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Aretha Franklin, Aretha: Lady Soul, 1968

Produzent/ Jerry Wexler

Label/ Atlantic

„Sie klopft nicht an, sie stürmt herein!“, war auf dem Cover einer ihrer ersten Schallplatten zu lesen. „Stil, Zeitgefühl und Rhythmus verdanke ich den Predigten meines Vaters“, betonte die in Memphis geborene Tochter des prominenten Geistlichen und Chorleiters Reverend C.L. Franklin. Mit diesen beiden knappen Aussagen sind bereits die wesentlichen Merkmale der „First Lady Of Soul“ umrissen. Auf diesen Fundamenten ruhte ihre wechselvolle Erfolgsgeschichte, in deren Verlauf sie zur Nummer eins in der Enzyklopädie vokalistischer Ekstasen aufstieg.

Aretha Franklin produzierte einen Dschungel voller Rachenlaute. Die schwarze Hohepriesterin flüsterte, hauchte und gurgelte ihre Botschaften, sie klagte, heulte und kreischte, trieb ihre Stimme hoch ins Falsett, nahm sie zurück, verfiel in dunkles Knurren. Die nächsten Vokalsalven polierte sie zu samtweicher Sentimentalität, um sie sogleich wieder in heiseres Bellen zu verwandeln. Mindestens so wichtig wie das, was sie sagte, ist das, was sie nicht sagte: die Verschattungen, das Weggelassene, das Verschliffene, das Unterdrückte und lediglich Angedeutete schafften jenen Seelenton, der nur ihr eigen war.

„Lady Soul“ war das dritte und beste in der Kombination mit Atlantic-Produzent Jerry Wexler in Muscle Shoals, Alabama aufgenommenen Album. Das Debüt „I Never Loved A Man The Way I Love You“ hatte ihr Selbstvertrauen gestärkt, die Vielfalt auf  „Aretha Arrives“ zeigte die Stärken und Grenzen ihres Talents. „Lady Soul“ konzentrierte sich auf die Stärken. Arethas Leidenschaft für R&B – Don Covays Hymne „Chain Of Fools“ ebenso wie „Since You’ve Been Gone“ mit Franklins unvergleichlichen Background-Sängerinnen The Sweet Inspirations – ist ihrer Leidenschaft für Gospel ebenbürtig: Curtis Mayfields „People Get Ready“, samt perfekter Orchesterbegleitung, arrangiert von Arif Martin.

Eric Claptons Claptons Solo beim Blues „Good To Me As I Am To You“ bezieht zeitgenössische Tendenzen im Rock’n’Roll ein. „A Natural Woman“ ist das Highlight der LP; es ist auch Arethas Reise als Künstlerin, wenn sie diesem wunderschönen Lied der Komponisten Carole King und Gerry Goffin die in Memphis gelernte Ehrlichkeit und Leidenschaft verleiht, und dabei ihre wahre Stimme findet.

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Aretha Franklin, Aretha Now, 1968

Produzent Jerry Wexler

Label/ Atlantic

„Aretha Now“, im Juni 1968 erschienen, ist, obwohl mit Gold prämiert, einer jener Platten, die weitgehend übersehen wurden. Der Grund dafür mag wohl darin zu suchen sein, dass die ersten drei Titel, „Think“, „I Say a Little Prayer“ und „See Saw“, Hitsingles waren und auf jeder besseren Greatest Hits Zusammenstellung zu finden sind. Daher tat man den Rest leichtfertig als Füllmaterial ab, was aber ein großer Irrtum ist. Einmal gehört, stellt man schnell fest, das ist eine der größten R&B Scheiben der Soul-Ära der 60er Jahre. Da ist keine schwache Nummer drauf. Es kocht von Anfang bis Ende.

Angefangen mit dem bekannten „Think“, übrigens der einzigen von Franklin (mit-)geschriebenen Nummer des Albums. Leicht gemässigt folgt die Burt Bacharach Komposition „I Say a Little Prayer“, um dann mit „See Saw“ gleich wieder auf Vollgas zu gehen. Dann folgt mit „Night Time Is the Right Time“ ein bekannte und viel gecoverte R&B Standard-Nummer, die durch Franklin eine heisse Interpretation erfährt. Die folgenden Songs, Sam Cookes „You Send Me“, „You’re a Sweet Sweet Man“, ein klassischer R&B mit tollem Chor, das selbstbewusste „I Take What I Want“, King Curtis‘ „Hello Sunshine“ und „A Change“ halten alle dieses Niveau. Erst mit dem von Ronnie Shannon, der schon ihren großen Hit „I Never Loved a Man (the Way I Love You) verfasst hatte, geschriebenen „I Can’t See Myself Leaving You“, wird es etwas besinnlicher.

Eine wahrlich grossartige Scheibe, aufgenommen mit Musikern der Muscle Shoal Studios, Memphis, und Schwester Carolyne und den Sweet Inspirations als Background Sängerinnen.

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Aretha Franklin, Respect, 1967

Text/Musik/ Otis Redding

Produzent/ Jerry Wexler

Label/ Atlantic

Wenn bei den Grammy Awards extra eine neue Kategorie geschaffen wird, um einem Song die gebührende Ehre zu erweisen, weiss man, dass dieser Song etwas Besonderes ist. So gewann Aretha Franklin 1968 den ersten Grammy in der Kategorie „Best Female R&B Vocal Performance“, für ihre feurige Interpretation von Otis Reddings „Respect“.

Viele Leute hatten 1967 Respekt bitter nötig, nicht zuletzt die 25jährige Pfarrerstochter selbst. Die schwarze Community war drauf und dran, ihre Heimatstadt Detroit niederzubrennen, um den Demütigungen der rassistischen Demokratie ein Ende zu setzen. Frauen begannen, die Ziele der Bürgerrechtsbewegung auf ihren eigenen Kampf für gesellschaftliche Gleichberechtigung zu übertragen. Und Aretha Franklin bemühte sich, ihre Karriere nach der Columbia-Records-Flaute bei Atlantis wiederzubeleben. Sie wurde mit Gospel gross, kannte sich im Jazz aus, und nun wollte ihr neuer Produzent, Jerry Wexler, sie zum Predigen bringen. Ihn zweieinhalb Minuten nahm sich die künftige „Queen of Soul“ all dieser Angelegenheiten an.

Vor den Aufnahmen änderten Aretha und ihre Schwester Carolyn den Beat und schrieben neue Gesangsarrangements, sie erfanden auch das charakteristische Buchstabieren des Titels. Ohne R-E-S-P-E-C-T gäbe es keine Liebe, sang Franklin wissend und voller Überzeugung, und machte „Respekt“ zum Universalgebot der Vernunft.