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Elvis Costello, Blood & Chocolate, 1986

Produzent/ Nick Lowe, Colin Fairley

Label/ Demon

Ist Elvis Costello nun Woody Allen oder Leo Trotzki? Jack Lemmon, Jean-Luc Godard oder John Lennon? Der Mann, der auf unerträgliche Weise alles richtig gemacht hat, oder einfach ein Guter. Und vorallem: es gibt soundsoviele LP’s von ihm, die vor Können nur so strotzen. Gegen die man wirklich nichts sagen kann.

„Blood & Chocolate“ steht irgendwo zwischen den schönsten Momenten der Beatles und der Graham Bond Organisation (oder vielleicht doch Zoot Money’s Big Roll Band?). Die Musik ist fast unangreifbar, obwohl sie nicht einen neuen Bewusstseinsstand oder eine plötzliche Reife spiegelt. Costello hätte auch nach der sechsten oder siebten LP Schluss machen können und wäre genauso in die Musikgeschichte eingegangen wie mit mehr als dreissig LP’s. Aber eben nicht: Diese Qualität, dieser einfach nicht eintretende Verfall, dieses Beharren – freuen wir uns daran. Auf „Blood & Chocolate“ klingt Costello so intim und schlau, aber so kultiviert und verroht wie etwa Neil Young als John Cale als Keith Richards. Das Album ist ein spannender Roman, den man nur schwer aus den Händen legen kann. Und in „Tokyo Storm Warning“, das er mit seiner damaligen Freundin von den Pogues geschrieben hat, stammt die Melodie aus „19th Nervous Breakdown“ und die Gitarre spielt „Satisfaction“.

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Elvis Costello & The Attractions, My Aim Is True, 1977

Text/Musik/ Elvis Costello

Produzent/ Nick Lowe

Label/ Stiff

Das Album „My Aim Is True“ wurde vor der Rekutierung von The Attractions aufgenommen – in sechs vierstündigen Sessions in einem Demo-Studio in Nord London, das Costello heute mit einer Telephonkabine vergleicht. Es ist bezeichnend für die Qualität des Songwriting, dass dieses Debüt als Klassiker Bestand hat.

„Red Shoes“ war eine naheligende Auswahl für eine Single, dank der traumhaften Gitarre im Stil der Byrds von John McFee (später Doobie Brothers). Vorausgegangen war „Less Than Zero“, provoziert durch den britischen Faschistenführer Oswald Mosley, und die brillante  (und untypische Ballade „Alison“, aus deren Text der Titel der LP stammt. Doch erst mit „Watching The Detectives“ war der Sänger Ende 1977 in den Single Charts erfolgreich.

Das vorherrschende Gefühl auf „My Aim Is True“ war fehlende Befriedigung, offen ausgedrückt in „Blame It On Me“ und „Mystery Dance“, während „No Dancing“ Tanz und Sex gleichsetzte. Der Produzent Nick Lowe hatte damals gerade genug Studioerfahrung, damit eine „richtige“ LP daraus wurde, nicht nur eine Sammlung von Demos.

Ausser „Alison“ sind wenige Costello-Songs gecovert worden, und dieses Album, das in UK auf Platz 14 kam, lässt den Grund dafür erahnen. Als schwindelerregender Mix aus Punk und Qualitätskompositionen ist es auch nach Costellos Masstäben eine einzigartige Platte.