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Elvis Costello & The Attractions, My Aim Is True, 1977

Text/Musik/ Elvis Costello

Produzent/ Nick Lowe

Label/ Stiff

Das Album „My Aim Is True“ wurde vor der Rekutierung von The Attractions aufgenommen – in sechs vierstündigen Sessions in einem Demo-Studio in Nord London, das Costello heute mit einer Telephonkabine vergleicht. Es ist bezeichnend für die Qualität des Songwriting, dass dieses Debüt als Klassiker Bestand hat.

„Red Shoes“ war eine naheligende Auswahl für eine Single, dank der traumhaften Gitarre im Stil der Byrds von John McFee (später Doobie Brothers). Vorausgegangen war „Less Than Zero“, provoziert durch den britischen Faschistenführer Oswald Mosley, und die brillante  (und untypische Ballade „Alison“, aus deren Text der Titel der LP stammt. Doch erst mit „Watching The Detectives“ war der Sänger Ende 1977 in den Single Charts erfolgreich.

Das vorherrschende Gefühl auf „My Aim Is True“ war fehlende Befriedigung, offen ausgedrückt in „Blame It On Me“ und „Mystery Dance“, während „No Dancing“ Tanz und Sex gleichsetzte. Der Produzent Nick Lowe hatte damals gerade genug Studioerfahrung, damit eine „richtige“ LP daraus wurde, nicht nur eine Sammlung von Demos.

Ausser „Alison“ sind wenige Costello-Songs gecovert worden, und dieses Album, das in UK auf Platz 14 kam, lässt den Grund dafür erahnen. Als schwindelerregender Mix aus Punk und Qualitätskompositionen ist es auch nach Costellos Masstäben eine einzigartige Platte.

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Elvis Costello & The Attractions, Oliver’s Army, 1979

Text/Musik/ Elvis Costello

Produzenten/ Nick Lowe, Elvis Costello

Label/ Radar

„Oliver’s Army“, ein (kommerzieller) Höhepunkt in Costellos Karriere, wurde auch deswegen zum britischen Chartstürmer, weil er Benny Anderssons fröhliches Klaviermotiv aus „Dancing Queen“ kopiert hatte. Doch hinter dem Popglanz steckt eine Breitseite gegen Militarismus, ausgelöst durch einen Besuch des Sängers 1978 in Belfasts „Murder Mile“. Die im Song erwähnte Armee ist Cromwells New Model Army, die Vorgängerorganisation des modernen britischen Militärs, die im Irland des 17. Jahrhundert für die Massaker von Drogheda und Wexford verantwortlich war.

Costellos dichter Text ist voller Anspielungen, eine Aufzählung einiger Spannungsgebiete der damaligen Welt, darunter Palästina, die Berliner Mauer, Hong Kong und Johannesburg. Gleichzeitig demaskiert er die irreführende Sprache auf den Rekrutierungsplakaten der Armee, die den Militärdienst als „ungefährlich“ und ganz normale „Berufslaufbahn“ darstellt. Aber Costello blickt nicht nur auf die spären 1970er Jahre. Vom Englischen Bürgerkrieg bis Winston Churchill bevölkert „Oliver’s Army“ ein Nimmerland. Der Song fühlt sich an wie ein bösartiges Update von Buffy Saint Maries pazifistischem Folksong „Universal Soldier“ – ein zeitloser Trauergesang um junge Burschen die in Männerkriegen kämpfen. Und zwischen den teuflisch eingängigen Refrains und dem Barrelhouse-Klavier lauert die berüchtigte Zeile „One more widow, one less white nigger“, deren Wortwahl einen Rundfunkverbot in den USA bewirkte. „Das war Ziel“, sagte Costello 1982, „ein grimmiges Herz inmitten einer Abba-Platte“.

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Elvis Costello & The Attractions, (I Don’t Want to Go to) Chelsea, 1979

Text/musik/ Elvis Costello

Produzent/ Nick Lowe

Label/ Radar

Das Cover seines zweiten Albums „This Year’s Model“ zeigt Elvis Costello mit einer Hasselblad-Kamera ähnlich der von David Hemmings in „Blow-Up“, Michelangelo Antonionis Film über „Swinging London“. Ob Hommage oder Parodie – das zweideutige Bild passt zu einer LP, auf der Elvis & The Attractions das Styling der Beat-Bands und ihrer Mod-Vorläufer übernehmen und sich gleichzeitig über den Teil ihrer Altersgenossen lustig machen, die unbedingt in der Vergangenheit leben wollen.

„(I Don’t Want to Go to) Chelsea“ stellt textliche Bezüge zum Inhalt von „Blow-Up“ her (Fotografie, Mord), ist aber auch ein böser Angriff auf den narzisstischen Modeklüngel der King’s Road. „Hier ist kein Platz für Minirock-Getrippel“, stichelt Costello – ein Hinweis darauf, dass sich die Zeiten seit 1966 geändert haben und ein Seitenhieb auf das modeverliebte Publikum, das in Malcolm McLaren und Vivienne Westwoods Boutique „Sex“ strömt.