John Mayall, Blues From Laurel Canyon, 1968

Produzent/ Mike Vernon, John Mayall

Label/ Decca Records

Auf diesem Album verarbeitete der damals 35 jährige John Mayall seinen mehrmonatigen Aufenthalt in den Staaten, genauer gesagt in der Gegend oberhalb von LA, den Laurel Canyon’s. Die Platte funktioniert wie ein musikalisches Tagebuch. Es beginnt mit „Vacation“. Der Düsen-Flieger hebt ab und Mayall landet kurz vor Sonnenuntergang in L.A. „Walkig On Sunset“. Dann geht es zu seinem kurzfristigen „Laurel Canyon Home“. Nach „Ready To Ride“ trifft er den „Medicine Man“. Damals war die Gegend dort bei Hippies beliebt und im Klapp-Cover der LP sieht man Mayall dort im Lendenschurz rumlaufen. Ein kleiner Streit mit seiner Partnerin erinnert ihn daran das sich einer von ihnen wie ein Kind benimmt. So ist ein kleiner Ausflug fällig…

Interessant wird es wieder mit “The Bear“. Damit ist der kurz darauf verstorbene Sänger und Mundharmonika-Spieler Bob Hite von Canned Heat gemeint. Die Musik fliesst, swingt und klingt wie locker aus dem Handgelenk geschüttelt. John Mayall’s etwas dünne Stimme passt gut mit den filigranen Lead-Fills von Mick Taylor zusammen, der durch diese Platte erste grössere Beachtung fand.

Im nächsten Track trifft Mayall auf „Miss James“. Die beiden kommen sich näher : „There was nothing like that first time, I was alone with you..“ Zur zeitlupenartigen sparsamen Lead Guitar erzählt Mayall von dieser erotischen Nacht , die ersten Berührungen. Adäquat vertont er die prickelnde Atmosphäre, den Zauber dieser Begegnung. „Long Gone Midnight“ erzählt vom weiteren Verlauf dieser Nacht. Ergreifend und erotisch. Langsam nimmt die gesamte Band wieder Fahrt auf. Und bald darauf ist es Zeit Goodbye zu sagen. „Fly Tomorrow“ mit seinem geschickt verschlepptem Rhythmus und Percussions ist der würdige Abschluss dieses Albums und mit 9 Minuten keine Sekunde zu lang.

40 Gedanken zu “

    1. Ja, alles in allem ein sehr gutes, vielleicht sogar das beste Album, das ich von John Mayall kenne. „Blues From Laurel Canyom“ gehört sicher in jede auch nur einigermassen anspruchsvolle Blues-Sammlung. Das Highlight setzte der damals 19 Jahre alte Gitarrist Mick Taylor, auch Mayall selbst ist textlich und musikalisch auf hohem Niveau. Es hat gute Songs auf dem Album, „First Time Alone“ gefällt mir auch, so entspannend, so intim, endlich Frieden.

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      1. Ich wünschen Ihnen viel Spass, Geduld und Erfolg beim Erlernen dieses tollen Instruments! Früher habe ich auch ab und zu Blues Harp („Hohner Marine Brand“) gespielt, mich aber dann auf das Singen konzentriert, weil für mich der Gesang die Melodie auf der Gitarre am besten reflektiert.

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      2. Puckering, bending, Dominante, Tonima – – vielen Dank für die Geduldswünsche. Die Freude ist jedenfalls gross. Vielleicht werde ich mir doch, zumindest für den Anfang, einen professionellen Lehrer anheuern…

        Den Unterschied zwischen Gesang und Harp in Bezug auf die Gitarre kann ich gut nachvollziehen.

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  1. Interesting. I’ve long been a Mayall fan and in fact, saw him just a couple of years back. Not in his prime anymore but still energetic. It’s funny that I somehow missed this one even though I knew Mick Taylor had been with him at some point. Funny how „trippy“ it is at some pints but I guess that’s a sign ‚o the times. But it’s impossible for me to listen to this and not compare it to the Beano Bluesbreakers album. That was a trendsetter, this is more of a nice album. And while I like Mick Taylor’s playing, he is no Eric Clapton or for that matter, Peter Green. And I like his playing a lot. But those two guys are on a different level. Anyway thanks for bringing this to my attention.

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    1. Yup, the British blues actually started with the „Beano“ album and Eric Clapton already stands out here. The album has a collection of blues standards, as they were interpreted at that time by the Stones, the Kinks, Yardbirds and Them. John Mayall always had a very good sense for top-class musicians. Peter Green had for sure just as much an outstanding position as Mick Taylor. In the end, however, I think „Blues From Laurel Canyon“ is a very interesting concept album, because the England-Refugee John Mayall set a small but fine monument for the scene around the Laurel Canyon in 1968.

