nach dem Fehlstart der Debutsingle „Wrapping Paper“ musste Cream – die erste Rock-Supergroup der Welt: Jack Bruce, Eric Clapton und Ginger Baker – zeigen, dass sie dem Hype um die Band gerecht werden konnten. „I Feel Free“ beweist: Ernsthafte Blues-Musiker können Popmusik machen.

„I Feel Free“ war ein prima Gaumenreiniger. Der britische Charterfolg kam gerade, als die Beatmusik das Feld entgültig der Psychedelica überliess. Mit markanter Stimme präsentiert Bruce Browns frohe Botschaft von alles verzehrender Liebe. Clapton bündelt seine Fähigkeiten zu einem extrem kurzen Gitarrensolo. Baker war mit seinem Schlagzeugpart nie zufrieden, passt aber hervorragend in das wilde Tempo des Songs.

Der Song, der auf der britischen Ausgabe des Debutalbums „Fresh Cream“ fehlte, war der Opener der USA-Ausgabe und der Anfang einer langen Liebesbeziehung zwischen Amerika und der Band. David Bowie bewunderte den Song, spielte ihn auf der Ziggy Stardust-Tour 1972 und nahm ihn 1993 für sein Album „Black Tie White Noise“ auf.

„I Feel Free“ versetzt den Zuhörer in freudige Erregung und hört auf, wenn es am schönsten ist. Es ist einer der schönsten Cream-Momente überhaupt.

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Jack Bruce, Songs for a Tailor, 1969

Produzent/ Felix Pappalardi

Label/ Atco Records

Seine Tätigkeiten bei John Mayall’s Bluesbreakers und in der Graham Bond Organisation brachten dem Familenvater mit Unterhaltspflichten zwar künstlerische Befriedigung aber nicht genug Brot. Jack Bruce wechselte 1965 zu Manfred Mann und landete mit diesen den Hit „Pretty Flamingo“. Bereits nach wenigen Monaten hatten sich Bruce’s Situation ins Gegenteil verkehrt: Magen und Geldbeutel waren jetzt gefüllt, doch Bruce fühlte sich leer, musikalisch unbefriedigt und frustriert.

1966 leitete ein kauziger Anruf von Ginger Baker bei Jack Bruce den legendären dreijährigen Höhenflug von Cream ein. Mehr als fünzig Millionen verkaufte Tonträger künden noch heute von einem der einflussreichsten Unternehmen der Rockgeschichte, das zumindest in der Erinnerung noch immer lebt. Doch nach dessen Zusammenbruch im Jahre 1968 war für Jack Bruce der Weg frei für eine eigenständige musikalische Entwicklung

Wie ein wütend angriffslustiger Hund knurrt sein Instrument auf „Songs For A Tailor“, dem ersten Post-Cream-Album des Bassisten. Das Eröffnungstück „Never Tell Your Mother She’s Out Of Tune“ verbindet punktierte Bläsersätze in hymnischem Gestus mit markanten Hooklines, die vom Bass kommen. Bruce’ kehliger Gesang verströmt Vitalität, die dem übermächtigen Schatten von Cream nicht zu fürchten brauchen. Das karge „Rope Ladder To The Moon“, bei dem Bruce auch Gitarre, Piano und Cello spielt, stellte melodisch und harmonisch in der damaligen Popszene eine artifizielle Herausforderung dar. Trotzdem erreichte das Album mit Heckstall-Smith (sax), Jon Hiseman (dr), Chris Speeding (g) und Felix Pappalardi (perc) Platz 8 der britischen Charts und fand auch in den USA grosse Beachtung. Die geniale und Bruce-typische Verbindung von Rock, Blues und Jazz offenbarte, dass der Bassist, der schon bei Cream Titel wie „I Feel Free“, „White Room“, „Politican“ und „Sunshine Of Your Love“ geschrieben hatte, fortan als einer der wichtigsten Komponisten der Rockszene gelten konnte: ein Songwriter mit Gefühl für stimmige Arrangements.

