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The Byrds, The Notorious Byrd Brothers, 1968

Produzent/ Gary Usher

Label/ Columbia

Die Hippies ziehen aufs Land. Legen sich ins Gras und lassen sich entspannt die Sonne auf den Pelz brennen, bis auch der letzte Rest Grossstadthedonismus verdunstet ist. Und die Notorious Byrd Brothers spielen die Musik dazu. Ende der sechziger Jahre haben die Byrds bereits den Folk- und Spacerock erfunden und sind nach diversen Zerwürfnissen nur noch zu zweit: Chris Hillman und Jim McGuinn der sich aus religiösen Gründen kurz zuvor in Roger McGuinn umbenannt hat.

Reduziert nehmen sie trotzdem ein stilprägendes, kunstvoll verziertes Album auf, das statt Revolutions-Trara zarteste Melodien und psychedelische Studio-Elemente zwischen Folk und Country bietet. McGuinn: „Unser Sgt. Pepper“. Der Legende nach soll der Pferdekopf rechts auf dem Cover für den während der Aufnahmen gefeuerten David Crosby stehen, der mit nicht mehrheitsfähigen Ansichten zur Songauswahl genervt hat. McGuinn verneint: „Wenn wir das beabsichtigt hätten, hätten wir das Pferd umgedreht.“

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The Byrds, Eight Miles High, 1966

Text/Musik/ The Byrds

Produzent/ Allen Stanton

Label/ Columbia

Die erste Tour der Byrds durch Grossbritannien 1965 war ein Reinfall. Die Erwartungen waren unerreichbar hoch: The Byrds waren dummerweise als die „amerikanischen Beatles“ angekündigt worden. Die Beatles selbst hatten die Byrds zu ihrer Lieblingsband erklärt, aber ihr Markenzeichen kalifornischer Coolness – ewiges Instrumentenstimmen auf der Bühne – und ihr irgendwie teilnahmsloses Auftreten trafen nicht den Geschmack des Publikums.

Doch der Kulturschock, den die Band erfuhr, war für etwas gut: Er manifestierte sich in „Eight Miles High“, einer der aussergewöhnlichsten Singles, die je veröffentlicht wurden.  Der Text ist eine Momentaufnahme aus dem Herzen dieser turbulenten Tour und spart auch Swinging London und Rivalitäten innerhalb der Band nicht aus („Nowhere is there warmth to be found/ Among those afraid of losing there ground“.)

Musikalisch macht „Eight Miles High“ deutlich, warum die Beatles die Byrds so schätzten. Nach einem ominösen Bassintro legt Roger McGuinn auf seiner 12-saitigen Rickenbacker mit dem berühmten Riff los, das in eine holpernde Flut von Tönen übergeht. Jazzgenie John Coltrane ist hier klar als Vorbild zu erkennen, vorallem sein Track „India“ (1963). Weniger bejubelt, aber ebenso essentiell ist Michael Clarkes grossartiges Schlagzeug, vorallem der Einsatz der Becken.

Pech für die Byrds, dass das Radio damals Songs mit Anspielungen auf Drogen nicht duldete. „Eight Miles High“ wurde in den USA verboten, obwohl der Song ziemlich beliebt war.

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The Byrds, Mr. Tambourine Man, 1965

Text/Musik/ Bob Dylan

Produzent/ Terry Melcher

Label/ CBS

Der Debut-Hit der Byrds kam im April 1965 auf den Markt und landete sofort auf Platz 1 in den internationalen Charts. Der Manager der Gruppe aus Los Angeles, Jim Dickson,  hatte „Mr. Tambourine Man“ 1964 von Bob Dylan auf dem Monterey Folk Festival gehört und erbat sich ein Demo von Dylans Verlag. Dieses Demo, auf dem Dylan und Ramblin‘ Jack Elliott zu hören waren, beeindruckte die Byrds  (die bis November 1964 noch die Jet Sets hiessen) kaum, auch nicht, als sie auf Dicksons Geheiss Text und Rhythmus radikal überarbeiteten. Sie waren erst überzeugte, als Dylan sie besuchte und beim Hören ihrer Version ausrief: „Wow! Darauf kann man ja tanzen!“

Nur ein Byrd-Mitglied spielte auf der Single: Jim (später Roger) McGuinn ist mit seiner 12-saitigen Rickenbacker zu hören, und er sang auch (den Stil bezeichnete er später als eine Mischung aus Dylan und Lennon). Alle übrigen Instrumente wurden von den Studiomusikern The Wrecking Crew eingespielt, da man das den anderen Byrds nicht zutraute. Gene Clark und David Crosby steuerten jedoch hervorragenden Chorgesang hinzu. Die Single machte Dylan international als Komponist bekannt und ermutigte ihn zur E-Gitarre zu greifen, und etablierte die Byrds als Folk-Rock-Pioniere.