Muddy Waters, Hard Again, 1977

Produzent/ Johnny Winter

Label/ Blue Sky

Es ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit ein Album aus der klassischen Rhythm & Blues-Ära als Meilenstein zu bezeichnen. Schon allein die beschämende Aufnahmetechnik verbietet es mir, das Wort „Meilenstein“ in den Mund zu nehmen. Schallplatten wurden gemacht um Geld zu verdienen und in Ermangelung finanzieller Möglichkeiten in wenigen Stunden auf Tonkonserve gepresst. Mit viel Pech wäre uns der Rhythm & Blues der 40er Jahre nur noch als verrauschtes Zeitdokument für die Archivkeller der kunsthistorischen Bibliothek in Erinnerung.

Muddy Waters hatte 1977 seine kreative Blütezeit schon lange hinter sich. Doch der texanische Blues-Albino Johnny Winter nahm den bei seiner alten Plattenfirma nicht mehr erwünschten 71-Jährigen für das Label Blue Sky unter Vertrag und zeigte wie Karriere-Revitalisierung richtig funktioniert. Als leidenschaftlicher Blues-Fanatiker kommt Winter erst gar nicht in Versuchung, die archaische Musik Muddys für den Mainstream zu verwässern oder gar dem Zeitgeist zu genügen. So werden alte Klassiker wie „Mannish Boy“ oder Willie Dixons‘ „I Want To Be Loved By You“ zu neuem Leben erweckt, mit einem unerschöpflichen Eifer und Engagement vorgetragen und von einem regelrecht aufblühenden Muddy Waters, dessen Gesang seit fast 10 Jahren nicht mehr so durchdringend klang.

„Hard Again“ spiegelt den urbanen Blues so, wie er geklungen haben muss, als die Musiker in den 40er Jahren, aus dem Süden an die South- und Westside zogen und begannen ihre Instrumente über Verstärker laufen zu lassen – derb, laut, dissonant; es dröhnt und scheppert. Aber – das hier ist keine Pop-Musik, das ist Blues. Genau so ist das gemeint.

Muddy Waters, Folk Singer, 1964

Produzent/ Muddy Waters, Ralph Bass, Willie Dixon

Label/ Chess

Im September 1963 bemühte sich Chess Records mit diesem akustischen Folk-Blues Album um ein Stück vom wachsenden Kuchen der akustischen Aufnahmen. McKinley Morganfield, besser bekannt als Muddy Waters hatte da bereits Jahrzehnte in der Blues- und Jazz-Szene von Chicago gespielt und bevorzugte eigentlich die elektrische Gitarre und moderne Blues Interpretationen und hatte damit in den 50er Jahren schon einige Hits gelandet, doch seit 1958 sah es recht düster aus. Die 1964er Veröffentlichung wurde zum Erfolg und definiert bis heute das Genre des akustischen Blues und ist unter audiophilen heiss begehrt.

Zweifellos ist „Folk Singer“ eine faszinierende Bluesscheibe, die auch nach wiederholtem Hören keine Langeweile aufkommen lässt. Die langsamen, beinahe intimen Folkblues-Nummern bestechen durch den intensiven und emotional unglaublich fesselnden Gesang von Muddy Waters sowie durch die brillante Instrumentenabbildung und letztendlich die nicht minder erstklassige Spielweise der Musiker. Begleitet wird Waters von Willie Dixon am Zupfbass, Clifton James am Drumset und Buddy Guy an einer zweiten akustischen Gitarre.

Klanglich wurde hier der Fokus auf die Emotionalität gelegt, die räumliche Abbildung inklusive der Hallanteile ist einwandfrei! Klanglich ist die Platte absolut gelungen. Es kommen zwar nicht die Musiker in den Hörraum, man selbst jedoch ganz eindeutig in das Aufnahmestudio nach Chicago.

muddywaters2cfront.jpg

Muddy Waters, Muddy Waters at Newport, 1960

Produzent/ Unbekannt

Label/ Chess

Muddy Waters gelang schon in den 50er Jahren der Sprung in die R&B-Charts mit Hits wie „Rollin And Thumblin“ und „Louisiana Blues“, doch erst 1960 stellte er sich – und den live gespielten Blues – dem grossen (weissen) Publikum. Als Chess Records am Ende des Jahrzehnts die Verkaufszahlen seiner Singles schwinden sah, beschloss man, das grosse Talent als Albumkünstler zu vermarkten. Also wurde 1960 Muddys Show auf dem Newport Jazz Festival mitgeschnitten.

Als er an jenem Nachmittag auf die Bühne kam, wusste Waters genau so wenig von seinen weissen Zuhörern wie diese von seiner ländlichen Spielart des Chicago Boogie. Der gnadenlose Refrain von „Hoochie Coochie Man“ und das ungeschminckte Jammern von „Baby Please Don’t Go“ waren ein riesiger Kontrast zur kühlen Trompete eines Dizzy Gillespie. Doch Muddys mächtiger Bariton, die klagende Mundharmonika von James Cotton und das Kneipenklavier von Otis Spann sorgten dafür, dass zum Ende des Auftritts die jungen Leuten in den Gängen zwischen den Stühlen tanzten.

Auch wenn dieses Album nur den Augenblick festgehalten hätte, als der Live Blues in die feinen Vororte gelangte, wäre es noch nicht vergessen. Und selbst wenn das Album nicht junge junge Musiker wie Jimmy Page und Eric Clapton mit dem urbanen Sound Amerikas bekannt gemacht hätte, wäre es ein Meilenstein. 47 Jahre Erfolg von „Muddy Waters At Newport“ sind der Beweis für die magische Anziehungskraft von erstklassigem, ursprünglichem Blues.