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Steve Earle & The Dukes, Terraplane, 2015

Produzent/ R.S. Field

Label/ New West

Seine Freundschaft zu Townes van Zandt hat in vielen Alben von Steve Earle deutliche Spuren hinterlassen. Sein persönlicher Lebensweg ist geprägt von kritischer Distanz zum real existierenden US-amerikanischen System, aber auch von Drogen und Alkohol. Und auch „die Frauen“ begleiten ihn nunmehr sechs Jahrzehnte … immerhin bringt er es auf die rekordverdächtige Anzahl von sieben Ehen.

Sein Album „Terraplane“ arbeitet seine letzte gescheiterte Beziehung/Ehe zu der Singer-Songwriterin Allison Moorer auf: Elf Song von Einsamkeit, falsch gelaufener Liebe und haarsträubenden Begegnungen mit fiesen Frauen und dem guten alten Teufel selbst. Zudem ist für Earle (Jahrgang 1954) ein immmer mehr in den Vordergrund rückendes Thema relevant: Das Älterwerden.

„Terraplane“ ist Steve Earle’s späte Entdeckung des Blues und ein erstklassigen Back-To-Roots-Werk. Robert Johnson und John Lee Hooker nicken, zwinkern und lächeln anerkennend von oben oder wo auch immer die verstorbenen Blues-Koryphäen sich befinden mögen zum manisch im Boogie-Rock-Takt zelebrierten „The Tennessee Kid“. Wie ein auf seine alten Tage hin melancholisch gewordener Kater faucht, greint und schluchzt sich Earle durch das offensichtliche Trennungs-Lied „Better Off Alone“ mit integriertem Cello zwischen Blues-Noten, die auch von Peter Greens Fleetwood Mac stammen könnten. Mitunter werden die Songs elektrisch, rau und laut, doch nie hektisch oder im Rausch der Geschwindigkeit.

„Terraplane“ hat es nicht nötig auf die große Pauke zu hauen, die alten Geschichten, Melodien und Rhythmen taugen auch heute noch. Besonders, wenn sie von solch querschädeligen, musikalisch bewanderten Individuen vorgetragen werden wie Steve Earle und seinen Dukes.

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Steve Earle, Guitar Town, 1986

Produzenten/ Tony Brown, Emroy Gordy

Label/ MCA

Steve Earles „Guitar Town“ kam 1986 in die Charts und festigte Earles Ruf als gesetzloser Barde. Earle war 30: ein Country-Boy bis zu den Cowboystiefeln, der eine Serie gescheiterter Ehen und Probleme mit Drogen und dem Gesetz hinter sich hatte. In Nashville war er ein erfolgreicher Songwriter, aber dort zeigten die Experten beim „Guitar Town“ wenig Enthusiasmus.

Dann entdeckte ihn die Rockpresse und feierte ihn als einen der ersten Roots-Rocker – verwandt mit Dwight Yoakam und Bruce Springsteen. Seine Storys verbanden die beiden Genres undf gefielen Rock- und Countryhörern. Er half dabei, den Weg zu ebnen für den Alternative-Country (und Künstler wie Lucinda Williams und Wilco).

Earles frustrierende Jahre als Songwriter und die vielen persönlichen Probleme lieferten genug Material für diese ausgezeichneten Songs. „Guitar Town“ ist der brillante musikalische Ausdruck der Gedanken eines zornigen jungen Mannes, eine abwechselnd freudige und warnende Beschreibung des Lebens „on the road“.

Das Album ist auch ein Zeugnis des politischen Umbruchs in den USA während der Reagan-Jahre, besonders auf den Tracks „Someday“ und „Good Ol’Boy“ (Gettin‘ Though). Beim herrlichen Titel-Hit ist Earle der dreckige Gitarrenrocker. Dagegen begibt er sich ins Country-Gefilde der gebrochenen Herzen mit „My Old Friend The Blues“.