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Charles Mingus, Mingus at Antibes, 1976

Produzent/ Nesuhi Ertegün

Label/ Atlantic

Mingus beim internationalen Jazz- Festival an der Französisch Riviera in Antibes im Jahre 1960. In seiner Band: Ted Curson, Eric Dolphy, Booker Ervin, Dannie Richmond und Bud Powell als „special guest“.

Eine Live-Aufnahme aus der Zeit als Jazz eine seiner kreativsten Phasen erlebte: Ornette Colemans Free Jazz, Coltranes Ole, Cecil Taylors Traumquartett mit Buell Neidlinger und Archie Shepp. Und Charlie Mingus war einer der Leute, die diese Explosion neuer Musik vorbereitet und gefördert hatten. Die Jahre 1960 – 1964 waren auch die Höhepunkte seiner Karriere. Und es ist bezeichnend, für die gesamte Jazz-Geschichte, dass von 1964 – 1970, vier der grössten Musiker starben: Albert Ayler, John Coltrane, Eric Dolphy und Bud Powell. Zwei davon sind auf dieser Platte zu hören.

Diese Toten wurden nie ersetzt und die wenigen Höhepunkte, die Rock-Jazz in den 70er Jahren unbestritten hatte, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das was sich heute selbst Jazz nennt, tot ist. Die Szene ist vollends zum gepflegten, energielosen Zeitvertrieb für Zahnärzte und Rechtsanwälte verkommen, die davon redet „ die Stille hörbar zu machen“ und höchstens noch dem Zeit-Feuilleton einen geistigen Heissluft-Orgasmus entlockt. Spannungslose, neo-impressionistische Klimperei ist bezeichnend für diese Szene.

Wie toll, energisch, wuchtig, wild, spannend Jazz einmal war, zeigen Alben wie dieses. „Mingus at Antibes“ ist ganz grosse Klasse. Die Musik kann dich voll erwischen und mitnehmen. Und es bleibt die Hoffnung, dass vielleicht auch wieder eine neue Jazz-Szene entsteht, die der Agonie unserer Tage ein Ende bereiten könnte.