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      1. You’re right, the lyrics might sound dated, but „Turning Point“ is an excellent blues recording with gorgeously jazzy influence. Steve Thompson’s bass and Jon Mark’s finger-style acoustic providing much of the rhythmic engine. I also like Mayall’s studio album „Empty Rooms“ with the same band.

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      2. I think our friend CB likes „The Turning Point“ too! One of the highlights of the album for me is „I’m Gonna Fight For You J.B. (J.B. Lenoir)“. A perfect interplay of the guitars from Almond and Mayall and a beautiful sax solo from Thompson.

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  2. I’ve read more about Mayall than heard him… His band was like a guitarist factory…he had an eye/ear for talent. This sounds so electric and loose like it was improvised on the spot but note-perfect.
    Great track.

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    1. This album is older than 50 years and just one of many by John Mayall. At that time I was 16 years old with utopias in my head of a new society and the eternally tiresome topics like long hair, girlfriends, music and school. „Blues From Laurel Canyon“ is a testimony of times, nothing more, but also nothing less. And one should not forget that the “white” blues with its outstanding artists gave important impulses for rock and pop music. And that definitely includes John Mayall.

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      1. That was an interesting time to grow up. The world was changing constantly and the thought that anything could happen. A lot of idealism and hope.

        Looking back in history…those British blues artists like The Stones and others woke America up to what they had already had… but were ignoring like Muddy Waters, Howlin‘ Wolf, etc..

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      2. The Laurel Canyon was end of the sixties the ultimate hippie dream: Joni Mitchell, Eric Burdon, Jim Morrison, Graham Nash, Steven Stills and many other artists lived there. The song „2401“ par example is the house number of Frank Zappa’s house that John Mayall visited: „There’s a hero livin ‚at 2401 … try to change a system of many things that must be done.“ A good artist does this all the time, otherwise there would be no further development. And John Mayall is a prime example of the fact that change is the only constant in life.

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  3. Tja. For Blues-Fans only. I’m outside of the caddle.
    Die Lobeshymnen brachten mich mal dazu, sie aufzunehmen.
    Schon im ersten Track fragte ich mich, wer da solange auf dem Schwanz der Katze steht – und warum der nicht runter geht. Und der Rest – is’ehm Blues.

    I’m waited such a long time, that the music touches me…dudu-dudup-dupdup…but what comes nich on the third try…I see, that it comes nie…

    (I’m sorry ‚bout my english.) 🙂

    Viel Spaß. Ich geh jetz‘ wieder Steve Hackett hör’n.

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    1. Vielleicht hätte ein etwas subtileres und weniger uniformiertes Auftreten dem Blues in der DDR eine stärkere Subversivität ermöglicht? Ohne den Blues hätte es die Stones, Eric Clapton, Peter Green, Collosseum, Stone The Crows nicht gegeben und viele andere auch nicht. Selbst Herr Hackett hatte sich vorgenommen den Blues zu spielen, aber es ist ihm nicht ganz gelungen. Zu steril und konstruiert das Ganze. Man könnte auch sagen, es sind halt nicht nur die 12 Takte, mal ein paar mehr, mal ein paar weniger, auf die es ankommt, sondern eben auch auf das Feeling.

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      1. Nun: Der Blues hatte ja extrem viel Subversives für sehr sehr viele Langzeithippies in der „Ehemaligen“, mehr ging nicht. Da werden bereits dicke Bücher drüber verfasst, wieso sich gerade DER STIL solange halten konnte. Nur mich hat er eben nicht auf Dauer gefesselt. Wie übrigens auch Punk und Reggea. Nur wird Blues eben auch schon eine Ewigkeit so sehr philosophisch überhöht.

        Während tatsächlich einige Gitarrenhexer „verkopfen“ und Zeug einspielen, was dann nur noch sie selbst verstehen, sind mir die „reinen (meist schwarzen) Bluesgötter“ zu schematisch auf der Stelle tretend. Da muss man halt auf beiden Seiten „Rosinen picken“ und viel weglassen. Mir gefällt ja auch nicht „alles vom Hackett“ – aber immer mehr.
        Und das mit dem „Feeling“ ist auch so ein Schnack: Clapton soll es haben – und Gary Moore angeblich nicht. Da hab ich immer schon gegrinst: „Weil er „manish Boy“ nicht hinkriegt, bricht er sich dann freiwillig die Finger bei Thin Lizzy.“
        Es gibt halt so Puristen. Und die Geschmäcker…

        Hab mir gestern bei youtube den Laurell Canyon komplett gegeben – und gestehe, die ruhigen, fast gesprochenen Nummern gehen mittlerweile auch bei mir. Vielleicht war es auch die richtige Stimmung und die andern Male zuvor nicht. Wer weiß – wenn es gar nichts gutes Altes mehr abzugrasen gibt, dann befass ich mich doch noch mit dem Mayall. Seine „Road Dogs“ vor ein paar Jahren hat mir durchaus gefallen. Nichts für ungut.

