9899_1.jpg

Jimi Hendrix, Smash Hits, 1968

Produzent/ Chas Chandler

Label/ Polydor

Ende der 60er Jahre war eine Single trotz des mit den Beatles, The Who, The Kinks, Pink Floyd, Moody Blues und den Rolling Stones heraufdämmernden Albumzeitalters immer noch das Mass aller Dinge. „Smash Hits“, die einzige von Hendrix noch zu Lebzeiten veröffentlichte Compilation, sollte vorallem eine Zusammenfassung seiner Seven-Inch-Juwelen – sowohl der A- als auch der B-Seiten – sein. Wobei zu dieser Zeit grosse Unterschiede in der Veröffentlichung von Singles in den verschiedenen Ländern gang und gäbe waren. So war etwa der europäische und japanische Singlehit „Purple Haze“ auf der nordamerikanischen Version von Hendrix’ Debüt-LP „Are You Experienced“ enthalten. Nimmt man die zuerst erschiene UK-Version von „Smash Hits“ als Grundlage, ist „Foxy Lady“ das einzige Stück, das nicht als Single erschien. Zumindest nicht in Europa, denn unter dem Namen „Foxey Lady“ wurde der „Are You Experienced“-Song in den USA als Single veröffentlicht. „Fire“, auch als „Let Me Light Your Fire“ bekannt, erschien 1969 in Europa als Seven Inch.

Was „Smash Hits“ als Originalalbum aber so grandios macht, war nicht unbedingt das Alleinstellungsmerkmal einiger Songs, sondern die pure Kraft und Magie von Jimi Hendrix, komprimiert auf jeweils etwa drei Minuten. Wahre „Smash Hits“ eben! Da wurde keine Zeit verschenkt, da ging es gleich zur Sache. Rockgeschichtsschreibung und Pop, abgeleitet von Popularität, erlebten hier eine seltene und stilsichere Fusion. Kernstück des Albums war Hendrix’ erste Single „Hey Joe“. Mit jenem Lied brannte er sich 1966 ins kollektive Bewusstsein der Rockmusik-Fans ein. Bis zu „Smash Hits“ gab es den Song eben nur als Single. Da diese Platte schon vor den Aufnahmen zu „Axis: Bold As Love“ konzipiert worden war, konnte sie keine Songs von diesem Werk enthalten, obwohl einige von ihnen bestens zu ihr gepasst hätten.

Bildschirmfoto 2016-09-27 um 08.10.25.png

The Jimi Hendrix Experience, Voodoo Child (Slight Return), 1968

Text/Musik/ Jimi Hendrix

Produzent/ Jimi Hendrix

Label/ Polydor

Ganz so wie der Künstler, der den Song erschuf, geniesst „Voodoo Child (Slight Return)“ ein Vermächtnis, das zugleich kristallklar und vom Dunst der Rocklegenden umschleiert ist. Der Song wurde am 3. Mai 1968 aufgenommen, einen Tag nach den Aufnahmen einer längeren Version des gleichen Liedes ( die als „Voodoo Chile“ ebenfalls auf „Electric Ladyland“ erscheint) mit Steve Winwood (Orgel), Jack Cassady von Jefferson Airplane (Bass) und Mitch Mitchell von Experience (Drums). Die 15-Minuten-Version war im Grunde eine – wenn auch höchst elektrisierende – Standard-Blues-Jamsession und direkt inspiriert von Muddy Waters‘ bewegendem, sich selbst mythologisierenden Song „Mannish Boy“, der 1955 erstmals aufgenommen worden war.

Am Tag darauf waren The Jimi Hendrix Experience zurück im Studio, wieder mit Mitch Mitchell an den Drums und dem regulären Bandmitglied Noel Redding am Bass. Diesmal baute Hendrix ein einleitendes Gitarrenriff ein, das einfach alles in sich vereinte, was ihn zum unbestrittenen Champion des Gitarren-Schwergewicht machte – schiere Wah-Wah-Pedal-Herrlichkeit, die sich in seinem umwerfend genialen E-Gitarrenspiel entlud. „Well I stand up next to a mountain“, begann er, und liess keinen Zweifel daran, dass er ebenso gigantisch war wie dieser Berg, wie die Natur selbst, bereit, mit seiner Axt alles niederzumähen.