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Blind Faith, 1969

Produzent/ Jimmy Miller, Bob Seidemann

Label/ Polydor

50% Cream, 25% Traffic und 25% Family – eine Mischung, für die geschäftstüchtige Manager und sensationshungrige Journalisten schnell den Begriff „Supergroup“ ins Spiel brachten. Doch die Musiker wehrten sich gegen den massiven Erfolgsdruck durch die Interpretation ihres Bandnamens – Blind Faith: Glaube niemandem blindlings. Nach der Auflösung von Cream traf sich Clapton mit Steve Winwood, um ein paar Songs zu schreiben. Oberstes Gebot – Evolution des Könnens und der instrumentalen Fähigkeiten, ohne sich von der Erwartungshaltung vereinnahmen zu lassen. Mit Ginger Baker, der sich, ohne zu fragen, bei der Band „einnistete“ , und dem Multiinstrumentalisten und Family-Mitglied Rick Grech hatte sich ein aussergewöhnliches Team gefunden, dessen einziges Album zu den Klassikern der Rockmusik zählt.

Schon bei den ersten Tönen des bluesigen Jams „Had To Cry Today“ wird offensichtlich, dass Blind Faith einen Bandsound schufen, der die einzelnen Egos in musikdienliche Bahnen lenkte. Das Stück „Can’t Find My Way Home“ besticht durch die kunstvoll ineinander verschachtelten Gitarren, den emotionalen Gesang Winwoods und die starke Atmospähre, wogegen „Well All Right“ eine Verbeugung vor der 50er-Rock’n’Roll Legende Buddy Holly ist, der den Song auch geschrieben hat. „Presence Of The Lord“ steht für Claptons spirituelle Suche, die er auch noch auf späteren Alben thematisierte. Der hymnische Song hat ein expressives Wah-Wah-Solo.

Die zweite Seite der Platte beginnt mit dem stimmungsvollen „Sea of Joy“, das Grech mit einem Violinen-Solo ausschmückte. Ginger Baker hat seine Sternstunde bei „Do What You Like“, einem Stück mit Jam-Charakter im 5/4 Takt. Hier spielt er eines seiner legendären (und überlangen) Drum-Soli, bei dem seine Liebe zur Fusion afrikanischer und europäischer Rythmen deutlich wird.

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 Cream, Sunshine of your Love, 1967

Text/Musik/ Eric Clapton, Jack Bruce, Pete Brown

Produzent/ Felix Pappalardi

Label/ Reaction

Nach den Massstäben von 1967 war Cream die ulitmative Stilfusion, eine Kombination aus jahrzehntealtem Blues-Idiom, modernsten Jazz-Allüren und Psychdelic Rock mit ganz eigener Nuance. Daher ist es nur logisch, dass „Sunshine of your Love“ so viele Jahre später derart gefeiert wird, denn es verkörpert genau die Synthese aus neu und alt. Der Song ist simpel und komplex zuglewich. So mancher Gitarrenschüler hat in den ersten Unterrichtsstunden Eric Claptons unverwechselbares Riff geübt.

Die besten Kompositionen haben oft Texte (in diesem Fall von dem langjährigen Cream-Mitarbeiter Pete Brown), die sprachlich nicht unbedingt einen Sinn ergeben müssen. Wenn Jack Bruce singt „It’s getting near dawn“, entführt er den Zuhörer in die Zeit des ersten elektrischen Blues, und der Voodoozauber der Worte wird kein bisschen schwächer, nur weil der Sänger – ein studierter Jazzer – kulturell weit weg vom Mississippi-Delta war. Der Song ist höchst emotional; der Erzähler nimmt uns an einen Ort, wo nur das Objekt seiner Begierde zählt. Pfiffig trotz liebeskranker Töne, modern trotz uralter Wurzeln – „Sunshine of your Love“ war und ist ein Statement, das sowohl die Schwingungen seiner Zeit als auch die Talente seiner Schöpfer in sich trägt.