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      2. Lieber Bludgeon, danke für Deine ausführliche Antwort. Natürlich kenne ich die Bluesszene in der DDR nicht so gut wie Du. Ich habe nur gehört, dass es im Osten vorallem die Kirche war, die den Blues vermarktete, um sich damit etwas populärer zu machen. Damit hätte sie das geschafft, worum es ja im Blues meistens geht, nämlich dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen.

        Wie man ihn auch immer ableitet oder interpretiert, Blues bleibt im Grunde eine durch und durch amerikanische Musik. In den sechziger Jahren gab es diese paradoxe Situation, dass die jungen Schwarzen nichts mehr von dieser „Onkel-Tom-Musik“ wissen wollten, die jungen Weissen hingegen machten sich auf die Suche nach den Wurzeln des Blues. Alexis Korner und John Mayall lösten in England einen Blues-Boom aus, der 1968 gut mit der weltweiten Jugendrevolte zusammenging. „Blues From Laurel Canyon“ stellt für mich ein Zeitzeugnis dar, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine brillante Suite über Mayall’s 3-wöchige Urlaubsreise nach Kalifornien. Ich hätte auch eine anderes Album auswählen können, aber irgendwie fand ich’s sehr passend, diese Scheibe aufzulegen, bevor ich mich hier für 3 Wochen in den Urlaub verabschiede. Mit bluesigen Grüssen aus Bern .

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    1. Yep, the „Beano“- album is possibly the birth of the British-Blues in the mid sixties. I was sixteen when I got me „Blues From Laurel Canyon“ and I still like to listen to it. The album hangs together as one entity, but the songs also have individuality that makes each one interesting. This was the last one with Mick Taylor before he joined the Rolling Stones, and Peter Green also featured. John Mayall is still on tour today at 88. I saw him once in the 1970s at „Hammer“ in Olten, Switzerland.

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  4. Klasse Album! Es gibt wohl in der Tat keinen anderen wie John Mayall, der mit so vielen anderen Topmusikern gespielt und sie gleichzeitig gefoerdert hat. Sein Titel „Godfather of the British Blues“ ist sicherlich berechtigt.

    Als ich mich ueber Mayall im Dezember 2018 angesichts seines 85-jaehrigen Geburtstags ausliess, habe ich „Blues from Laurel Canyon“ wohl uebersehen. Bei so vielen Alben, die er im Laufe seiner langen Karriere herausgebracht hat, ist es schwierig den Ueberblick zu behalten!

    Neben Mick Taylor gibt es das Stueck „First Time Alone,“ welches eine anderen exzellenten Gitarristen featured: Peter Green.

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    1. Auch wenn der Laurel Canyon bei Los Angeles bestimmt nicht mehr so aussieht, wie durch diese Musik empfunden, lässt die man die Bilder von diesem lauschigen Plätzchen inmitten einer verträumten Naturlandschaft gerne auf sich wirken. John Mayall hatte dort ein Grundstück mit einem Baumhaus, welches 1979 bei einem Brand zerstört wurde. Sieht man sich das Cover an, war das 1968 der Hippietraum schlechthin. Obwohl nicht ganz klar ist, ob er nun in dem Song „Laurel Canyon Home“ von seinem Zuhause spricht, oder von den vielen Musikerkollegen, die dort wohnten. Das Album wurde unmittelbar nach Mayall’s Rückkehr in London mit dem damals erst neunzehn Jahre alte Gitarrist Mick Taylor eingespielt, ausser – wie Du bereits sagst – „First Time Alone“, auf dem Peter Green die weit entfernt dahinwehenden Gitarrenleads spielt.

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  5. I love this album very much. My favourite Mayall (of the paltry dozen or so I have!).
    Wrote about it quite a while back; attempted to summarise the man’s career!! The post also includes my one and only appearance in MOJO: The Music Magazine. Not quite 15 minutes of fame, but nice. 🙂

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    1. Thanks, Bruce. Nice work with all the album covers. I grew up listening to John Mayall Bluesbreaker’s too. I had „Beano“ and „Blues from Laurel Canyon“ on vinyl, but some albums on casette only. What I especially love about „Blues From Laurel Canyon“ is, that all of the songs were written by Mayall, and they all reflect traditional American while addressing an experience British bluesman on a short vacation to the states. And for sure there is Mick Taylor who has as blues guitarist a jazz musician’s flair for melodic invention. And this is my last post before my own vacation …

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    1. Thanks, CB. Mick Taylor was a blues guitarist with a jazz flair for melodic invention. With Mayall he could realize himself well. He was arguably the best technician the Stones ever had, but he was never a rock’n’roller and never a showman.

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    1. I was in the south for a while, so my late answer. Harvey Mandel was, of course, a unique guitarist. I especially remember him in „Future Blues“ from Canned Heat. But „USA Union“ is also a pretty good album without any drums. The songs are good, very thin and finely performed.

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