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John Mayall, Blues From Laurel Canyon, 1968

Produzent/ Mike Vernon, John Mayall

Label/ Decca Records

Auf diesem Album verarbeitete der damals 35 jährige John Mayall seinen mehrmonatigen Aufenthalt in den Staaten, genauer gesagt in der Gegend oberhalb von LA, den Laurel Canyon’s. Die Platte funktioniert wie ein musikalisches Tagebuch. Es beginnt mit „Vacation“. Der Düsen-Flieger hebt ab und Mayall landet kurz vor Sonnenuntergang in L.A. „Walkig On Sunset“. Dann geht es zu seinem kurzfristigen „Laurel Canyon Home“.  Nach „Ready To Ride“ trifft er den „Medicine Man“. Damals war die Gegend dort bei Hippies beliebt und im Klapp-Cover der LP sieht man Mayall dort im Lendenschurz rumlaufen. Ein kleiner Streit mit seiner Partnerin erinnert ihn daran das sich einer von ihnen wie ein Kind benimmt. So ist ein kleiner Ausflug fällig…

Interessant wird es wieder mit “ The Bear“. Damit ist der kurz darauf verstorbene Sänger und Mundharmonika-Spieler Bob Hite von Canned Heat gemeint. Die Musik fliesst, swingt und klingt wie locker aus dem Handgelenk geschüttelt. John Mayall’s etwas dünne Stimme passt gut mit den filigranen Lead-Fills von Mick Taylor zusammen, der durch diese Platte erste grössere Beachtung fand.

Im nächsten Track trifft Mayall auf „Miss James“. Die beiden kommen sich näher : „There was nothing like that first time, I was alone with you..“ Zur zeitlupenartigen sparsamen Lead Guitar erzählt Mayall von dieser erotischen Nacht , die ersten Berührungen. Adäquat vertont er die prickelnde Atmosphäre, den Zauber dieser Begegnung. „Long Gone Midnight“ erzählt vom weiteren Verlauf dieser Nacht. Ergreifend und erotisch. Langsam nimmt die gesamte Band wieder Fahrt auf. Und bald darauf ist es Zeit Goodbye zu sagen. „Fly Tomorrow“ mit seinem geschickt verschlepptem Rhythmus und Percussions ist der würdige Abschluss dieses Albums und mit 9 Minuten keine Sekunde zu lang.

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John Mayall Blues Breakers with Eric Clapton, 1966

Produzent/ Mike Vernon

Label/ Decca

Ungefähr zu der Zeit, als „John Mayall’s Blues Breakers With Eric Clapton“ in die Läden kam, tauchte überall in London die Graffiti auf: „Clapton is God.“ Wer Zweifel hegt an Claptons Qualitäten als Bluesmusiker, sollte diese brandheisse Aufnahme aus dem Jahre 1966 hören, die in der britischen Szene wie eine Bombe einschlug.

Clapton hatte die erfolgreichen Yardbirds verlassen, auf der Suche nach reinem Blues, und in John Mayall fand er den sympathisierenden Bandleader und gleichzeitig eine Vaterfigur.

Im Studio mit John McVie und dem Schlagzeuger Hughie Flint versuchten sie, etwas von der Energie der Live-Auftritte zu vermitteln. Das wird gleich beim ersten Song klar: Hammondorgel und gebrochene Gitarrenläufe – die schwelend swingende Coverversion von „All Your Love“ von Otis Rush.

„Hideaway“ ist ein unvergesslicher Vorgeschmack auf Clapton im Rampenlicht. Bei der Instrumentalversion von Freddie Kings Klassiker gibt der junge Gitarrist alles – eine stürmische Performance voller Selbstvertrauen und Begeisterung. Brillant ist er beim messerscharfen Boogie „Steppin‘ Out“.

Mayall steuerte Entscheidendes zum Erfolg des Albums bei. Seine Eigenkompositionen wie „Little Girl“ und „Key To Love“ sind typisch fröhliche Sixties-Hymnen, doch völlig innerhalb der Bluestradition.

Die Mündung der Themse lag vielleicht Tausende von Kilometern vom Mississippidelta, doch nach „Blues Breakers With Eric Clapton“ schien die Distanz plötzlich nicht mehr so weit.