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Elvis Costello, King of America, 1986

Produzent/ T-Bone Burnett

Label/ Columbia

Schon mit dem 1981er Album „Almost Blue“ bewies Elvis Costello, dass er mit der traditionellen amerikanischen Musik gut umgehen kann. Fünf Jahre später holte er sich denn damals noch relativ unbekannten T-Bone Burnett um dieses Konzept zu perfektionieren. Heraus kam dabei eines der bemerkenswertesten Alben seiner Diskografie.

Die Counry-Folk Ballade „Brilliant Mistake“ eröffnet den Reigen der 15 Songs mit der dem Album titelgebenden Textzeile „He thought he was the King Of America, where they pour Coca Cola just like vintage wine…“ und damit macht Costello eigentlich auch schon klar, dass er sich mit diesem Album die urtypische amerikanische Musik zu Eigen machen will. Der Rockabilly-Shuffle „Loveable“ ist dann so eine kleine, stilistisch aber ungemein treffsichere Fingerübung, auf die die musikalisch eher unauffälligen Ballade „Our Little Angel“ folgt. Costellos Version von „Don’t Let Me Be Misunderstood“ ist dann einer der Highlights dieses Albums, weil emotional und verzweifelt vorgetragen. Das böse „Glitter Gulch“ ist ein weiterer, sehr schneller country-shuffle im Mississippi Stil auf den der nächste Höhepunkt folgt – das berührende und fragile „Indoor Fireworks“.

Musikalisch fast nahtlos schliesst daran die Trennungsschmerzballade „I’ll Wear It Proudly“ an durch deren Text dann auch die Krone erklärt wird die Costello auf dem Cover trägt – die des „King Of Fools“. Ein schöner Country-Waltz ist „American Without Tears“. Einer der wenige Reisser auf diesem sehr balladenlastigen Album folgt mit J.B. Lenoir’s  „Eisenhower Blues“ bei dem man sich plötzlich in einem verrauchten kleinen Blues-Club wähnt. So ein mittendrin-feeling hat man nur bei ganz wenigen Costello Aufnahmen.

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Elvis Costello & The Attractions, My Aim Is True, 1977

Text/Musik/ Elvis Costello

Produzent/ Nick Lowe

Label/ Stiff

Das Album „My Aim Is True“ wurde vor der Rekutierung von The Attractions aufgenommen – in sechs vierstündigen Sessions in einem Demo-Studio in Nord London, das Costello heute mit einer Telephonkabine vergleicht. Es ist bezeichnend für die Qualität des Songwriting, dass dieses Debüt als Klassiker Bestand hat.

„Red Shoes“ war eine naheligende Auswahl für eine Single, dank der traumhaften Gitarre im Stil der Byrds von John McFee (später Doobie Brothers). Vorausgegangen war „Less Than Zero“, provoziert durch den britischen Faschistenführer Oswald Mosley, und die brillante  (und untypische Ballade „Alison“, aus deren Text der Titel der LP stammt. Doch erst mit „Watching The Detectives“ war der Sänger Ende 1977 in den Single Charts erfolgreich.

Das vorherrschende Gefühl auf „My Aim Is True“ war fehlende Befriedigung, offen ausgedrückt in „Blame It On Me“ und „Mystery Dance“, während „No Dancing“ Tanz und Sex gleichsetzte. Der Produzent Nick Lowe hatte damals gerade genug Studioerfahrung, damit eine „richtige“ LP daraus wurde, nicht nur eine Sammlung von Demos.

Ausser „Alison“ sind wenige Costello-Songs gecovert worden, und dieses Album, das in UK auf Platz 14 kam, lässt den Grund dafür erahnen. Als schwindelerregender Mix aus Punk und Qualitätskompositionen ist es auch nach Costellos Masstäben eine einzigartige Platte.