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Taj Mahal, Like Never Before, 1991

Produzent/ Skip Drinkwater

Label/ Private Music

Als Taj Mahal in den frühen Siebzigern vom seinerzeit lukrativen Blues zu seinen „Roots“ in Reggae und Calypso umschwenkte, hatte er plötzlich keinen Major-Deal mehr. Anfang der neunziger Jahre schien sich das Mainstream-Interesse und Mainstream-Geld wieder Taj Mahal anzunähren. Plötzlich konnte er sich Hall & Oates, die Pointer Sisters, Dr. John und alles, was an Studio-Muckern gut und teuer ist, leisten; sogar DJ Jazzy Jeff steuerte ein ziemlich einmaliges Scratch-Solo bei.

Taj Mahal, der ja im Grunde genommen immer eher Songwriter und Forscher als Vertreter eines Genre war – seine Doppelalbum-Hälfte „De Ole Folks At Home“ ist Veranschaulichung der ländlichen schwarzen Kultur der Südstaaten vor Blues immer noch einzigartig – kommt zwar auch mit dieser einigermassen geglätteten, aus verschiedenen, in Amerika verallgemeinernd „Roots Music“ genannten Traditionen (Delta-Blues, Little-Feat-Gitarre, Honk-Tonk-Piano, New orleand Bass etc.) zusammengewürfelter Musik gut zurecht, aber trotz Neubearbeitungen eigener alter Songs („Cakewalk Into Town“, „Take A Giant Step“), einer Version von John Martyn und anderer konzeptueller Leistungen, hätte man sich doch etwas mehr Konzentration und weniger teures Musiker-Hullygully und Studio-Gute-Laune gewünscht. Neben dem Klang der grundangenehmen Stimme Taj Mahals bleibt uns sein geniales Stück „Squat That Rabbit“.

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Taj Mahal And The Hula Blues Band, Taj Mahal And the Hula Blues, 1997

Produzent/ Carey Williams

Label/ Tradition & Moderne

Zwölf Jahre lebte Taj Mahal auf Hawaii, bevor er 1996 zurück nach Los Angeles zog. Dass ihm diese Entscheidung nicht leicht fiel, steht zwischen den Zeilen seines „Hula Blues“­ Projektes. Dabei ist die Annäherung an andere kulturelle Traditionen für Taj Mahal nichts Neues. Er war bereits an diversen „crosskulturellen“ Projekten beteiligt: es gab Begegnungen mit dem Westafrikaner Ali Farka Toure, dem Inder Vishwa Mohan Bhat und anderen.

Sechs der acht Mitmusiker auf „And The Hula Blues“ stammen von Hawaii, das Instrumentarium ist typisch hawaiianisch: verschiedene Ukulelen, Slack-Keygitarre und hawaiianische Steel-Gitarre. Dieser besondere Geist schwingt in jedem Titel mit. Das klingt irgendwie saugemütlich, aber wenn das laut denkende Grunzen des Sängers gerade in Instrumentalpassagen selbst den verschnittensten Rum bereichert, tatsächlich auch ein bisschen müde. Mahal dehnt die Reize dieser sanft im Rythmus der hawaiianischen Arrangements schwingende Musik durch unbestreitbar grosse Werke wie Toots Hibberts „Monkey Man“ oder seinen eigenen „Mailbox Blues“ zu weit über die dreineinhalb Minuten Aufmerksamkeitsspanne hinaus, ohne dafür nachvollziehbare musikalische Gründe anzugeben.

Ein sympathisches Werk allerdings, wenn man noch Zeit hätte, ganze Tage in der Badewanne zu verbringen.

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Taj Mahal, Giant Step, 1969

Produzent/ David Rubinson

Label/ Columbia

Ursprünglich war Taj Mahals drittes Album „Giant Steps / De Ole Folks at Home“ eine Doppel-LP, auf der er bereits in jungen Jahren (er war gerade 27) zeigte, was in ihm steckte.

Tatsächlich ist dieses Album zweigeteilt: Die ersten neun Tracks, „Giant Steps“, bieten soliden Blues mit viel Soul- und Motown-Rhythmus; Taj Mahal und seine Begleitband (Jesse Edwin Davis, Gary Gilmore und Chuck Blackwell) präsentieren sich in bester Spiellaune und spielen Eigenes ebenso wie Coverversionen von den Monkees bis Leadbelly, und zwar immer mit diesem unverkennbar locker zurückgelehnten Taj-Mahal-Sound. Bereits hier sind einige wahre Meilensteine (bzw. eben giant steps) zu hören: Gleich das Pfeif-Solo von „Ain’t Gwine Whistle Dixie“ hat Suchtpotential; der Titelsong wiederum ist ganz einfach schön, ein klarer Fall von unspektakulärem Blues, den man je öfter je lieber anhört. Ähnlich ist „Good Morning Little Schoolgirl“ mit seinen Ragtime-Anklängen. Diese erste Hälfte des Albums schliesst ein nachgerade klassischer Rhythm’n’Blues ab: „Bacon Fat“.

Die zweite Hälfte des Albums, „De Ole Folks at Home“, bestreitet Taj Mahal im Alleingang mit akustischer Gitarre, Banjo oder Harmonika. Alle drei Instrumente beherrscht er meisterhaft; bei „A Little Soulful Tune“ reicht ihm auch schon rhythmisches Klatschen. Wäre da nicht die exzellente Tonqualität, würde man glauben, hier sei ein verjüngter Blind Willie McTell oder ein Sonny Terry wiederauferstanden. Bereits die a capella-Version von Leadbellys „Linin‘ Track“ ist ein Erlebnis; Taj Mahal faucht und singt diesen Klassiker ganz in der Tradition der alten Bluesmeister. Es geht weiter, mit Traditonals, Eigenem und einigen Coverversionen (darunter der „Candy Man“ von Gary Davis und der unverwüstliche „Stagger Lee“ als tiefschwarzer Blues) – ein Track besser als der andere.

Die Zusammenstellung des swingenden, zum Teil rockigen, „Giant Step“ mit dem eher ruhigen „De Ole Folks At Home“ ist genial, weil sie die ganze Breite von Taj Mahals grossem Können wiedergibt.