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Mink DeVille, Coup de Grâce, 1981

Produzent/ Jack Nitzsche, Willy DeVille

Label/ Atlantic

Willy DeVille hatte sich seit dem Debütalbum „Cabretta“ seiner Band Mink DeVille als der ultimative King der Ballade etabliert. Romantischer, männlicher, verletzlicher und theatralischer klang davor und danach kaum ein anderer. Nach den ersten drei Alben wechselte die Band zum Label Atlantic und bekam mit Jack Nitzsche einen erfahrenen Produzenten.

„Coup de Grâce“ ist kein so riskantes, im Pathos schamlos bis an die Grenzen gehendes Experiment in Pop-Stilistik wie das voraufgegangene Meisterwerk „Le Chat Bleu“. Trotzdem entpuppt sich die Platte mit ihren grandiosen Rock-Balladen, den unverkennbaren Einflüssen von Cajun Music und mexikanischer Folklore („End of the Line“, „Love and Emotion“), mit bluesgefärbtem Hard Rock („Love Me Like You Did Before“) und den Querverweisen auf die große Ära der Drifters und anderer schwarzer Vokalgruppen („You Better Move On“, das auch den jungen Mick Jagger einmal fasziniert hatte) schon bald als das kaum weniger eindrucksvolle Album.

Die Produktion fiel etwas kühler und vielleicht auch „kommerzieller“ kalkuliert aus als die von „Le Chat Bleu“, manche der Songs wären im selben Sound auf der Debüt-LP oder auch „Return To Magenta“ denkbar gewesen. Aber diese Art von Rückschritten schmälert nicht die Leistung der Band und schon gar nicht die des Sängers: Willy DeVille ist einer der absolut überragenden und seelenvollsten Rock-Sänger in der ganzen Geschichte dieser Musik, so einzigartig wie Elvis Presley 1954 bis 1957, John Lennon in seinen Sternstunden oder Rod Stewart auf seinen ersten beiden Solo-Platten.

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Mink DeVille, Cabretta, 1977

Produzent/ Jack Nitzsche

Label/ Capitol

Auch wenn er Mitte der 70er mit seiner Band Mink DeVille eine der Hausbands im berüchtigten CBGB’s-Club in New York war, sah sich William Paul Borsey nie als Teil der Punkbewegung. ‚Every fuckin‘ art student that plays out of tune gets a record deal‘, meinte er verächtlich über die Szene. Er sah sich eher in der Tradition der grossen Blues- und Soulstars der 50er und 60er Jahre. Mit seinem Bleistiftschnurrbart, toupierten Haaren und Nadelstreifen sah er auch mehr nach Hispano-Zuhälter als nach Punk aus. Entsprechend hatte er den Namen seiner Combo gewählt. ‚Mink‘, das englische Wort für Nerz, und die Cadillac-Typenbezeichnung ‚DeVille‘ ergaben für ihn die perfekte Kombination. Was könnte schon mehr nach Lude klingen als eine mit Edelpelz versehene Luxuslimousine? Und weil der Name so schön war, adaptierte er ihn dann auch gleich für sich selbst.

Sein erstes Album „Cabretta“ definiert schon eindeutig Mink DeVilles Image und Stil. Das Album ist mitnichten der zaghafte Versuch eines Newcomers, sondern schon vollkommen ausgereift. Jeder Song ein Volltreffer: Aggressive R&B-Brecher wie „One Way Street“ oder „Gunslinger“ stehen neben knisternden, soulgetränkten Schmachtstücken wie „Mixed Up Shook Up Girl“, „Party Girls“ oder dem Drifters-Cover „Little Girl“. Der Sänger allein mit seinem blutenden Herzen, gesegnet mit einer Stimme, die den Asphalt zum Schmelzen bringt. Nicht zu vergessen der ultracoole „Cadillac Walk“, der das blasse Original von Moon Martin völlig überflüssig macht und die Latino-Paradenummer „Spanish Stroll“. Jack Nitzsches trockene Produktion tut ihr übriges. Atemberaubend