Captain Beefheart & The Magic Band, Bluejeans & Moonbeams, 1974

Produzent/ Andy DiMartino

Label/ Virgin Records

Die beste Phase von Beefheart ist von „Safe As Milk“ bis „Lick My Decals Off Baby“. Was diese frühen Platten zu solchen Lichtjahre entfernten Meisterwerke macht, kommt nicht nur aus der Persönlichkeit Beefhearts, sondern auch aus der Spontanität der Magic Band, von Leuten wie Zoot Horn Rollo, Antennae Jimmy Semens, Rockette Morton usw. Auf „Bluejeans & Moonbeams“ ist von damals niemand mehr dabei und die Band spielt so wie es Beefheart vorschreibt, und das offenbar minutiös. Natürlich hatte es der Captain irgendwie auch schwer. Spielte er experimentell, mochten ihn die Fans, aber die Platten verkauften sich schlecht. Wenn er dagegen harmonischen Deltablues spielte, wurde er von den Fans zerrissen. Auch 1974, als er „Bluejeans & Moonbeams“ herausbrachte, wurde ihm ein Stilwechsel nicht gestattet. 1985 wandte er sich schliesslich völlig von der Musik ab, und widmete sich nur noch der Malerei, wenngleich auch mit grossem Erfolg.

Aus heutiger Sicht wirkt „Bluejeans & Moonbeams“ sehr facettenreich. Der Captain ist in bester Form, in der besten seit den besagten Alben. Als Sänger ebenso wie als Songwriter. Natürlich kam man ihm Selbstplagiat vorwerfen, aber man darf ihn auch nicht ewig an ein Werk vom Kaliber „Trout Mask Replica“ messen. Das war zwar in der Tat ein aussergewöhnliches Album, aber wahrscheinlich für 90 Prozent der Weltbevölkerung unhörbar. „Bluejeans & Moonbeams“ hingegen ist kein aussergewöhnliches, aber es kommt aus heutiger Sicht doch klar als ein bodenständiges Bluesalbum daher. Unabhängig von anderen Beefheart Alben wahrgenommen, ist es also durchaus empfehlenswert nach 50 Jahren dem Album wieder eine Chance zu geben, sich reinzuhören und vielleicht festzustellen, das auch diese Scheibe ihre eigenen Reize hat.

Captain Beefheart And the Magic Band, Ice Cream For Crow, 1982

Produzent/ Captain Beefheart

Label/ Virgin Records

Der Captain hat zwar ein extremer Gesang, Kreischen, Röcheln, atemloses Hecheln von Nonsenstexten: „Ink math ah ratics/ mathfantastics/ ink mathermatics/ moon to a flea/ ink math matics/ hop along with me“. Aber die musikalische Aufbereitung schafft es durchgehend, so interessant und abwechslungsreich zu bleiben, dass selbst die obskuresten Textpassagen oder die abruptesten Wechsel in Tonart, Rhythmus oder Melodie nie zum Selbstzweck werden, hörbar bleiben. Das macht das Album „Ice Cream For Crow“ gerade so spannend.

Dabei steht der Captain fest in der eigenen Tradition, eine Mischung aus R&B, E-Musik, Folk und Surrealismus. Vorallem die zwei Gitarristen bringen beinahe eine kurzgefasste Geschichte der elektrische Gitarre in allen ihren Varianten. Und erst durch die hochmusikalischen Arrangements – von Breaks ständig unterbrochen – macht dann das Gekrähe Beefhearts auch wirklich Sinn und Spass. Vorallem das Titelstück gehört sicherlich zu den stärksten Songs auf dem Album: „It’s so hot, looks like you have three beaks, crow“. Schon kurios, dass der Captain  einen Grossteil seines Lebens in der Mohave-Wüste verbrachte, denn er litt unter einer Sonnenallergie und kam erst im Dunkeln aus seinem Wohnwagen heraus, um buchstäblich den Kojoten gute Nacht zu sagen.

Captain Beefheart & The Magic Band, Clear Spot, 1972

Produzent/ Ted Templeman, Don Van Vliet

Label/ Reprise

Captains Beefhearts 1970 entstandenes Album „Trout Mask Replica“ mag ein Grundlagenwerk der Gitarrenmusik gewesen sein, aber ich habe es nie geschafft alle vier Seiten von „Trout Mask Replica“ am Stück anzuhören, stattdessen habe ich lieber zu „Clear Spot“ gegriffen. Hier versucht der Capitain alias Don van Vliet, seine Grundlagenforschung wieder in kommerzielle Nutzanwendungen zu überführen, den „Blues für das neue Jahrtausend“ mit den Pop-Bedürfnissen des Alltags zu vereinen. Jeder der zwölf Songs führt einerseits in eine formal vertraute, im Sound und in den Texten aber bizarre Welt der Magic Band – eine sehr gute Platte, aber von menschlichem Mass, aufgenommen vor einem zwar unterschätzten, aber eher doch unglücklichen Abstecher des Capitans in die kommerzielle Gefälligkeit, bevor er Anfang der 80er Jahre die Musik aufgab und Maler wurde.

Wie gesagt, „Clear Spot“ ist eine sehr gute Platte, was man schon an Songtiteln „Her Eyes Are a Blue Million Miles“ oder „My Head is my Only House Unless it Rains“ ermessen kann. Das Highlight kommt kurz vor Schluss. Angetrieben durch die geballte Gitarrenkraft von Rockette Morton und Zoot Horn Rollo auf dem Fundament von Ed Marimbas komplexem Schlagzeug präsentiert sich „Big Eyed Beans from Venus“ als die erfolgreichste Fusion von Beefhearts Avantgarde-Wurzeln mit seinen Mainstream-Anwandlungen.