The Small Faces, Itchycoo Park, 1967

Text/Musik/ Steve Marriott, Ronnie Lane

Produzent/ Steve Marriott, Ronnie Lane

Label/ Immediate

Sie überqueren eine Seufzerbrücke „Over bridge of sighs“, dann werden sie high. Das führt zu einer überwältigenden Erfahrung, zu dem berühmten: „It’s all too beautiful!“ Die Rede ist von „Itchycoopark“ von den Small Faces, am besten anzuschauen als Performance im deutschen Beat Club. Die überwältigende Erfahrung wird allerdings von Anfang im Gespräch aufbereitet, das Steve Marriott und Ronnie Lane führen. Sie reizen sich gegenseitig mit wunderbaren Aussichten, wie man den Tag verbringen könnte. Schliesslich macht es klick, als Steve mit verschlagenen Gesichtsausdruck vorschlägt: „Wir könnten die Schule schwänzen!“ „Great!“ antwortet Ronnie.

Das Weitere übernimmt die Musik. Der Dialog steht für die sich gegenseitig aufschaukelnde Euphorie eines gemeinsam erlebten Abenteuers; der langsamen Phase des Abschlaffens der Euphorie folgt ein neuer Rush: „Ich würde mir unter Umständen das Gehirn wegblasen lassen ( I feel inclined to blow my mind).“ Das Drum-Break von Kenney Jones wirkt wie der Neustart eines Jahrmarktkarussells. Die Trip-Erfahrung ist eine freie Entscheidung. „What did you do there? We got high!“ An den Fernsehbildern des „Beat Club“ kann man auch sehen, wie diese Glücksidee noch mit einer konventionellen Musikdarbietungswelt verbunden ist.

Small Faces, There Are But Four Small Faces, 1968

Produzent/ Glyn Jones, Ronnie Lane, Steve Marriott

Label/ Immediate

Keiner der vier war grösser als 1,65 Meter. Und sie waren „faces“ – immer nach der neusten Mode herausgeputzte Mods. Steve Marriott war der unangefochtene Bandleader. „Er war ein kleines Arschloch“, sagte Glyn Jones, damals Produzent der Small Faces. „Aber sein Enthusiasmus, seine Energie und auch sein Egoismus hatten einen bedeuteten Anteil am Erfolg.“

1967 war ein gutes Jahr für die Small Faces. Mit „Here Comes The Nice“, „Itchycoo Park“ und „Tin Soldier“ hatten sie gleich hintereinander drei Singles, die alle Popgeschichte schrieben. Ausserdem nahmen sie das psychedelische Konzeptalbum „Ogden’s Nut Gone Flake“ auf, das im Sommer 1968 ein grosser Erfolg wurde. Hinter diesem Kreativitätsschub stand Andrew Loog Oldham, der Manager der Rolling Stones. 1965 gründete er das Label Immediate. Die Small Faces wechselten zu ihm, weil sie unbegrenzt Studiozeit zur Verfügung bekamen. Bis dahin mussten Aufnahmen immer so schnell wie möglich fertig sein. Das erste Album hatten die Small Faces in einem Tag aufgenommen. Ausser von Oldham profitierten die Small Faces nun auch von Glyn Jones, der zu diesem Zeitpunkt einer der besten Toningenieure Englands war.

Trotz des Erfolgs von „Ogden’s Nut Gone Flake“ wurde Marriott immer unzufriedener und verliess die Band Ende 1968, um mit Peter Frampton Humble Pie zu gründen. Für die verbliebenen Small Faces ging das Leben weiter: Sie fanden mit Rod Stewart einen neuen Sänger und verkürzten den Namen auf Faces. Obwohl auch Stewart nur 1,65 Meter misst.

Small Faces, Whatcha Gonna Do About It, 1965

Text/Musik/ Brian Potter, Ian Samwell

Produzent/ Ian Samwell

Label/ Decca

Die Small Faces gab es gerade mal ein paar Wochen, als im August 1965 „Whatcha Gonna Do About It“ herauskam, ihre erste Single. Das hypnotische Riff war zwar von einem Song von Salomon Burke abgekupfert, trotzdem kam die Platte in die britischen Charts und die kleinwüchsige, aus engagierten James-Brown- und Ray-Charles-Fans bestehende Band wurde zur Lieblings-Beatschuppengruppe der party- und klamottensüchtigen Mods. Vorallem ihr Sänger Steve Marriott, ein Krakeeler und Rumpelstilzchen, sorgte auf der Bühne für Alarm. Das Publikum tanzte bei ihren Konzerten wie wild.

Es gibt es diese vergnügliche Geschichte, wie Don Arden, der Manager der Small Faces, bei den Eltern der Musiker aufgetaucht war, um die geringen Einkünfte der Small Faces durch eine von ihm erfundene Heroinabhängigkeit zu erklären. In Wahrheit speiste er die Band mit einem Taschengeld ab und liess sie zum Beispiel nie in die USA reisen, weil sie dort unweigerlich mitbekommen hätten, welche Summen ein Musiker in den 60ern bereits verdienen konnte.