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Captain Beefheart & The Magic Band, Bluejeans & Moonbeams, 1974

Produzent/ Andy DiMartino

Label/ Mercury (US), Virgin (EU)

Beefheart hatte es manchmal schwer sich gegen seine „Fans“, zu behaupten. So wurde „Bluejeans & Moonbeams“ immer wieder als angeblich schlechteste Platte des Captain verrissen.

Ähnlich wie sein Schulfreund Frank Zappa wurde Captain Beefheart nur allzu schnell in eine Schublade gesteckt. Seine Schublade hieß „Trout Mask Replica“. „Trout Mask Replica“, war in der Tat ein aussergewöhnliches Weltklasse-Album, wenn es auch wahrscheinlich für 90 Prozent der Weltbevölkerung unhörbar klingen mag. Vereinfacht gesagt, es war genial und aussergewöhnlich, mit seiner atonalen Harmonik. Aber neben allen schrägen Tönen war es doch ein Bluesalbum.

Doch irgendwie hatte es der Captain schwer. Spielte er experimentel, liebten ihn die Fans, aber die Platten verkauften sich schlecht. Wenn er dagegen harmonischen Deltablues spielte, wurde er von den Fans zerrissen. Auch 1974, als er „Bluejeans & Moonbeams“ herausbrachte, wurde ihm ein Stilwechsel nicht gestattet. 1985 wandte er sich schliesslich völlig von der Musik ab, und widmete sich nur noch der Malerei, wenngleich auch mit großem Erfolg.

Aus heutiger Sicht ist „Bluejeans &  Moonbeams“ völlig zeitgemäss, irgendwo zwischen Deltablues, Jazz und 70er Pop angesiedelt, wirkt dieses Album sehr facettenreich. Mal reiner Blues, wie in „Same Old Blues“; „Further Than We’ve Gone“ könnte auch als ein Song von Mark Knopfler und den Dire Straits durchgehen. Auch der Southernrock bekommt seine Chance, in Form des Songs: „Twist Ah Luck“.

Wenn auch nicht als ein aussergewöhnliches, so kommt „Bluejeans & Moonbeams“ aus heutiger Sicht doch klar als ein bodenständiges Bluesalbum daher. Unabhängig von anderen Beefheart Alben wahrgenommen, ist es also durchaus empfehlenswert nach über 40 Jahren dem Album wieder eine Chance zu geben, sich reinzuhören und vielleicht festzustellen, das auch diese Scheibe ihre eigenen Reize hat.

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Zappa/ Beefheart / Mothers,  Bongo Fury, 1975

Produzent/ Frank Zappa

Label/ DiscReet Records

Zappa und Beefheart, zwei Schulfreunde und zwei legendäre Musiker, taten sich 1975 für eine zweimonatige USA-Tournee zusammen. „Bongo Fury“ beinhaltet einige am 20ten und 21ten Mai 1975 aufgenommene Live-Stücke. Drei Intros wurden bereits 1974 im Studio aufgezeichnet. Auch zwei Songs („Cucamonga“ und „200 Years Old“) scheinen dort entstanden zu sein.

Nach dem wegweisenden Album „Trout Mask Replica“, für das Zappa (als Produzent) und Beefheart verantwortlich zeichneten, zerstritten sich die beiden und gingen – bis zum vorliegenden Album – getrennte Wege. Der eine war ein allseits bekannter Perfektionist, der andere galt als extrem eigenwillig und unzuverlässig. Erneuter Streit war also vorprogrammiert, zumal Beefheart der nervende unsichere Faktor im perfekt einstudierten Liveprogramm von Zappa & The Mothers of Invention gewesen sein soll.

Beefheart sorgt auf diesem streckenweise bluesorientierten Album für einige unverwechselbar freakige Gesangseinsätze. Dieses vor allem in dem ausgezeichneten „Debra Kadabra“, das Blues mit zappaeskem Avantgarde-Theater verbindet. Beefheart spricht auf dieser Platte auch zwei seiner Gedichte: „Sam with the showing scalp flat top“ und „Man with the woman head“. An der musikalisch durchschnittlichen Countrynummer „Poofters Froth Wyoming Plans Ahead“ ist der von Beefheart vorgetragene Zappa-Text das einzig Interessante. Dieser Text zieht nämlich den damals anstehenden zweihundersten Geburtstag der USA durch den Kakao. Auch das bluesige „200 Years Old“ beschäftigt sich mit diesem Thema. Der Text von „Cucamonga“, einem verwinkelten Song mit comedyhaften Gospelgesängen ist nostalgisch geraten, Zappas Anfänge als Musiker betreffend.

Zappas Gitarrensolos gehören neben seinen unverwechelbaren Kompositionen, dem elfminütigen „Advance Romance“, „Dabra Cadabra“, „Carolina hard-core ecstasy“ und „Muffin man“ zu den herausragenden Momenten von „Bongo Fury“. Die meisten der obigen Stücke verwirklichen den Anspruch, gleichzeitig einprägsam, vertrackt und humorvoll zu sein.